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Türnich

Geschichte:

Seit dem ausgehenden 9. Jahrhundert war das hochadlige Essener Damenstift die Grundherrin von Türnich und der benachbarten Ortschaft Balkhausen. Die Vogteirechte übten zunächst die niederlothringischen Pfalzgrafen aus. Ein Ritter Winandus de Tornich ist für das Jahr 1208 überliefert. Mit der Übernahme der Lehnsrechte durch die Grafen von Jülich 1234 wurde "Dornich" zu einer Unterherrschaft im Jülicher Amt Bergheim. Im Jahr 1330 ist Hermann von Bachem als Hofschultheiss und Untervogt in Türnich belegt. Um 1400 folgen die Herren von Hemberg. Der mit Pia von Hemberg verheiratete Wilhelm Quadt wurde 1458 mit Türnich belehnt. Nach einem Streit zwischen dem Stift Essen und dem Herzog von Jülich übernimmt Degenhard von Haes 1476 Türnich als Lehen. Nach langwierigen Auseinandersetzungen zwischen den Herren von Palant-Wachendorf und den Grafen von Geldern konnte die Familie von Rolshausen 1707 den Alleinbesitz über Türnich erlangen. Diese verkauften das Schloss 1850 schließlich an Karl Eugen von und zu Hoensbroech, in dessen Familienbesitz es sich heute bis befindet. (H. J. Greggersen)

Bauentwicklung:

Über die Entwicklung der mittelalterlichen Anlage lassen sich keine Aussagen machen. Diese musste komplett dem ab etwa 1760 entstehenden barocken Neubau weichen.
Unklar ist, wann die Vorgängeranlage des heutigen spätbarocken Schlosses entstanden ist, die erstmals 1681 auf einer Karte von Philipp Hochstein dargestellt ist. Der Kartograph zeigt eine aus mehreren Gebäuden bestehende wohl zweiteilige Burganlage mit einem polygonalen Turm, der von einer barocken Haube bekrönt wird. Bei der Anlage, mit der Degenhard von Haes 1476 belehnt wird, handelt es sich sehr wahrscheinlich bereits nicht mehr um eine mögliche, aber nur vermutete hochmittelalterliche Motte, sondern die unwent entfernt gelegene spätmittelalterliche Vorgängeranlage des heutigen Schlosses. Reste der Vorgängeranlage kamen in den 1990er Jahren bei Sanierungsarbeiten auf dem Hofareal zum Vorschein.
Freiherr Carl Ludwig von Rolshausen ließ 1758-1763 anstelle des Vorgängerbaus ein repräsentatives Schloss nach Art einer französischen Maison de Plaisance errichten. Ob der Entwurf der Anlage auf den Architekten Michael Leveilly oder Johann Georg Leydel zurückging, ist in der Forschung umstritten. Nach dem Erwerb durch die Grafen von Hoensbroech, 1850, erfuhr die Anlage sowohl außen als auch im Inneren eine umfassende Renovierung. Zwischen 1893 und 1895 wurde an das Gebäude des Herrenhauses eine Kapelle angebaut und der Wirtschaftshof erhielt ein neues Torhaus. Seit 1955 sind am Herrenhaus statische Schäden zu beobachten, die schließlich dazu führten, dass das Gebäude nicht mehr zu bewohnen ist. Verursacht wurden die gravierenden Schäden durch die Absenkung des Grundwasserspiegels infolge des Braunkohleabbaus. Sicherungsmaßnahmen wurden 1980, durchgeführt. (Jens Friedhoff; H. J. Greggersen)

Baubeschreibung:

Zum Aussehen des Schlosses vor dem Neubau 1760 gibt nur die Federzeichnung auf einer Flurkarte aus dem Jahr 1681 vage Auskunft. Demnach tauchen hinter einem niedrigen, lang gestreckten Gebäude - vermutlich ein Flügel der Vorburg - mehrere unterschiedliche Bauwerke auf. Zwei kleinen Häusern mit Satteldach auf der linken Seite folgt etwa im Zentrum der Anlage ein hoher, freistehender Turm mit geschweiftem Helm. Darauf erscheint eine Baugruppe, die von einem Dreiecks-, einem mächtigen Treppengiebel und einem hohen, glockenförmigen Anbau gekennzeichnet ist. Diese Gruppe bildet wahrscheinlich das Herrenhaus. Die überlieferte Anlage des 18. Jahrhunderts, besteht aus einem Wohnbau nach Art der Maison de Plaisance. Aus der Flucht der verputzten, zweigeschossigen Backsteinfassade von neun Achsen, tritt ein dreiseitig gebrochener Risalit mit dem Portal hervor. Der Mittelrisalit setzt sich auf der Rückseite des Gebäudes fort, wo er die Front des obligatorischen Gartensaals hervorhebt. Der Mittelbau übersteigt die angrenzenden Baukörper um ein Geschoss, so dass das Mansarddach querschiffartig angelegt ist. Im Westen ist der Fassade eine große Kapelle vorgelagert, die Ende des 19. Jahrhunderts in neubarocken Formen angefügt wurde. Die drei Flügel der Wirtschaftsgebäude liegen seitlich des Herrenhauses, ihr nördlicher Abschluss wird von einem Torhaus gebildet, das ebenfalls Ende des 19. Jahrhunderts entstand und wie die Kapelle neubarocke Züge trägt. Wohl im 18. Jahrhundert legte man den Wassergraben zwischen Vorburg und Herrenhaus trocken und füllte ihn auf. Die gesamte Anlage wird von zwei ovalen Wassergräben umgeben, die durch einen Wall getrennt sind. Ein großer Landschaftspark umgibt das Schloss. (H. J. Greggersen)