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Haag bei Kapellen

Geschichte:

Die Archivalien zu Haus Haag, heute auch Schloss Haag genannt, setzen 1337 mit der Überlieferung eines Hofes in gehen Haege ein, der als klevisches Lehen im Besitz des Konrad von Issum war. 1353 werden sogar zwei Höfe erwähnt, auf die Wilhelm von Boedberg zugunsten seines Bruders Johan verzichtete. Erst nach 1382 ging Haag in den Gerichtsbezirk von Kapellen auf, um fortan Bestandteil des Amtes Geldern innerhalb der Grafschaft Geldern zu sein. Johan von Boedberg, ein Enkel des vorgenannten Johan, war ein hochrangiges Mitglied innerhalb der geldrischen Ritterschaft. 1431 gelang es ihm, das Erbmarschallamt des Herzogtums Geldern zu erwerben. 1460 wird endlich von dem "hues Ind Slaet ingen haige" gesprochen, womit ein Erstbeleg für ein befestigtes Haus vorliegt.
Mit dem kinderlosen Tod der beiden Brüder Cornelius und Arnold von Boedberg 1586 bzw. 1613 ging das Erbe an Ulrich von Hoensbroech über, der mit einer Schwester der beiden Brüder, der Johanna von Boedberg, verheiratet war. Bis heute ist die Familie von Hoensbroech im Besitz von Schloss Haag. (J. Wroblewski)

Bauentwicklung:

Zu welchem Zeitpunkt aus den Höfen des 14. Jh. im rechtlichen wie im baulichen Sinne eine Burg geworden ist, lässt sich aufgrund fehlender Urkunden, sowie Bau- und Bodenbefunden nicht näher bestimmen. Die Erstnennung für 1460 liefert einen ersten Anhaltspunkt. In diese Zeit passen auch die Schlitz- und Schlüssellochscharten der inneren Vorburg, die für Hakenbüchsen ausgelegt waren.
Schloss Haag besteht heute aus der inneren und einer nördlich vorgelagerten äußeren Vorburg. An der Stelle des Haupthauses und der neugotischen Kapelle wächst nun grüner Rasen. Die Zerstörungen durch Bomben im Zweiten Weltkrieg machten einen Wiederaufbau nahezu unmöglich.
Über das Aussehen der vorbarocken Hauptburg ist fast nichts bekannt. Lediglich die unsymmetrische Anordnung der Hauptburginsel gegenüber der Vorburg lässt auf eine ältere Gründung schließen. Der 1662-1664 durch Arnold Adrian von Hoensbroech errichtete barocke Haupthaus war ein über der Kellerebene zweigeschossiges Gebäude, mit zwei zur Hofseite hin liegenden Risaliten. Für den Neubau musste ein älterer Turm niedergelegt werden. Das Haus wurde 1876/77 im Stil der Neugotik aufgestockt und umfassend verändert.
Zu dem Haus gehörte auch eine Kapelle. Schon 1528 ist ein Kaplan genannt. 1629 ist eine neue Kapelle überliefert. Ein Inventar von 1685 nennt Kapelleninventar. Im barocken Herrenhausneubau lag die Kapelle im Obergeschoss über dem Flur des Untergeschosses. 1902 kam auf der Nordostecke eine einschiffige neugotische Schlosskapelle hinzu. (J. Wroblewski)

Baubeschreibung:

Schloss Haag besticht in seiner Wirkung trotz des Verlustes des Haupthauses mit zwei imposanten, hintereinander gestaffelten Vorburgen.
Die westlichen und nördlichen Außenmauern der fast quadratischen inneren Vorburg (ca. 41 x 45 m), die auf den Ecken der Nordseite vorspringenden Rundtürme mit ihren gotischen Knickdächern sowie der im Südwesten liegende, quadratische Torbau, gehören in ihrer Bausubstanz dem Spätmittelalter bzw. dem 15. Jh. an. Ab 1680 wurden barocke Wirtschaftsflügel auf diesen Mauern errichtet. Der Ostflügel mit dem runden Treppenturm auf der Südostecke und einer Tordurchfahrt mit feldseitigem Dreiecksgiebel, scheint ein weitgehender Neubau dieser Zeit zu sein, doch ist in seinem Außenmauerwerk unverkennbar ältere Bausubstanz enthalten, wie z.B. zugemauerte Schlitzscharten beweisen, die in Aussehen und Dimension den Scharten in den übrigen Außenmauern ähneln.
Der Nordflügel erhielt 1686 eine neue Tordurchfahrt. Feldseitig eingefasst von zwei Halbsäulen, auf denen ein Architrav mit flachen Dreiecksgiebel aufliegt. Im Innenfeld ein Wappenstein des Bauherrn Arnold Adrian von Hoensbroech.
Der barocke Westflügel wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut. Statt dessen rekonstruierte man die erhalten gebliebene Ringmauer mit Wehrgang und Schießscharten. Der viereckige, gotische Torturm mit Knickhelm im Südwesten zeigt den ursprünglichen Zugang zur Vorburg an.
Im Nordflügel haben sich analog zur rekonstruierten Ringmauer auf der Westseite die spitzbogigen Arkaden des Wehrganges sowie Schießkammern im Erdgeschoss und im Dachstuhlbereich erhalten. Die meisten Schießscharten sind lange schmale Schlitzscharten, auf deren Innenseiten man noch die Prellhölzer finden kann. Sie waren für Hakenbüchsen konzipiert. Zusätzlich finden sich in den Rundtürmen an den Nordflügelecken große, aus Sandstein gefertigte Schlüssellochscharten.
Die äußere hufeisenförmige Vorburg wurde 1688 errichtet und dient heute zu Wohnzwecken. Sie ist zur alten Vorburg hin offen. Die beide verbindende vierbogige Steinbrücke wurde 1720 fertiggestellt. An der Nordflügelinnenseite der äußeren Vorburg das ehem. Portal des Haupthauses, das mit den Umbauten in der 2. H. des 19. Jh. zuerst am Westflügel verbaut worden war.
Die parkähnliche Umgebung des Schlosses mit ihrem wertvollen Baumbestand geht auf Parkanlagen des 17. und 19. Jahrhunderts zurück.
Die Umgestaltung des Umfeldes um Schloss Haag zu einem Golfplatz 1997 führte zu einer Nutzungsänderung in der inneren Vorburg. Hier wurden ein Restaurant und Büroräume eingerichtet.
Die innere Vorburg von Schloss Haag scheint in einer einzigen Bauphase entstanden zu sein. Anlageform sowie die Schießscharten favorisieren eine Datierung in die 2. Hälfte des 15. Jh. Dies geht konform mit der Erstnennung des Hauses Haag 1460, wobei der Vorburgbau nicht automatisch gleichzusetzen ist mit der Errichtung der Hauptburg.
Die innere Vorburg zeigt typologische Parallelen zur Vorburg von Haus Vondern bei Oberhausen. (J. Wroblewski)

Arch-Untersuchung/Funde:

Die Umgestaltung des Umfeldes um Schloss Haag zu einem Golfplatz 1997 führte zu einer Nutzungsänderung in der inneren Vorburg. Hier wurden ein Restaurant und Büroräume eingerichtet. Die dabei im Innenhof durchgeführten Ausgrabungen (Aktivitätsnr. NI98/1016)) lieferten neue Erkenntnisse zur Baugeschichte der Vorburg. So konnte auf der zur ehemaligen Hauptburginsel liegenden Südseite eine niedrige Begrenzungsmauer sowie Mauerwerk eines nicht näher bestimmbaren Bauwerks (Torbau, Brücke ?) dokumentiert werden. Weiter konnte der Zwischengraben und der Wassergraben auf der Westseite der Vorburg in seinen verschiedenen Nutzungsphasen erfasst werden. (J.W.)