EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Breuberg

Geschichte:

Die Burg, deren bauliche Anfänge sehr wahrscheinlich bis ins 12. Jh. zurückreichen, war seit ihrer Ersterwähnung 1222 als Lehen des Reichsklosters Fulda in der Hand der edelfreien Herren von Breuberg, die sich zuvor nach dem nahegelegenen Lützelbach benannt hatten. Es gibt keinen Grund für die häufige Behauptung, die Burg sei eine Gründung Fuldas. Auch waren die Herren von Breuberg niemals Vögte des Reichsklosters.
Mit dem Aussterben der Herren von Breuberg wurden Burg und Herrschaft Ganerbschaft, bis Ende des 15. Jahrhunderts die Grafen von Wertheim sämtliche Anteile in ihre Hand bringen konnten. Das unerwartete Aussterben des Wertheimer Grafenhauses führte zur erneuten Aufteilung von Burg und Herrschaft, die nun je zur Hälfte den Grafen von Erbach und den Grafen von Löwenstein zufiel. Beide Grafenhäuser konnten Besitz und Baubestand der Burg über das Ende des Alten Reiches hinaus bis zu ihrer Enteignung während des Zweiten Weltkrieges erhalten. Nach Kriegsende wurde das Land Hessen zum Eigentümer der Burg bestimmt. (T.St.)

Bauentwicklung:

Aussagen zur Baugeschichte können sich bisher nur auf die umfangreichen archivalischen Quellen stützen. Befunde von Archäologie und Bauforschung liegen bisher praktisch nicht vor.
Die Umrisse der romanischen Kernburg aus der Zeit vor 1222 wurden in den späteren Jahrhunderten nirgendwo verändert, deshalb blieb die romanische Ringmauer über weite Strecken erhalten. In den Kernburg-Gebäuden ist dagegen keine nennenswerte Bausubstanz aus der Frühzeit der Burg erhalten geblieben.
Um 1400 besaß die Burg eine Vorburg und zwei Zugbrücken, von denen sich Reste der oberen am Aufgang zur Kernburg erhalten haben. Ansonsten wurden Vorburg und die anzunehmenden Außenbefestigungen durch den späteren Ausbau der Burg ab 1497 unter den Grafen von Wertheim beseitigt. Erhalten blieb nur der halbrunde Wilhelmsturm im Graben.
In der ersten Hälfte und Mitte des 16. Jahrhunderts erfolgte jener Ausbau, der der Burg ihr bis heute erhaltenes Gesicht verlieh. Das um 1500 begonnene Befestigungskonzept mit drei runden Geschütztürmen blieb unvollendet, der östlichste Turm steht deshalb frei im Graben. Stattdessen wurde der Eingang zur Burg durch das große, gemauerte Vorwert geschützt, im Dreißigjährigen Krieg erfolgte zudem die Anlage von Erdschanzen auf dem Wall. Anfang des 17. Jahrhunderts ent-standen als letzte Neubauten die Renaissance-Gebäude der Vorburg, allen voran der Johann-Casimir-Bau von 1613 mit seiner einzigartigen Stuckdecke.
Ab 1985 erfolgte der Ausbau der Kernburg für die dortige Jugend-herberge. (T.St.)

Baubeschreibung:

Größte Burg in Südhessen und dem Odenwald. Die romanische Kernburg hat mit Ringmauer, Bergfried und Burgtor weitgehend die späteren Ausbauphasen über-standen. Die Gebäude der Kernburg sind dagegen durch das 15. und 16. Jahrhundert geprägt und heute teilweise durch die Jugendherberge genutzt. In der Vorburg blieben mit dem ruinösen Wertheimer Zeughaus von 1528 und dem Johann-Casimir-Bau von 1613 bedeutende Werke der Renaissance erhalten. Das Wertheimer Zeughaus ist der früheste Profan-bau der Renaissance in weitem Umkreis.
Eindrucksvoll sind die äußeren Befestigungsanlagen mit halb- bis vollrunden Geschütztürmen, dem ausgemauerten Graben sowie dem Vorwerk jenseits des Grabens. Von den im 17. Jahrhundert angelegten Erdschanzen auf dem Wall gibt es keine Spuren. (T.St.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Die vorgeschichtliche Besiedlung des Burgberges ist durch verschiedene Keramikfunde erwiesen. Die Mittelalter-archäologie war in der Burg dagegen noch nicht tätig.