EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Te Gesselen

Geschichte:

Als geldrisches Lehen wird ein Hof Gesselen schon 1247 erwähnt. Etwas über 150 Jahre später ist der Hof wieder urkundlich fassbar und zwar 1403 im Besitz des Derik von Pellant. Offenbar erfolgte bald darauf der Ausbau zur Wasserburg bzw. zum Haus, wie es in den Schriftquellen schlicht heißt. 1424 wird neben dem Haus auch eine Mühle erwähnt. 1440 werden neben der Vorburg sogar zwei Mühlen genannt. Eingeheiratet in die Familie von Pellant wurde 1498 Arnt von Eyll mit Haus Gesselen belehnt, 1581 die Loeffe von Eyll, verheiratet mit Wilhelm von Hornum. 1584 wurde Haus Gesselen von niederländischen Truppen unter Führung des Freiherrn von Hohensachsen angegriffen und in Brand gesteckt, der Hausherr Wilhelm von Hornum gefangen genommen und erst nach Zahlung eines Lösegeldes wieder auf freien Fuß gesetzt. Wilhelm von Hornum wurde 1610 ermordet. 1648 belehnte man Lyffart von Asselt mit Haus Gesselen. Sein Sohn veräußerte das Anwesen 1668 an Christian Meenen, der es wiederum 1671 an Arnold Adrian von Hoensbroech verkaufte. 1932 kaufte die Familie Deselaers das Anwesen, seit 1987 befindet es sich in den Händen der Familie Keuck, die umfangreiche und sehr sensible Instandsetzungsarbeiten ausführen ließ. (J. Wroblewski)

Bauentwicklung:

Die Bauentwicklung des Hauses ist durch eine intensive Bauforschung während der letzten Instandsetzung ab 1987 dokumentiert.
Das aus Backstein errichtete Burghaus war ursprünglich ein zweiflügeliger Winkelbau, der nach den Beschädigungen 1584 wiederhergestellt wurde. Hierzu gehören die heutigen Fensteröffnungen und die beiden Treppengiebel am Südflügel. 1615 (Maueranker) wurde der L-förmige Baukörper durch einen Anbau zu einem geschlossenen Kubus erweitert. Reste von Umfassungsgräben haben sich auf der Süd- und Ostseite des Burghauses erhalten.
Die Lage der Vorburg ist im nordwestlichen Vorfeld des Haupthauses im Bereich der neuzeitlich-modernen Gebäude zu suchen. (J. Wroblewski)

Baubeschreibung:

Das aus Backsteinen errichtete Burghaus besteht aus einem zweiflügeligen gotischen Winkelbau über flach gewölbten Kellern. Die zweigeschossige Fassade wird in Höhe der Fensterbrüstungen des Obergeschosses von einem schlichten Gurtgesims gegliedert. Etwas darunter verweisen Konsolen und Mauerlöcher auf einen galerieartigen hölzernen Wehrgang. Zwischen den beiden gotischen Trepengiebeln im Westen und Osten beeindruckt der große durchlaufende Pfettendachstuhl mit oberstem Spitzboden und zwei darunter liegenden Speichern. Das angekehlte Dach des Seitenflügels schließt im Norden mit einem gotischen Treppengiebel ab, der jedoch später überformt wurde.
Die zahlreichen Bauspuren vermitteln ein anschauliches und aufschlussreiches Bild von den Veränderungen, die das Gebäude erfahren hat. Nach den Beschädigungen im spanisch-niederländischen Krieg wurde der Winkelbau 1615 zu einem geschlossenen Kubus erweitert, wobei man auch das Treppentürmchen an der Nordostecke des Hauptflügels abriss. Der Anbau entspricht in seinen äußeren Abmessungen dem älteren Seitenflügel, doch ist er in drei statt nur in zwei Wohngeschosse untergliedert. Das vom Anbau separierte Dach ist nach Süden abgewalmt und schließt nach Norden mit einem geschweiften Treppengiebel ab. Im Zuge der Erweiterung wurde auch die Befensterung des Altbaues erneuert und teilweise verändert. Bedingt durch die unterschiedlichen Formate der Blockrahmenfenster und die abweichende Geschossaufteilung des Neubaues sind die Fassaden unregelmäßig gegliedert. Von den gotischen Fenstern blieben lediglich in der östlichen Giebelwand zwei in ihrer ursprünglichen Form erhalten.
Da man bei dem Neubau darauf verzichtete, die ehemaligen Außenwände zu verschalen, blieben in der Ostwand des Seitenflügels in dessen Obergeschoss ein zugesetztes Kreuzstockfenster, Reste des Treppentürmchens und der ursprüngliche, unterhalb der Dachtraufe verlaufende Rundbogenfries mit farbig gefassten Putzresten erhalten.
In dem seit fast 400 Jahren nahezu unveränderten Obergeschoss des Altbaues finden sich neben kleinen Lichtnischen in den Ecken drei mittelalterliche Kamine, die in die 75 cm dicken Giebelwände eingebaut sind. Ihre leicht gerundeten Rückwände wurden Ende des 16. Jh. mit reliefierten Formziegeln ausgekleidet, wie sie seit 1550 für repräsentative Räume niederrheinländischer Adelshäuser üblich waren. Die dargestellten Szenen zeigen die Bekehrung des heiligen Hubertus, die Kreuzigung und auf Steckenpferden reitende Kinder. Vergleichbare Kaminverkleidungen finden sich u.a. auf Burg Zelhem, Burg Brüggen und Schloss Rheydt, doch besitzt Gesselen die besterhaltenen im Rheinland. (J. Wroblewski)