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Angermund

Geschichte:

Bei der Burg Angermund handelt es sich um eine der bedeutendsten Landesburgen der Grafen, seit 1380 Herzöge von Berg. Die Anfänge des noch existenten Baubestandes der Wasserburg reichen in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Angermund wird 1167 erstmals unter den vom Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg erworbenen Gütern erwähnt. Mitte des 13. Jahrhunderts ging die Burg als Lehen des Erzstiftes Köln an die Dynasten von Berg über, die die Anlage 1247 neben Schloss Burg an der Wupper, Bensberg und Windeck an der Sieg zu den wichtigsten Burgen ihres Territoriums zählen. Im Spätmittelalter diente die Burg den Grafen bzw. Herzögen gelegentlich als Aufenthaltsort. Angermund rangiert jedoch in der Hierarchie der bergischen Residenzburgen deutlich hinter den Schlössern Burg und Bensberg. 1327 erhielt Graf Adolf VI. von Berg vom Kölner Erzbischof die Genehmigung, die Burg seiner Gattin als Wittum einzuräumen. Im Laufe des 14. Jahrhunderts wurde die Kölner Lehnshoheit faktisch unwirksam. Ab etwa 1350 bildete die Burg den Mittelpunkt eines bergischen Amtes. Die vor den Toren der Burg entstandene Siedlung erhielt im 15. Jahrhundert stadtähnliche Rechte und bildete die Freiheit Angermund. Die volkstümliche Bezeichnung "Kellerei" belegt eindrucksvoll die Funktion der Anlage als Verwaltungssitz bis 1806. Zeitweise im Besitz der Grafen von Hatzfeldt-Weisweiler wurde die teilweise verfallene Burg in den 1980er Jahren einer neuen Nutzung zugeführt und zu Wohnzwecken ausgebaut. (J. Friedhoff)

Bauentwicklung:

Eine eingehende bauhistorische Untersuchung der im Kern hochmittelalterlichen Anlage steht noch aus. Die in großen Teilen erhaltene Ringmauer geht auf den ursprünglichen Bestand zurück und datiert wohl in die Mitte des 13. Jahrhunderts Das Torhaus wurde 1635 erneuert, datiert jedoch im Wesentlichen in das 15. Jahrhundert. Bei dem an der Westseite befindlichen Hauptgebäude handelt es sich um einen Baukörper, der noch Teile seiner hochmittelalterlichen Bausubstanz bewahrt hat, so etwa ein heute vermauertes Biforienfenster an der Außenseite. Zur Hofseite weist der Bau spätgotische Kreuzstockfenster auf. Im 17. Jahrhundert erlitt Burg Angermund Beschädigungen, Plünderungen und Einquartierungen. 1716 erfolgte die Niederlegung des aus dem 13. Jahrhundert stammenden runden Bergfrieds unweit des Torhauses. Restaurierungen erfolgten in den 1970er und zuletzt in den 1980er Jahren. (J. Friedhoff)

Baubeschreibung:

Die gelegentlich als "Kellerei" bezeichnete Wasserburg Angermund wurde über länglich-ovalem Grundriss errichtet. Der die gesamte Anlage umgebende breite Graben ist noch gut erkennbar. Hochmittelalterlichen Ursprungs ist die aus Kalkstein und Tuff aufgeführte Ringmauer, aus deren Verband lediglich das wohl im 15. Jahrhundert entstandene Torhaus hervorspringt. Seitlich der Tordurchfahrt befinden sich zwei Schlüssellochschießscharten. Der das Erscheinungsbild der Burg bestimmende runde Bergfried wurde 1716 niedergelegt. Besondere Beachtung verdient das auf der Südseite gelegene Hauptgebäude mit hofseitigen Kreuzstockfenstern und einem vermaurten Biforim an der Außenseite. Aus dem 18. Jahrhundert stammende Stuckdecken wurden im Zuge der Saneriungsarbeiten in den 1980er Jahren wieder rekonstruiert. Im Obergeschoss befindet sich ein Saal, der noch die Reste von zwei Kaminanlagen aufweist. (J. Friedhoff)

Arch-Untersuchung/Funde:

1984 Aufnahme von Mauerzügen des mittelalterlichen Bestandes der Burg. Außerhalb der Burg wurde eine mittelalterliche Abfallgrube entdeckt und erfasst. Unter dem Fundmaterial dominierte Kugeltopfware. (Jens Friedhoff)