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Nagelsgaul

Geschichte:

Im Jahr 1590 verkauften Friedrich von der Mark, der als Amtmann in Schwerte tätig war, und seine Frau Katharina vom Haus ihren "adelig freihe(n) Erbsitz auf der Obergöll" mitsamt einem Unterstenhof am Gaulbach sowie u.a. Fischereirechten in der Wupper an Friedrich von Katterbach. Friedrich von der Mark und Katharina hatten das Haus zuvor von Katharinas Bruder, Johann vom Haus geerbt. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um das gleiche Gut wie ein bereits 1470 erwähntes adeliges Gut Goyll, das sich zu jener Zeit im Besitz der Kinder des Johann Quad befunden haben soll. Dessen Tochter Bela war mit dem gleichnamigen Urgroßvater Johanns vom Haus verheiratet. Ihr Sohn Heinrich vom Haus wird 1507 als Eigentümer zweier Höfe zu Goill erwähnt. Die unterschiedliche Begriffsverwendung vom "Hof" (1507) zum "adligen Gut" (1590) könnte darauf hindeuten, dass der Ausbau des Gutes im Verlauf des 16. Jh. stattgefunden hat. Erst im Jahr 1596 findet man das Gut auf dem bergischen Ritterzettel.
Eine vage Beschreibung des Rittergutes ist durch die Festsetzung des Erbteiles für die Kinder Friedrich von Kattenbachs und seiner Gattin Elisabeth von Bellinghausen aus dem Jahr 1617 überliefert. Ihr Sohn Adolf erbte Haus Gaul und brachte dies in seine Ehe mit Margarete von Nechtersheim gen. Krümmel. 1636 erhielt er die Position des Amtmannes von Porz und kaufte zehn Jahre danach das rechts des Rheines vor Köln gelegene Haus Herl. Dessen Tochter Maria Judith erbte Hof Gaul und heiratete 1651 den pfalz-neuburgischen Reiteroffizier Mathias von Nagel. Gemeinsam mit seinem Schwiegervater schloss von Nagel 1662 einen Vergleich mit der Stadt Wipperfürth über die Gauler Jagd- und Fischereirechte, 1669 wird er als Herr des Rittergutes genannt. 1676 wurde von Nagel zum Amtmann der vereinigten Ämter Hückeswagen und Bornefeld berufen. Von Mathias' drei Söhnen erbte Konrad Haus Gaul. Er heiratete Anna Maria Stael von Holstein. Ihr Allianzwappen, ein Relikt des alten Burghauses, ist über dem Eingang des heutigen Gutshauses angebracht. 1703 übertrug das Ehepaar Haus Gaul an ihren Neffen Matthias Werner Freiherr von Nagel. Obwohl auch er zum Amtmann zu Hückeswagen-Bornefeld benannt wurde, zog er als Wohnsitz Haus Herl in der Nähe von Köln vor, das ebenfalls zu seinem Erbe gehörte. Zur Ausübung der Amtsgeschäfte wurde ein Amtsverwalter eingesetzt. Auch der Sohn und Erbe Matthias Werners Konrad Kaspar hielt es wie sein Vater und lebte nicht dauerhaft auf Haus Gaul. Erst Adolf Joseph, der letzte männliche Vertreter des bergischen Zweiges der von Nagel nutzte Haus Gaul wieder als Wohnsitz. Er ließ einen Lustgarten anlegen und widmete sich ausgiebig der Jagd und dem Fischfang. 1785 trat er einem jüngern Bruder Gaul als Erbteil ab, behielt sich aber die Jagd- und Fischereiprivilegien vor.
Danach werden die Besitzverhältnisse undurchsichtiger: zu Beginn des 19. Jh. befand sich Gaul im Besitz des Schöffen Dietrich Heuchelbach und verkaufte es 1813 an den Tuchfabrikanten Wilhelm Arnold Johanny. Bereits zu dieser Zeit standen große Teile der Burg leer und der Verfall vollzog sich schnell. Schon 183 ist sie im Urkataster als Ruinie verzeichnet. 1902 erwarb der Landwirt Heinrich Platzen Gut Nagelsgaul, dessen Familie den Hof heute in 5. Generation bewirtschaftet. (Ruth Beusing)

Bauentwicklung:

Das Hofgut scheint im 15./16. Jh. zum Rittersitz ausgebaut worden zu sein. Details dieser Maßnahmen sind nicht überliefert. (Ruth Beusing)

Baubeschreibung:

Das Rittergut bestand zu Beginn des 17. Jh. wohl aus einem von Wassergräben umbauten Burghaus und zwei vor der Zugbrücke gelegenen Höfen, die von Pächtern (Halfen) bewirtschaftet wurden. Heute als Insel in einer Teichlandschaft am Südrand des Hofgutes Nagelsgaul erhalten. (Ruth Beusing)