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Unterheiligenhoven

Geschichte:

Bis ins ausgehende 18. Jahrhundert hinein ist die Wasserburg Unterheiligenhoven im Besitz der Familie von Waldenburg gen. Schenkern. Von den drei Rittersitzen an der Lennefe, die Heiligenhoven hießen, ist Unterheiligenhoven wahrscheinlich der älteste. Als Indiz für das hohe Alter der Burg könnte unter anderem die Vermutung von Archäologen gewertet werden, die Burg könne aus einer Motte entstanden sein. Darüber hinaus findet sich auch der Name der niederadeligen Familie von Waldenburg recht früh in Verbindung mit dem Namen der Burg. Erstmals begegnet er in einer Urkunde von 1363, in der von einer Stiftung der Nonne Gretin "van heiligen hove" an ihr Kloster Drolshagen, die Rede ist. Greta ist die Tochter des Ritters Pilgrim von Waldenburg. Möglicherweise ein Bruder Pilgrims, Gerhard, war ab 1340 Amtmann in Wipperfürth. Wo sich der Stammsitz derer von Waldenburg befunden hat, ist nicht bekannt. An die Besitzungen von Heiligenhoven, dürfte Pilgrim durch Heirat gelangt sein. Seine Ehefrau, die ebenso wie die Tochter Greta hieß, zog nach seinem Tod nach Köln, wo sie 1376 starb. Es ist anzunehmen, dass die drei Güter Unter-, Mittel- und Oberheiligenhoven ursprünglich einen einheitlichen Besitzkomplex bildeten. Spätestens um 1500 muss eine Trennung erfolgt sein, denn 1413 wurde Mittelheiligenhoven bereits an die Familie von der Horst verpfändet. Oberheiligenhoven gehört 1425 dem Ritter Johann von Echlinghifen gen. De Wrede. Unterheiligenhoven gehörte 1410 dem Urenkel Pilgrim von Waldenburgs, Gerhard. Dieser soll, gemäß einer Klage des Kölner Erzbischofs Friedrich von Saarwerden bei Herzog Adolf von Berg, einen Bonner Bürger in Heiligenhoven gefangen gehalten haben, um Lösegeld zu erpressen.
Die Söhne Gerhards, Roland und Heinrich, sind auf dem ältesten Ritterzettel des Amtes Steinbach zu finden. Unter den von Waldenburger Besitzern von Unterheiligenhoven hat besonders Wilhelm von Waldenburg gen. Schenkern, jülich-bergischer Geheimrat, Marschall und Amtmann von Steinbach und Jülich, Berühmtheit erlangt. Nach dem Tod Herzog Wilhelms von Jülich-Kleve-Berg im Jahr 1592 saß er der kaiserlich-katholischen Partei unter den Düsseldorfer Räten vor. Er soll auch in die Ermordung der Jakobe von Baden, der Gattin des Herzog Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg verwickelt gewesen sein. Wilhelm kaufte 1591 Hammer und Hütte zu Stoppenbach bei Lindlar und beteiligte sich am Bergwerk Holzkaltenbach des Hans von Neuhof gen. Ley. 1601 fiel Wilhelm bei der Herzogin Antoinette von Lothringen in Ungnade und wurde all seiner Ämter enthoben. In diesem Zusammenhang wurden auch einige Fälle von Amtsmissbrauch und Vorteilnahme im Amt in Zusammenhang mit seiner Eisenhütte aufgedeckt. Sein Sohn Gerhard wurde kurmainzischer Geheimrat und stieg zum Kanzler und Großhofmeister auf. Er erhielt am Mittelrhein Burg Liebenstein zum Lehen sowie weitere Besitzungen in der Pfalz. Mit dem letzten Herr zu Heiligenhoven, Karl Friedrich Freiherr von Waldenburg gen. Schenkern, starb die Familie 1793 aus. Bereits vor seinem Tod hatte er Unterheiligenhoven an den Steinbacher Schultheißen Johann Josef von Brück abgegeben, der seit 1748 bereits Oberheiligenhoven und seit 1767 auch Mittelheiligenhoven besaß. Dessen Sohn verkaufte 1788 alle drei Güter an den Reichsfreiherrn Clemens Lothar von Fürstenberg-Herdringen. Einer Bestandsaufnahme des Käufers ist zu entnehmen, dass bereits zur Zeit des Kaufs der Verfall der Burganlage weit fortgeschritten war. Zuletzt war ein Abruch der Gebäude und die Nutzung der Baumaterialien gewinnbringender als die Instandsetzung der Gebäude, so dass um 1900 bereits nur noch wenige Reste vorhanden waren. (Ruth Beusing)

Bauentwicklung:

Die Bauentwicklung der mittlerweile völlig zerstörten Anlage lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Die Entwicklung aus einer Vorgängeranlage (Motte) ist möglich, aber ohne archäologische Untersuchung nicht verifizierbar. (Ruth Beusing)

Baubeschreibung:

Um 1900 befand sich auf dem von Gräben umschlossenen Burghügel noch ein kleiner Fachwerkbau, in welchem offenbar noch Reste eines Turmes vorhanden waren. Östlich davon ragten noch zwei Wände auf, in denen noch ein Fenstergewände und Reste eines Kamins auszumachen sind. Dabei handelte es sich vermutlich um Teile des mehrgeschossigen Wohngebäudes, das an eine Ringmauer angebaut gewesen sein könnte. Weitere Umfassungsmauern des Burghauses waren noch bis zu 4m vorhanden.
Heute findet sich dort nur noch ein Trümmerhaufen. Eine Treppe führt in einen quadratischen Kellerraum mit Tonnengewölbe. Westlich und nördlich des Burgareals befinden sich noch zwei Teiche, die vom Vossbrucher Bach gespeist werden, Reste des ehemaligen Teich-/Grabensystems um die Burg. Die Hauptburg war durch eine Brücke von der südlich gelegenen Vorburg abgetrennt. Die doppelten Wälle um die Hauptburg sind im Gelände noch deutlich erkennbar. Die Vorburg war ebenfalls von einem Ringwall umgeben. In der Vorburg befindet sich ein 1626 errichtetes noch erhaltenes Wohnhaus. Dieses besteht aus einem ebenerdigen, tonnengewölbten Keller, auf welchem ein einziges Wohngeschoss mit kleinen Fenstern und einem Mansarddach aus dem 18. Jh. aufliegt. In das Haus führt vom westlichen Innenhof aus eine Freitreppe. Rechts der Eingangstür befindet sich eine Sandsteinplatte mit dem Allianzwappen von Waldenburg gen Schenkern- von Gymnich, links der Tür eine Bauinschrift von 1626. Die an den Pächterhof angrenzenden Wirtschaftsgebäude sind jüngeren Datums. (Ruth Beusing)