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Mellnau

Geschichte:

Bei der Höhenburg Mellnau handelt es sich um eine Burggründung der Erzbischöfe von Mainz. Ihre Entstehung verdankt die 1263 erstmals urkundlich als "castrum Elenhouch" erwähnte Anlage den Auseinandersetzungen des rheinschen Erzstifts mit den Landgrafen von Hessen um die Vorherrschaft in Hessen. Sehr wahrscheinlich entstand die Burg um 1250 als Reaktion auf die 1247/48 erfolgte Zerstörung der unweit entfernt gelegenen Burg Hohenlinden (Hollende) durch Sophie von Brabant. Im Vertrag von Langsdorf, der 1263 die bis 1464 währende Teilung der Vogtei des Stifts Wetter und des Burgwaldes besiegelte, bestätigte Landgraf Heinrich I. von Hessen (gest. 1308) dem Mainzer Erzbischof Werner von Eppstein (1259-84) ausdrücklich den alleinigen Besitz der Burg Mellnau. Im Zuge der Auseinandersetzungen des Erzstifts mit König Albrecht von Habsburg und Graf Ulrich I. von Hanau, dem Reichslandvogt der Wetterau teilte die Burg Mellnau offenbar das Schicksal der mainzischen Amöneburg und wurde zerstört. Urkundlich überlieferte Arbeiten an der Burg für die Jahre 1312-16 können als Indizien für die Wiederherstellung herangezogen werden. Eine Burgkapelle wird 1325 erwähnt. Im 14 und 15. Jh. dient Burg Mellnau häufig als Pfandobjekt. 1464 gelangte die mainzsiche Hälfte von Wetter und die Burg Mellnau an die Landgrafen von Hessen. Nach der Niederlage Landgraf Philipps des Großmütigen im Schmalkaldischen Krieg 1547 wurde Burg Mellnau wie zahlreiche weitere hessische Burgen und Festungen geschleift. 1837 gelangte die Ruine in Privatbesitz und wurde 1957 vom örtlichen Heimat- und Verkehrsverein gepachtet. Die frei zugängliche Burgruine ist heute ein gut besuchtes Ausflugsziel in der Nachbarschaft des historischen Städtchens Wetter. (J.F.)

Bauentwicklung:

Die Baugeschichte der Anlage ist bislang erst unzureichend erforscht worden. Dem Kernbstand des 13. Jh.s gehören sehr wahrscheinlich die Ringmauer und der runde Bergfried an, der als Frontturm das ehemalige, im Spätmittelalter aufgegebene Burgtor an der Ostseite schütze. Die Verlegung des Zugangs und die Errichtung eines neuen Tores an der Südseite der Burg erfolgte offenbar im 14. oder im 15. Jh. gleichzeitig mit der Anlage einer Zwingeranlage. Bauarbeiten am Bergfried sind für die Jahre 1312 bis 1316 belegt. Nach ihrer Schleifung 1547 wurde der Baubestand der Burg durch Steinraub stark dezimiert. 1958, 1961 und 1996 wurden Grundmauern und Kellergewölbe von Gebäuden im Kernburgbereich freigelegt und gesichert. Der teilweise ergänzte Bergfried dient seit 1963 als Aussichtsturm. (J.F.)

Baubeschreibung:

Burg Mellnau liegt auf einem nach Osten zum gleichnamigen Dorf nur mäßig abfallenden Bergkegel und bestimmt das Landschaftsbild des Wettschafttales. Spuren einer Vorburg sind bislang nicht bekannt. Die Kernburg zeichnet sich durch einen annähernd ovalen Grundriss aus. Ursprünglich war die Anlage von der Ostseite her zugänglich. Dort ist in der Ringmauer die ehemalige Toranlage erkennbar. Der runde mit glatten Sandsteinquadern verblendete Bergfried steht als Frontturm unmittelbar hinter der Ringmauer. 1963 instand gesetzt dient der Turm heute als Aussichtsturm. Hofseitig ist der ehemalige Hocheingang des Turmes erkennbar. An der Südseite haben scih geringe Spuren einer Zwingermauer erhalten. Etwa gleichzeitig mit der Zwingeranlage dürfte der jetztige Zugang zur Kernburg im Südwesten der Ringmauer entstanden sein. Im nördlichen Bereich der Ringmauer stieß man bei Sanierungsarbeiten auf die Reste von Kellergewölben. Offenbar lehnten sich die Bauten unmittelbar an die Innenseite der Ringmauer an. Mauerreste eines größeren repräsentativen Gebäudes liegen auf der südlichen Ringmauer in unmittelbarer Nachbarschaft des runden Bergfrieds. (J.F. )