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Hardenberg bei Neviges, Wasserburg

Geschichte:

Der Name der Familie von Hardenberg tritt erstmals in einer 1145 zu Kaiserswerth ausgestellten Königsurkunde in Erscheinung. Bereits zu dieser Zeit führten die Mitglieder des Dynastengeschlechts zeitweise den Grafentitel und hatten das Amt des Stiftsvogtes von Kaiserswerth inne. Die strategisch günstig gelegene kleine Herrschaft fiel 1354 schließlich an die Grafen von Berg. Nach dem Verlust ihrer Güter im Bergischen Land wählten die Herren von Hardenberg die Burg Hardenstein an der Ruhr als neuen Wohnsitz. Stammsitz der Familie war sehr wahrscheinlich die unweit des Schlosses Hardenberg auf einem Bergsporn gelegene Burg Hardenberg (Alte Burg; vgl. Hardenberg bei Neviges I), die offenbar bereits Mitte des 13. Jahrhunderts als Wohnsitz zugunsten der Wasserburg aufgegeben worden ist. Nach der Einbindung der Herrschaft Hardenberg in das Territorium Berg diente die Burg als Mittelpunkt eines eigenen Amtes und wurde im Spätmittelalter häufig verpfändet. Ab 1496 treten die Herren von Gebhardtshain als Herren der Burg in Erscheinung, die umfangreiche bauliche Veränderungen vornehmen ließen. Zwischen 1697 und 1877 befand sich Schloss Hardenberg im Besitz der Freiherren von Wendt. Nach der zwischenzeitlichen Nutzung als Gasthaus gelangte die Burg an die Stadt Neviges, später Velbert. Zur Zeit wird ein neues Nutzungskonzept für die in Teilen sanierungsbedürftige Wasserburg erarbeitet. (J. Friedhoff; T. Bunte)

Bauentwicklung:

Der Vorgängerbau des heutigen Schlosses Hardenberg, die sogenannte "Alte Burg" (vgl. Hardenberg bei Neviges I), lag, von Wall und Graben geschützt, weiter südwestlich auf einem 247 m hohen Bergsporn. Schloss Hardenberg teilt sich in eine Vor- und eine Hauptburg. Der auf der Vorburg befindliche Wirtschaftshof lässt sich über Gebäudeanker auf 1680 und 1693 datieren. Über mögliche Vorgängerbauten ist nichts bekannt (in den Quellen ist von Ställen sowie einem Back- und Brauhaus die Rede). Zwei Rundtürme sicherten die Vorburg, sind jedoch lediglich in Fundamenten erhalten. Das Herrenhaus war ursprünglich als Zweiflügelbau mit quadratischem Innenhof und einem turmartigen Gebäude errichtet worden. Dieses Haus war von einem zusätzlichen Wassergraben umgeben, der heute lediglich im Gelände zu erkennen ist. Um diesen Graben verlief ein Befestigungsring mit vier von Kegeldächern bekrönten Flankentürmen, wohl des ausgehenden 15. Jahrhunderts. Nach Brandzerstörung wurde die Hauptburg Ende des 18. Jahrhunderts wieder aufgebaut und umgestaltet. 1842 wurden die äußere Ringmauer sowie das Torhaus an der Südseite entfernt, die Steine für den Neubau der Schlossmühle verwendet. Nach Verfall seit den 1980er Jahren Sanierungsarbeiten. Kleinere bauhistorische Untersuchungen beschränkten sich auf die Ringmauer mit den vier Flankentürmen. (T. Bunte)

Baubeschreibung:

Schloss Hardenberg präsentiert sich dem Betrachter als zweiteilige, aus Vor- und Hauptburg bestehende Wasserburg. Das heutige Erscheinungsbild des rechteckigen Herrenhauses ist auf den Wiederaufbau nach einer Brandzerstörung des 18. Jahrhunderts zurückzuführen. Die ursprüngliche Baugestalt - es handelt sich um eine zweiflügelige winkelförmige Anlage ist nur noch in Ansätzen erkennbar. Besondere Beachtung verdienen die Außenanlagen der Hauptburg. Es handelt sich um eine zum Teil mit Kasematten ausgestattete Ringmauer, die von vier mächtigen runden Geschütztürmen mit Schießscharten für Feuerwaffen flankiert wird. Gesamtanlage und Einzelbefunde (Schießscharten) erlauben eine ungefähre Datierung in das letzte Jahrzehnt des 15. Jahrhundert. Bei der Vorburg handelt es sich um einen dreiflügeligen Baukörper, der an der Feldseite ursprünglich zwei dreiviertelrunde Flankentürme aufwies, die jedoch bis auf ihre Fundamente abgebrochen wurden. Datierungshilfen bieten Eisenanker, die auf die Jahre 1680 bzw. 1693 verweisen. (J. Friedhoff)