EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Altena a.d. Lenne

Geschichte:

Die Anfänge der imposanten, über dem historischen Ortskern gelegenen Burg Altena liegen im Dunkeln. Eine ersten indirekten Hinweis auf die Existenz der Höhenburg bietet eine 1161 ausgestellte Urkunde, in der sich Erberhard aus dem Dynastengeschlecht der Grafen von Berg nach der Burg Altena benennt. Die strategisch wichtige über dem Lennetal im westlichen Sauerland gelegene Burg fiel offenbar auf dem Erb- bzw. Heiratsweg an die Grafen von Berg und befand sich zuvor in der Verfügungsgewalt der Grafen von Arnsberg, die die Anlage vermutlich als Kölner Lehen innehatten. Die genauen Eigentumsverhältnisse (Altena als Kölner Lehen?) sind nach bisherigem Kenntnisstand unklar. Levold von Northof berichtet in seiner spätmittelterlichen Chronik der Grafen von der Mark von einer legendären Gründung der Burg Altena um 1100 durch zwei Brüder aus dem römischen Geschlecht der Orsini, die mit Kaiser Otto III. nach Deutschland gezogen waren und auf der Wulfsegge eine Burg erbauten. Der westfälische Geschichtsschreiber Johann Dietrich von Steinen verlegt die Burggründung in das Jahr 1208. Als nicht unproblematisch erweist sich die in der Literatur gelegentlich vertretene Datierung der Burg in das Jahr 1122/1125. In der Gründungsurkunde des Klosters Cappenberg wird ein Adolphus comes de Altena als erster Zeuge erwähnt, der gelegentlich mit Graf Adolph IV. von Berg (1106-1161) identifiziert wird. Bei der genannten Urkunde handelt es sich um eine Fälschung und der Namenszusatz "von Altena" wird in den Schriftquellen erstmals infolge einer um 1160 vollzogenen Erbteilung erwähnt. Um 1120 hatte Graf Adolf II. von Berg (de monte) die bereits 1131 verstorbene Adelheid von Arnsberg geheiratet und dadurch seine bergische Herrschaft um Besitzungen im östlichen Ruhrgebiet und in Westfalen vermehrt. Als neues administratives Zentrum diente offenbar die Burg Altena. Um 1160 erfolgte eine Teilung des gewaltigen Besitzes. Adolf ältester Sohn, Eberhard I. (gest. 1180) erhielt die westfälischen Besitzungen, während dessen Bruder Engelbert I. (gest. 1189) die rheinischen Güter für sich beanspruchte und den Namen "von Berg" weiterführte. Die von Eberhard gestiftete, in Altena ansässige Linie führte in den ersten Jahrzehnten den Titel der Grafen von Altena. Nach dem Erwerb der Burg Mark bei Hamm an der Lippe 1198 benannte sich Friedrich von Altena (gest. 1199) in den Urkunden nach 1202 Graf von der Mark. Eine weitere Familienteilung des Altenaer Zweiges der Grafen von Berg erfolgte 1175. Eberhards ältester Sohn Arnold (gest. 1209) stiftete den Zweig Altena-Isenberg, während sein Bruder Friedrich (gest. 1199) die Altenaer Hauptlinie fortführte. Bis zur Vollendung der Isenburg an der Ruhr Ende des 12. Jh. hatten offenbar zwei gräfliche Haushaltungen auf der Burg Altena ihren bevorzugten Wohnsitz. Graf Adolf von der Mark (gest. 1249) favorisierte als Wohnsitz die Burg Mark, in deren Nähe er 1225 die Stadt Hamm als erste märkische Stadt gründete. 1249 bis 1262 diente Burg Altena Otto (gest. 1262) dem Bruder des Grafen Engelbert I. von der Mark (gest. 1277) als Aufenthaltsort. Die Grafen von Mark gelang es, nachdem sie sich 1225-1243 den größten Teil des isenbergischen Erbes an der Ruhr einverleibt hatten, sich bis 1368 neben dem Erzstift Köln als eine der führenden Mächte in Südwestfalen zu etablieren. 1368 trat Adolf III., der Bruder Engelberts III. von der Mark, die Nachfolge seines kinderlosen Onkels, des Grafen von Kleve an, nachdem Adolf II. von der Mark durch seine Eheschließung mit Margarethe von Kleve die Voraussetzung für den Zusammenschluss der Territorien geschaffen hatte. Die im frühen 15. Jh. in den Herzogsstand erhobenen Dynasten regierten nun über den Länderkomplex Kleve-Mark. Unterhalb der Burg Altena war eine Siedlung entstanden, die infolge der Drahtverarbeitung aufblühte und 1367 zur Freiheit erhoben wurde. Burg Altena diente bereits im 14. Jh. als Amtssitz und beherbergte 1393-1398 und noch einmal 1425-1461 eine landesherrliche Hofhaltung der Grafen Dietrich II. (gest. 1398) und Gerhard von der Mark (gest. 1461). Nach dem Übergang des Territoriums Kleve-Mark an die Kurfürsten von Brandenburg 1609 diente die Burg Altena als Garnison. Im Niederländisch-Französischen Krieg 1628 wurde die Burg durch spanische und lothringische Truppen erobert. 1766 erfolgte die Einrichtung eines Kriminalgefängnisses für die Grafschaft Mark. Nach welchselvoller Nutzung als Garnison, Kriminalgericht mit Gefängnis sowie als Kranken- und Armenhaus machte die Stadt Altena, die seit 1771 über Eigentumsrechte an der in Verfall geratenen Burg verfügte, die Anlage 1833 dem preußischen Kronprinzen und späteren König Friedrich Wilhelm IV. zum Geschenk. Das Vorhaben des Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, Ludwig Freiherr von Vincke, die zum Teil ruinöse Anlage nach Entwürfen des Landesbauinspektors Ritter wiederherzustellen, scheiterte aufgrund der gewaltigen finanziellen Anforderungen und eines gescheiterten Spendenaufrufs. Bis 1843 entstanden lediglich Gartenanlagen nach Plänen des Düsseldorfer Hofgartendirektors Maximilian von Weyhe. Als Initiator des 1906 bis 1917 erfolgten späthistoristischen Wiederaufbaus der geschcihtliche bedeutsamen Burg Altena gilt der damalige Landrat des Märkischen Kreises Fritz Thomée, der ein neues Nutzungskonzept für die Burg entwickelt hatte und 1912 vorlegte: Die Anlage sollte einen Gastronomiebetrieb, die erste fest installierte Jugendherberge und ein Museum der Grafschaft Mark beherbergen. Aus dem Besitz des Märkischen Burgvereins ging Burg Altena 1943 an den Landkreis Altena bzw. an dessen Rechtsnachfolger, dem 1975 entstandenen Märkischen Kreis, über. Heute beherbergt die Burg neben der Jugendherberge ein 2000 neu gestaltetes Museum sowie einen Gastronomiebetrieb. (J.F.)

Bauentwicklung:

Die bauliche Entwicklung der Burg Altena bedarf noch einer eingehenden Untersuchung. Im Rahmen der Sanierung der Anlage 2007/2008 wurden zumindest Teilbereiche des Burgareals archäologisch erforscht. Die Ergebnisse einer kleinflächigen Grabung in der Remise 2012 sprechen für eine Entstehung der Burg in der 1. Hälfte des 12. Jhs. Anzeichen für eine Vorgängerbebauung wurden bisher nicht gefunden. Zum ältesten Baubestand der Burg zählt der als "Dicker Turm" bezeichnete, über hufeisenförmigem Grundriss aufgeführte Bergfried im Zentrum der Anlage. Seine Anfänge datieren sehr wahrscheinlich in die erste Hälfte des 12. Jh. Etwa in die gleiche Zeit sind Teile der Ringmauer sowie Mauerpartien des "alten Palas" zu setzen. Einer zweiten Bauphase ist der zweite, runde Bergfried im oberen Burghof zuzuordnen, der vermutlich im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts entstand. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass zu dem Zeitpunkt, als die Burg zwei gräfliche Haushaltungen, die altenaische und isenbergische, beherbergte, zwei Bergfriede und zwei Palasgebäude existierten. Das sog. Kommandantenhaus sowie der Treppenturm an der Hofseite des "Alten Palas" datieren ins 15. Jh. Ob die im 15. Jh. vorgenommenen Baumaßnahmen im Zusammenhang mit einem für 1455 nachweisbaren Brand der Anlage standen, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen, ist jedoch anzunehmen. Drei weitere mittelalterliche Gebäude konnten 2007/2008 im Zuge von archäologischen Untersuchungen im Bereich des unteren Burghofs nachgewiesen werden, ohne dass sich ihre genaue Zeitstellung ermitteln ließ. Während der kurbrandenburgischen Herrschaft wurden 1709 Pläne für einen umfangreichen fortifikatorischen Ausbau der Burg angefertigt, die jedoch niemals umgesetzt wurden. Dem frühneuzeitlichen Baubestand gehören das äußere Tor (Friedrichtor) und die sog. Alte Batterie an, die einer neuen Nutzung als Jugendherberge zugeführt wurde. 1750 wurde der Dicke Turm durch einen Brand seines Daches beraubt und erhielt ein Notdach. Die Einrichtung eines Kriminalgerichts in den Gebäuden der Burg führte u. a. dazu, dass im Neuen Palas und im Dicken Turm Gefängniszellen eingebaut wurden. Eine nach 1696 entstandene Federzeichnung des kurbrandenburgischen Hofmalers Abraham Begeyn zeigt die Burg abgesehen von dem als Turmstumpf dargestellten runden Bergfried (Pulverturm) noch in relativ gutem baulichem Zustand. Auf einer um 1784/89 entstandenen Radierung gibt Johann Kaspar Haber bereits Teile des "Alten Palas" und des Kapellenbaus sowie der Ringmauer in ruinösem Zustand wieder. Eine 1840 von Carl Schlickum angefertigte kolorierte Lithographie zeigt, dass der Kapellenbau zu diesem Zeitpunkt bereits bis zur Höhe der Fensteröffnungen des Erdgeschosses abgetragen war. 1845 wurde der noch zehn Jahre zuvor inakte neue Palas bis auf das Erdgeschoss niedergelegt. Die 1825 von dem Landesbauinspektor August Friedrich Ritter erstellten Entwürfe zum Wiederaufbau der Burg wurden nicht ausgeführt. Erst 1906 begann man auf Betreiben des Landrats Fritz Thomee mit der Wiederherstellung der Anlage. Für den späthistoristischen Wiederaufbau gewann man den Aachener Architekten und Universitätsprofessor Georg Frentzen, der die Arbeiten 1917 abschloss. Er erhöhte den runden Bergfried durch einen achteckigen Aufsatz mit einem abschließenden spitzen Helm und vier Türmchen, verlängerte den Alten Palas nach Norden, fügte dem Dicken Turm ein über einem Rundbogenfries vorkragendes Obergeschoss mit steilem Dach hinzu, rekonstruierte den Kapellenbau mit dem hofseitigen Treppenturm und schuf unter Verwendung älterer Bauteilen den neuen Palas als Pendant zum gegenüberliegenden alten Palas. Im ersten Untergeschoss des neuen Palas richtete Richard Schirrmann die erste Jugendherberge mit einem Schlafsaal und Tagungsräumen ein. Ein Festsaal im Obergeschoss des Südteils im Alten Palas wurde 1954 von dem Altenaer Maler Joachim Böher mit Darstellungen aus der Geschichte der Grafschaft Mark sowie mit Stadt- und Gemeindewappen ausgemalt. Eine umfassende Sanierung der heute museal und gastronomisch genutzten Burg erfolgte in den Jahren 2007/2008. (J.F.)

Baubeschreibung:

Die Fernwirkung der eindrucksvoll über dem Lennetal und dem gleichnamigen Städtchen gelegenen Burg Altena wird im Wesentlichen durch den späthistoristischen Wiederaufbau zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestimmt. Der Zugang zu der als Abschnittsburg konzipierten, etwa 190 m langen Burg erfolgt von Süden durch die auf einer Zeichnung von 1709 als Friedrichstor und Dorotheenpforte bzeichneten Toranlagen. An der südlichen Angriffsseite erhebt sich die Alte Batterie, ein frühneuzeitlicher Geschützstand, der heute die Jugendherberge aufnimmt. Der langgestreckte untere Burghof besaß ursprünglich - wie archäologische Untersuchungen 2007/2008 belegen - eine mittelalterliche Randbebauung. Vermutlich handelte es sich um Ökonomiegebäude. An das mittlere Tor schließt sich das ins 15. Jh. datierende Kommandantenhaus mit einem 43 m tiefen Brunnen an. Das obere Tor wird von dem ersten Bergfried, dem sog. Dicken Turm flankiert, der über halbkreisförmigem Grundriss aufgeführt eine auffallende Parallele zu dem mächtigeren Hauptturm der Isenburg bei Hattingen an der Ruhr aufweist und sehr wahrscheinlich in die Gründungsphase der Burg Altena in die erste Hälfte des 12. Jhs. datiert. Der 36 m hohe Turm erhielt im Zuge der späthistoristischen Umgestaltung der Burg zu Beginn des 20. Jhs. ein über einem Rundbogenfries vorkragendes Obergeschoss mit rundbogigen Fenstern und einem steilen Turmhelm. Der dem oberen Burghof zugewandte Hocheingang wird durch einen runden Treppenturm des 16. Jhs. erschlossen. An die westliche Ringmauer des oberen Burghofs lehnt sich eine im 20. Jh. entstandene Fachwerkremise an. Ihr folgt der Alte Palas, dessen Nordteil noch mittelalterlichen Ursprungs ist. Der Südteil wurde zu Beginn des 20. Jhs. im Zuge des Wiederaufbaus der teilweise ruinösen Burg unter Berücksichtigung vorhandener Mauerreste ergänzt und zur Talseite hin durch einen Dreieckgiebel akzentuiert. Im Obergeschoss liegt der Festsaal mit Malereien aus den 1950er Jahren, die auf die Geschichte der Grafschaft Mark Bezug nehmen. An den Alten Palas schließt sich nördlich der Kapellenbau an, der über einem Grundriss von 15 x 9 m aufgeführt wurde. Um 1800 war der Baukörper bis auf die Mauern des ersten Stockwerks abgetragen und wurde ab 1907 in späthistoristischen Formen ergänzt. Rekonstruiert wurde der Baukörper als zweieinhalbgeschossiges Gebäude mit zweibahnigen Maßwerkfenstern, die die Lage der Kapelle anzeigen sowie einem über Rundbogenfries vorkragenden Obergeschoss. Hofseitig befindet sich ein poylgonaler Treppenturm mit neobarocker Haube. Unmittelbar an den alten Palas grenzt der zweite runde Bergfried, dessen Abschluss mit polygonalen Obergeschoss, steilem Turmhelm und kleinen Türmchen ebenfalls der Phase des Wiederaufbaus der Burg zu Beginn des 20. Jhs. angehört. Der auf der gegenüberliegenden Seite des oberen Burghofs platzierte neue Palas geht in seinen unteren Partien ebenfalls ins Mittelalter zurück. Der frei rekonstruierte Wiederaufbau erfolgte zu Beginn des 20. Jhs. Der Architekt Frentzen führte den neuen Palas hofseitig in zwei Geschossen auf. Talseitig verfügt das Gebäude über vier Stockwerke. Den rechten Seitentrakt des dreiflügeligen Baukörpers betonte Frentzen durch einen Neorenaissancegiebel. (J.F.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Archäologische Untersuchung von Teilbereichen der Burg im Zuge der Sanierung 2007/2008.
Ausgrabung in der südlichen Hälfte der Remise im Zuge der Konstruktion eines Aufzugs 2012.