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Kranenburg

Geschichte:

1388 begann auf Initiative des Grafen Adolf von Kleve-Mark (1368-1394) die Auflassung der alten Kranenburger Burg (Alde Börg) und der Neubau einer Stadtburg, in der älteren Forschungsliteratur im Folgenden Stadtschloss genannt. Das Bauwerk war bis 1395 fertiggestellt und fortan der Wohn- und Amtssitz des Drosten des Landes Kranenburg. Im Jahr der Fertigstellung schuf der Graf für die Kranenburger Bürger steuerliche Anreize zwecks Baues einer Stadtmauer als Ersatz für den Erdwall. Die Ummauerung mit zwei Stadttoren war vermutlich 1401 vollendet. Als zu Beginn des 16. Jh. die Herren von Wachtendonk das Drostamt Kranenburg in Pfandschaft nahmen, erbauten sie auf dem Hof Germensel eine neue repräsentative Wasserburg, von der aus sie das Drostamt ausübten. Seiner eigentlichen Funktion beraubt, wurde das Stadtschloss baulich vernachlässigt. Um 1655 stand es noch in wesentlichen Teilen, während bereits einige Jahrzehnte später nur noch Ruinen vorhanden waren. (J. Wroblewski)

Bauentwicklung:

Für das Stadtschloss hatte man ein geräumiges, rechteckiges Bauareal außerhalb der Stadt, mittig an deren Nordflanke bestimmt (Analogiebeispiel Griethausen). Über die Anlage unterrichten nur Ansichten aus dem 16. und 17. Jh. Desweiteren archäologische Nachrichten und Beobachtungen aus dem Jahr 1931. Damals waren bei der Verlegung der Wallwässerung im Norden der Stadt mächtige Backsteinmauern angeschnitten worden. Das Befundbild wurde 2005 im Zuge eines bauhistorischen Gutachtens zur Kranenburger Stadtbefestigung ergebnisreich ausgewertet: Südöstlich der Motte entstand auf einem Rechteckgrundstück (127x78m) das gotische Stadtschloss (22,4x22,4m), ausgeführt in Backstein und mit bis zu 4m mächtigen Grundmauern. Es wurde geschützt von einer im gleichmäßigen Abstand herum geführten 3m starken Ringmauer mit einer Seitenlänge von 44m. Innerhalb des Rechteckgrundstücks nahm das Stadtschloss das südöstliche Viertel ein. Die übrigen Dreiviertel haben sehr wahrscheinlich als Vorburgareal gedient.
Unter Hinzuziehung der hist. Ansichten des 16.-17. Jh. lässt sich das Aussehen des Stadtschlosses rekonstruieren. Prägendes Element war eine allseitig gleichhohe (ca. 20m) Ringmauer mit Wehrgang, Zinnen und Eckwarten. An der Stadtseite war dem obersten Stockwerk ein behelmter, leicht aus der Fassadenmitte nach Westen verschobener Turm aufgesetzt, unter dem das Zugangstor gelegen haben dürfte. Von innen waren nur die Süd- und die Ostseite bebaut, die übrige Fläche ein lichtarmer Innenhof. Was das Stadtschloss architektonisch auszeichnete, war seine monumentale Außenwirkung, die nach heutigem Verständnis eine Art Riesenwohnturm suggerierte. Typologisch finden sich Parallelen zum verschwundenen Haus Driesberg an der Niers bei Goch-Kessel, des Weiteren zum noch erhaltenen Schloss Walbeck bei Geldern. (J. Wroblewski)

Baubeschreibung:

Obertägig keine Reste mehr sichtbar. Überbaut von Schulgebäuden. Zur ehem. Bebauung s. Bauentwicklung. (J. Wroblewski)

Arch-Untersuchung/Funde:

1931: s. Bauentwicklung. 1960 entstand auf dem Platz des Stadtschlosses eine Schule. Das Gelände wurde um 1,0m aufgehöht, größere Erdeingriffe unterblieben. (J.W.)