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Beilstein bei Greifenstein

Geschichte:

Einen ersten indirekten Hinweis auf die Existenz einer Burg im Ort Beilstein bietet die urkundliche Nennung der Dynasten von Beilstien im Jahr 1129. Die Familie hatte das Amt der Reichs- und später wormsischen Vögte der sog. Kalenberger Zent, eines Gebietes zwischen Ulm- und Kallenbach am Mittellauf der Lahn inne. Die Vogtei gelangte als Afterlehen an die Grafen von Nassau, denen es gelang, die Herren von Beilstein aus dieser Position zu verdrängen. 1229 werden die Herren von Beilstein letztmals erwähnt. Ihre namengebende Stammburg gelangte an die Grafen von Nassau und diente diesen fortan als eine wichtige Landesburg und zeitweise als Residenz. Der Ort erhielt 1321 Stadtrechte, konnte sich jedoch nicht zu einem städtischen Gemeinwesen entwickeln. Die Herrschaft Beilstein, die aus der Kalenberger Zent erwachsen war, wurde seit dem 15. Jh. durch einen Amtmann in Beilstein verwaltet, der zugleich als Landschultheiß der Herrschaft zum Westerwald fungierte. Unter der jüngeren, 1607 entstandenen Linie Nassau-Beilstein wurde die Burg Residenz einer eigenen Teilgrafschaft. Ungeachtet des Ausbaus der Burg verlegte Graf Georg von Nassau-Beilstein 1620 seinen Wohn- und Regierungssitz von Beilstein nach Dillenburg. Burg Beilstein diente als Verwaltungssitz und geriet wohl an der Wende vom 18. zum 19. Jh. in Verfall. 1812 ließ die bergisch-französische Verwaltung die Analge auf Abbruch verkaufen. Nebengebäude blieben erhalten. In neuester Zeit wurden die sog. Zehntscheune und die - im Wesentlichen aus dem 14. Jh. stammende Hauptburg - modern ausgebaut und einer neuen Nutzung als Behindertenwohnheim zugeführt. Die Anlage ist nicht zu besichtigen und kann lediglich von den sie umgebenden Wegen und Straßen aus betrachtet werden. (J.F.)

Bauentwicklung:

Die Baugeschichte der imposanten, modern ausgebauten Burg ist weitgehend ungeklärt. Baugestalt und Einzelformen (z.B. von Tourellen flankierte Ecken) der Hauptburg erlauben eine vage Datierung der Anlage in das 14. Jh. Ob die Hauptburg bereits unter Graf Johann von Nassau (gest. 1328) im ersten Viertel oder erst unter Heinrich von Nassau-Beilstein (gest. 1378/80) nach der Mitte des 14. Jh. ausgebaut worden ist, lässt sich nach bisherigem Kenntnisstand nicht sagen. Sowohl im 15. und 15. Jh. als auch zwischen 1607 und 1616 wurde die Anlage großzügig ausgebaut und baulich verändert. Die langgestreckte Schlosskirchen entstand 1616-1618 unter Einbeziehung eines älteren Turmes der Burg. Ende des 18. Jh. setzte der Verfall der Anlage ein, die auf den ältesten Ansichten nach 1820 bereits als Teilruine abgebildet ist. Insbesondere die Hauptburg befand sich 1824 in fortschreitendem Verfall ohne Dächer. In neuester Zeit wurde die gesamte Burganlage in zwei Phasen wiederhergestellt. In der Zehntscheune und in der zuletzt modern wiederhergestellten Hauptburg befinden sich Wohnungen. (J.F.)

Baubeschreibung:

Die relativ große Anlage gliedert sich in eine Vor- und Hauptburg. Als Standort wählte der Initiator der Burggründung einen mäßig hohen Sporn über dem Ulmbachtal aus. Den Kern der Burg bildet der imposante 24 m lange und 9-10 m breite Kemenatenbau der Hauptburg. Typologisch handelt es sich um einen Saalgeschossbau, der an der Südseite als Schildmauer konzipiert wurde. Die vier Ecken werden durch schmale Toruellen von ca. 2.5 m Durchmesser flankiert. Den oberen Abschluss der Tourellen bildeten - wie auf einer Ansicht von 1824 erkennbar ist - über Rundbogenfriesen vorkragende Wehrplatten. Der auf der Schildmauer befindliche Wehrgang wurde durch eine Treppen in der Mauer erschlossen. Auffallend ist die bauliche Verwandtschaft mit der kurtrierischen Sporkenburg bei Bad Ems. Die der Schildmauer (Mauerstärke 3,65 m) gegenüberliegende niedrigere Nordwestfornt weist ebenfalls eine beachtliche Mauerstärke von 3,50 m auf. Zum Tal hin folgt eine halbrunde Batteriestellung. Der Zugang zu den im Obergeschoss des Kemenatenbaus gelegenen Wohn- und Repräsentationsräumen erfolgte durch einen runden Treppenturm an der Hofseite. Südöstlich schließt sich an den Kemenatenbau der sog Oberhof an, der seinerseits von verschienenene ruinösen Gebäuden (u. a. Küchenbau mit Wohnräumen) begrenzt wird. Es folgt nach Süden der Mittelhof mit der sog. Zehntscheune, die an der Angriffsseite ebenfalls eine Schildmauer aufweist. Unmittelbar vor diesem Gebäude befand sich der heute zugeschüttete Halsgraben. Nach Norden schließt sich der geräumige Unterhof an, der im Südosten durch das renaissancezeitliche - heute als Wohnhaus dienende - Torhaus betreten werden konnte. Auf einer niedrigeren Geländestufe liegt die imposante, zu Beginn des 17. Jh. errichtete Schlosskirche mit ihrem älteren - übereck gestellten - Turm. (J.F.)