EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Petershagen

Geschichte:

Ein Siedlungsplatz (Hulculvi) wird bereits 784 genannt. Nördlich eines bischöflichen Hofes ließ Bischof Gottfried von Waldeck nach Verlegung der bischöflichen Residenz von Minden nach Petershagen 1306 eine Burg errichten. Westlich von ihr erfolgte die planmäßige Anlage der Neustadt mit Straßen in Gitterform. Burg und Neustadt werden durch Umleitung der Ösper befestigt. 1363 Petershagen zum Wigbold erhoben; 1377 ist ein Zollprivileg Karls IV., 1384/98 und 1619 eine landesherrliche Münzstätte belegt. 1424 Verleihung Stadtwappen. 1722/44 wurden Alt- und Neustadt unter neuer Magistratsverfassung vereinigt.
Seit Mitte 16. Jh. befand sich in Petershagen die Regierungskanzlei des Fürstbistums Minden. Das Schloss war bis 1611 landesherrliche Residenz und diente ab 1649 vorübergehend als Sitz des brandenburgischen Statthalters, seit 1669 Sitz der Amts- und Domänenverwaltung. Das Schloss war im 18. und 19. Jh. dem Verfall preisgegeben. Seit 1901 befindet es sich im Privatbesitz. Seit 1967, nach durchgreifenden Sanierungs- und Umbaumaßnahmen, Hotel. (C.Skodock)

Bauentwicklung:

Vorm Bau des 14. Jh. ist nur wenig überliefert. Infolge des stetigen Finanzbedarfs der Fürstbischöfe wurde die Burg häufig verpfändet. Die Anlage unter Gottfried von Waldecks Nachfolgern zu Wasserburg, geschützt durch Wester und umgeleitete Oesper, ausgebaut. Die Anlage in der Hildesheimer Stiftsfehde 1519 zerstört. Neubau 1544-47 durch Meister Jörg Unkair aus Tübingen im Stile der Weserrenaissance, dabei wurden wohl Teile der älteren Burg (Fundament, Wehranlagen zur Weser) mit einbezogen. L-förmige Anlage wohl in der 2. Hälfte des 16. Jh. um den Nordflügel ergänzt. Der Südflügel im 1. Vietel des 17. Jh. um zwei Achsen nach Westen verlängert, hofseitig Balkone auf Konsole vorgebaut und im Inneren umgestaltet. Im 18. und 19. Jh. zunehmend dem Verfall preisgegeben; die zugehörigen Wirtschaftsgebäude z. T. niedergerissen. In der 2. Hälfte des 20. Jh. durchgreifende Sanierung und Umbau zum Hotel. Vor allem der Nordflügel weitgehend erneuert. (C.Skodock)

Baubeschreibung:

Vom mittelalterlichen Bau sind nur noch Fundamente vorhanden. Das heutige Erscheinungsbild in Formen der Weserrenaissance geht auf die Baumaßnahmen des 16. Jh. zurück: Der landschaftsprägend in der Weseraue gelegene, dreigeschossige, L-förmige Bruchsteinbau hat einen älteren, nicht datierbaren, bastionsartigen Abschluss zur Flussseite und einen parallel dazu gelegenen, im 20. Jh. stark erneuerten Nordflügel. Der Südflügel mit Steinpfostenfenstern und Portalen mit Stabwerk ist geschlämmt mit Eckquaderung, hofseitig befinden sich z. T. mit Ornament besetzte Kragsteine der im 19./20. Jh. entfernten Balkone. Über dem Portal des polygonalen Treppenturms ist das Steinwappen Bischofs Franz II. von Waldeck angebracht, an der Westseite befindet sich das Wappen Hermanns von Schaumburg, das 1952 vom Kirchhof hierher versetzt wurde. Im Treppenturm ist eine fein gearbeitete Treppenspindel aus Sandstein. Das Portal zur ehem. Küche trägt die Jahreszahl 1545 sowie das Steinmetzzeichen Unkairs. Auf der der Weser zugewandten Seite sind breite Schießscharten und ein erneuerter Abtritterker sichtbar. Obergeschoss und Giebel auf dieser Seite sind aus Fachwerk. Im Nordflügel befinden sich hofseitig Rundbogenportale mit Beschlagwerkornament. Das Obergeschoss des Flügels ist erneuert. (C.Skodock)