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Ehreshoven

Geschichte:

Einen ersten indirekten Hinweis auf die Existenz eines Adelssitzes zu Ehreshoven bietet ein um 1280 datiertes Abgabeverzeichnis der Abtei Siegburg, in dem eine Herrin zu Ehreshoven sowie ein Heinrich von Ehreshoven erwähnt werden, in deren Besitz sich das Lehngut der Abtei Siegburg zu diesem Zeitpunkt befand. Zugleich werden in diesem Dokument die ersten Mitglieder des niederadeligen Geschlechts der von Ehreshoven erwähnt. 1330 führt das älteste Lehnsverzeichnis der Abtei Siegburg Wilhelm von Troisdorf als Inhaber des "hoves zo Irishoven" (Ehreshoven) auf. Fünfundzwanzig Jahre später, 1355, ist von dem "hus zu Irenshoven" die Rede, das sich als Lehen in der Verfügungsgewalt des Adolf aus der Familie der Edelherren von Grafschaft befand. Adolf war mit Jutta, der Tochter des Edelherren Gottfried von Sayn, Herrn zu Homburg vermählt. Ihre Tochter Jutta schloss einen Ehebund mit Wilhelm von Nesselrode. 1387 brachte sie ihrem Gatten Haus Ehreshoven zu. Ihre Brüder Adolf und Heinrich von Grafschaft verzichteten auf ihre Rechte an dem Haus samt Zubehör. Schloss Ehreshoven sollte für die nächsten fünf Jahrhunderte im Besitz der Familie von Nesselrode verbleiben, der im Spätmittelalter der Aufstieg zu den führenden Adelsfamilien des bergischen Landes gelang. Mitglieder der in den Reichsfreiherren- und schließlich in den Grafenstand erhobenen Familie besetzten höchste Ämter. Die von Nesselrode dienten als Amtleute und Landdrosten, Geheime Räte, (Erb-)Marschälle und Kanzler. Schloss Ehreshoven wurde Ende des 17. Jahrhunderts zu einem prächtigen barocken Familiensitz der Hauptlinie der von Nesselrode ausgebaut. Maria, die Tochter des 1817 geborenen Grafen Franz Bertram von Nesselrode starb 1920 ohne leibliche Nachkommen. Laut testamentarischer Verfügung gingen Schloss und Grundbesitz (ca 1300 ha) an die Genossenschaft des Rheinischen ritterbürtigen Adels, einem 1837 gegründeten Zusammenschluss rheinischer Adelfamilien (Rheinische Ritterschaft) über. Das in den 1990er Jahren vorzüglich sanierte Schloss dient als adeliges Damenstift und beherbergt in der weitläufigen Vorburg Räume der Malteser-Akademie, die Moderationsakademie für Medien und Wirtschaft sowie ein Archivdepot der Vereinigten Adelsarchive im Rheinland. (J. Friedhoff)

Bauentwicklung:

Die bauliche Entwicklung des Wasserschlosses Ehreshoven, das zu den bedeutendsten Profanbauten des Oberbergischen Kreises zählt, bedarf noch einer eingehenden Untersuchung. Dem Besucher präsentiert sich die Anlage als zweiteiliges barockes Wasserschloss. Das Hauptgebäude enthält jedoch noch Teile der spätmittelalterlichen Vorgängeranlage. Vermutlich handelt es sich um einen schlichten mehrgeschossigen wohnturmartigen Steinbau und repräsentiert einen Typus des Adelssitzes, dem wir noch in Haus Overbach bei Much, Welterode, Rosbach oder Mauel begegnen. In den Schriftquellen finden sich nur wenige Hinweise auf bauliche Aktivitäten. Ende des 16. Jahrhunderts entstand auf Inititative des jülich-bergischen Kanzlers Wilhelm von Nesselrode und seiner Gattin Elisabeth 1595 die mit einem Erker geschmückte Kapelle mit einem darüber befindlichen Archivraum. Sehr wahrscheinlich blieb der Charakter einer spätgotischen Wasserburg bis Ende des 17. Jahrhunderts erhalten. Der Oberhofmarschall Philipp Wilhelm Christoph Freiherr von Nesselrode und seine Gattin Maria Adriana Alexandra von Leerodt leiteten schließlich Ende des 17. Jahrhunderts ein großzügiges barockes Neubauprojekt ein, das bis heute das Erscheinungsbild der Gesamtanlage bestimmt. Der Name des Architekten ist in den bislang bekannten Schriftquellen nicht überliefert. Es findet sich lediglich ein Hinweis auf die Bauleitung des Kölner Dominikaners Michael Bürger, der 1684 auf Ehreshoven nachweisbar ist. Für 1686 und 1687 lassen sich die Namen verschiedener Maurer aus den Quellen entnehmen. Den Abschluss des großzügigen Bauprojekts bildete die Volllendung des prächtigen barocken Gartens um 1712 unter Franz Carl von Nesselrode, dem Sohn des 1704 verstorbenen Bauherrn. In den 1990er Jahren wurde die eindrucksvolle Anlage grundlegend saniert. (J. Friedhoff)

Baubeschreibung:

Dem Besucher präsentiert sich Schloss Ehreshoven als großzügig gestaltete zweiteilige, aus Vor- und Hauptburg bestehende Wasserburg mit einem seitlich von Vor- und Hauptburg angelegten barocken Gartenparterre. Von der im Kern spätmittelalterlichen Anlage blieben Teile an der Nordostecke des Herrenhauses erhalten. Das Herrenhaus bildet ein dreiflügeliges Gebäudeensemble mit Ehrenhof. Über einem hohen Souterrain erhebt sich der zweigeschossige Hauptflügel, der von einem Walmdach abgeschlossen wird. Seitlich flankieren eingeschossige Seitenflügel mit gestuften Mansarddächern den Hauptflügel. Hofseitig wird die Fassade durch einen dreiachsigen Mittelrisalit akzentuiert. Eine zweiläufige Freitreppe führt zum Portal. Den oberen Abschluss des Risalits bildet ein zweigeschossiger Hausteingiebel mit Pilasterordnung und seitlichen Voluten. Den Ehrenhof grenzen eine steinerne Brüstung sowie ein schmiedeeisernes Gittertor zwischen Hausteinpfeilern ab. Die Nordostecke des Herrenhauses nimmt den Kapellenbau von 1595 auf. Vor die Fassade des dreigeschossigen Baues tritt der Erker der Schlosskapelle von 1595 mit spitzbogigen Fenstern. Im Inneren des Herrenhauses befinden sich einige Räume, die noch ihre prächtige Barockausstattung (Kamine, Deckengemälde usw.) aufweisen. Die Glasgemälde des Kapellenerkers zeigen Szenen der Verkündigung, Kreuzigung und Auferstehung. Die Fassaden der Hauptburg erhielten nach einem originalen Farbbefund in den 1990er Jahren ihren Verputz. Achsial auf die Hauptburg bezogen und mittels einer den Wassergraben überwindenden Bogenbrücke verbunden, wird der geräumige Vorhof von den vier Flügeln der Vorburg flankiert. Im Grundriss bildet die Vorburg ein Sechseck, dessen stumpfe Außenecken zwei quadratische Türme mit zweimal eingezogenen Schweifhauben betonen. In der Achse des Mittelrisalits liegt die Einfahrt, die außen als Rustikaportal mit geschweiftem Giebel gestaltet ist und die beiden Gebäudetrakte der Vorburg miteinander verbindet. Der im Nordwesten der Anlage gelegene Garten hat seine barocke Grundstruktur erhalten. Seitlich des Hauptparterres befinden sich die Orangerie und ein Gartenpavillon. Belebt wird der Garten durch Gartenskulpturen im Stil des Spätempire. Seitlich der Zufahrtsallee des Schlosses liegt ein separater mehrflügeliger Wirtschaftshof, der ebenfalls zur Schlossökonomie gehört und heute Räume des Malteser-Ordens beherbergt. (J. Friedhoff)