EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Varenholz

Geschichte:

Die 1176 erstmals erwähnten edelfreien Herren von Varenholz verkauften ihre Herrschaft mit der Burg 1323 an die Edelherren zur Lippe. Vermutlich wurde die Anlage danach um Burgmannensitze erweitert, die steinerne Turmhäuser (Steinwerke) erhielten (besonders von Wendt). Die Burglehen lagen nicht alle in der Burg, 1338 lag eines "auf dem Kampe", dem Vorwerk; 1346 wird dort ein weiteres Burgmannenhaus erbaut. 1354 wird ein solches Burglehen vor der Burg verkauft, 1363 ein weiteres vor der Mauer angelegt. 1368 gehörte zum Burglehen der Herren von Wendt auch ein Bergfried. 1409 scheint der Ministerialenbereich nochmals erweitert worden zu sein; ein neues Burglehen lag unter dem Hagen des Schlosses zur Weser hin.
Der neue Palas (das steinerne "Moishus" mit Saal), den Simon IV. zur Lippe kurz vor 1428 errichten ließ, wurde das "oberste Haus" genannt; seit dem 14. Jh. ist zudem mehrfach ein runder Bergfried dort erwähnt. 1420 und 1440 wird ein Teil der Anlage genannt "dar de pipe inne licht". 1463-1481 bricht Streit mit de Wendt, der offenbar die Hauptburg inne hatte, wegen einer zuzumauernden Notpforte aus. Zwischen 1497 und 1500 werden neben dem Bergfried ein Pförtnerhaus, ein Backhaus, ein Brunnenhaus, ein Pferdestall für Reit- und einer für Ackerpferde repariert oder neu gebaut.
Die Umgestaltung zum heutigen Schloss erfolgte durch Neubauten um 1542, hauptsächlich aber zwischen 1592 und 1600. Vor 1663/64 wurde der Bergfried im heutigen Schlossbereich niedergelegt.
Die Nationalsozialisten richteten in Schloss Varenholz eine Schulungsstätte des Bundes Deutscher Mädel (BDM) ein. Von 1945 bis 1949 fand in dem Schloss die UFA Universum Filmgesellschaft ein neues Domizil. 1949 richtete Elisabeth Engels in den Räumlichkeiten ein Internat ein. Heute befindet sich Schloss Varenholz im Eigentum des Landesverbandes Lippe und beherbergt die Schloss Varenholz GmbH Internatsgesellschaft für Kinder und Jugendhilfe. (R. Pieper)

Bauentwicklung:

Von den mindestens sechs Burgmannenhöfen sind in der Bausubstanz des heutigen Schlosses zwei erhalten, weitere auf den Ansichten van Lenneps zu vermuten. Nach derzeitigem Kenntnisstand (vgl. van Lennep, Flecken Varenholz) lag eine der mittelalterlichen Burganlagen im Bereich der Vorburg bzw. des späteren Wirtschaftshofes (das heutige Schloss ist noch im Ansatz dargestellt) und wurde im 17. Jahrhundert mit Stallungen überbaut. Ein dortiger Bergfried vermutlich aus dem Ende des 12. Jh. und die wohl auf ältere Vorbilder zurück gehende Ansicht van Lenneps legen eine Turmhügelburg als alte Kernburg nahe, die vor 1428 teilweise erneuert und im 17. Jh. abgerissen wurde.
Ältester Teil der heutigen, vermutlich in der ehemaligen Vorburg entstandenen Anlage ist das hohe Turmhaus aus dem 14. Jh. sowie das 1542 von de Wendt erbaute spätgotische Haus im Südwestflügel. Zur genaueren Bauentwicklung liegen insgesamt noch keine gesicherten Kenntnisse vor. (R.Pieper)

Baubeschreibung:

Das heutige befestigte Schloss ist eine unregelmäßige Vierflügelanlage um einen Innenhof, die einen sukzessiven Bauverlauf erkennen lässt. Das Hauptgebäude ist mit zwei überbauten, verteidigungsfähigen Spitzbastionen an den Ecken versehen.
Bei einer Untersuchung des 1664 erbauten Ochsenstallgebäudes im Wirtschaftshof fanden sich drei ältere Keller, die durch Gänge miteinander verbunden, aber deutlich älter als der Stall und nicht zusammengehörig sind. In den Fensternischen sind teils steinerne Sitzbänke erhalten. Sie bestätigen die Ansicht van Lenneps des Fleckens Varenholz, auf der am rechten Bildrand zwischen dem ansatzweise erkennbaren heutigen Schloss und dem Ort mittelalterlich anmutende Gebäude auf einer Art Turmhügel mit Ringgraben erkennbar sind. Es handelt sich um einen massiven, runden aber verfallenen Bergfried, ein Turmhaus und einen rechteckigen Turm auf kleiner Fläche, dazu zwei vorgelagerte Wirtschaftsgebäude.
Zugleich allerdings hat sich in der Westecke der heutigen Anlage ein in den Neubau des 16./17. Jh. integrierter, schlichter Wohnturm wohl des 14. Jh. erhalten, der Südwestflügel ist im Kern ein ebenfalls selbständiger Bau von 1542.
Auf der Ansicht van Lenneps zum (heutigen) Schloss sind ferner ein weiterer ruinöser Rundturm in Form eines Bergfrieds sowie größere Häuser zu erkennen, die in Dimensionen und Faktur über Wirtschaftsgebäude hinaus gehen. Die Beobachtungen stützen den historischen Befund mehrerer separater Burgmannensitze um eine Herrenburg im späten Mittelalter. (R.Pieper)

Arch-Untersuchung/Funde:

Keine.