Geschichte:
Als einzige der drei unter Heiligenhoven firmierenden Burganlagen ist Oberheiligenhoven die einzige heute noch erhaltene Anlage, deren Baugestalt jedoch durch einen barocken Neubau des 18. Jahrhunderts bestimmt wird. Ebenso wie die beiden anderen wird die Burgstelle zu Beginn des 15. Jh. urkundlich, als ihr Besitzer Rittmeister Johann von Eichlinghofen sein "huyss ind sloss Heiligenhoyven" zum Offenhaus der Stadt Köln erklärt. Von Eichlinghofen - auch der "Wrede" (der Grimmige) genannt - hatte selbst im Dienste der Stadt Köln gestanden und gewährte nun den Söldnern der Domstadt Zugang zu seiner Burg, um gegen Feinde vorzugehen, mit Ausnahme des Herzogs von Berg. Im ältesten Verzeichnis der bergischen Ritter werden Johann und sein Sohn Adolf unter dem Amt Steinbach genannt. Adolf, der ebenfalls ein kölnischer Soldritter war, erbte nach dem Tod des Vaters das Rittergut gemäß einem Erbteilungsvertrag mit seinem Bruder Dietrich und seinem Schwager Reinhard von Schlenderhahn.
Wenig ist aus den Folgejahren über die Anlage bekannt. Durch eine Heirat der Erbtochter Katharina Wrede mit Christoph Quad gelangte sie in Besitz dessen Familie. 1573 tauschte die Tochter der beiden - Leuffgen Quad verheiratete von Rheindorff - Oberheiligenhoven an das Ehepaar Wilhelm von Steinrath und Agnes von Ley. Bis 1663 blieb das Anwesen im Besitz der Familie von Steinrath und gelangte dann an den Vetter des Vertreters der Familie - dem letzten Kölner Stiftherr Adolf von Steinrath - Johann Adolf Schenk von Nideggen. 1748 gelangt das Gut für 11.000 Reichstaler an Johann Joseph Reichsritter von Brück, der auch die weiteren Burganlagen von Heiligenhoven sukzessive erwarb. Von Brück entschied sich auch, die alte Burg Oberheiligenhoven vollständig durch neue Gebäude zu ersetzen. So ließ er 1760 eine zweiteilige Anlage, bestehend aus von Gräben und einem Weiher umgebenem Herrenhaus und dreiflügeligem Vorgebäude, errichten.
Von Brücks Sohn musste seine Besitzungen aufgrund der durch den Vater angehäuften Schuldenlast 1788 für 46,666 Reichstaler an den Reichsfreiherrn Clemens Lothar von Fürstenberg-Herdringen veräußern. In Familienbesitz blieb es bis 1932. In diesem Jahr erwarb die Kreissparkasse Wipperfürth den Gebäudekomplex. 1956 ging Oberheiligenhoven durch Kauf an die Adam-Stegerwald-Stiftung über. Seit 2000 beherbergt der Adelssitz einen Gastronomiebetrieb sowie die Verwaltung des benachbarten Oberbergischen Freilichtmuseums. (Ruth Beusing)
Bauentwicklung:
Über die Baugestalt der spätmittelalterlichen Wasserburg Oberheiligenhoven liegen bislang keine zuverlässigen Nachrichten vor. Bereits Ende des 17. Jh. befand sich die Anlage in einem beklagenswerten baulichen Zustand, so dass die neue Eigentümerfamilie Schenk von Nideggen 1711 verschiedene Reparaturen und bauliche Veränderungen vornehmen ließ. Dächer und Fenster wurden erneuert, die Zugbrücke repariert der Torturm abgerissen und eine neue Toranlage aufgeführt. Zwischen 1758 und 1760 entstand ein zweigeschossiger barocker Neubau an der Stelle des spätmittelalterlichen Herrenhauses. Unter Theodor Reichsfreiherr von Fürstenberg wurden 1825 abermals bauliche Veränderungen an dem Schloss vorgenommen. So wurde ein Geschoss ergänzt und das Dach in neugotischem Stil mit Zinnenkranz und Ecktürmen aufgesetzt. Im Zuge einer Renovierung entfernte man 1943 die neugotischen Zutaten. 1974 fiel das gesamte Gebäude einem Brand zum Opfer. Es wurde durch einen Nachbau ersetzt, der sich zwar an seinem unmittelbaren Vorgängerbau orientiert, aber deutlich größer war und ein anderes, an die barocke Baugestalt erinnerndes, Mansarddach erhielt. Der Südwestflügel der Vorburg wurde 1825 niedergelegt. 1881 verlängerte man den Mittelteil der Vorburg nach Südwesten. Ferner erfolgte ein Neubau der Wagenremisen am Ende des neuen Traktes sowie der Einbau alter Wappensteine. (Ruth Beusing; J.F.)
Baubeschreibung:
Die ursprüngliche Anlage ist zu Beginn des 18. Jh. einem zunächst zweigeschossigen Schlossbau zum Opfer gefallen, der 1825 noch durch ein drittes Geschoss ergänzt wurde. Der barocke Neubau präsenteirte sich dem Betrachter als schlichter zweigeschossiger Reckteckbau mit sieben zu drei Fensterachsen. Nach dem neugotischen Ausbau bestimmten u. a. der Zinnenkranz sowie die polygonalen Erkertürmchen das Erscheinungsbild der Anlage, deren Abschluss ein schlichtes Walmdach bildete. Das Erscheinungsbild des "Neubaus" nach der Brandzerstörung wird von "barockisierenden Formen" (Mansarddach) bestimmt. Bei den Ökonomiegebäuden handelt es sich um schlichte eingeschossige Baukörper, die sich lediglich durch ein bescheidenes Torhaus mit barocker Haube und Laterne auszeichnen. (Ruth Beusing; J.F.)