EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Zons

Geschichte:

Burg Friedestrom wurde zusammen mit der Stadt Zons wohl an der Stelle einer zerstörten Burg oder eines Hofes im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts von dem Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden als Zollstätte erbaut, als der erzstiftische Rheinzoll von Neuss nach Zons verlegt wurde. Der Burg gingen nach schriftlichen Quellen ein erzbischöflicher Fronhof und eine Burg voraus. Einen Hof in "Zuonozo" überließ im Jahr 1056 Erzbischof Anno der polnischen Königin Richeza. Die Lage von Fronhof und Burg kann nicht sicher bestimmt werden. Zu dem Fronhof gehörten wahrscheinlich die aufeinander folgenden vier Kirchen des 8.-14. Jahrhunderts, deren Reste bei archäologischen Ausgrabungen im Schlosshof gefunden wurden (s. Arch. Untersuchung) und für die ab 1256 das Martins-Patrozinium belegt ist. Die frühe Burg wurde 1288 in der Schlacht von Worringen von Kölner Bürgern niedergelegt. Zons blieb jedoch als Teil des Amtes Hülchrath erzbischöflicher Besitz.
1372 verlegte Friedrich III. von Saarwerden den Rheinzoll von Neuss in das abgelegene, aber damals direkt am Rhein gelegene Dorf Zons und erhob es am 20.12.1373 zur Stadt. In der Stadterhebung wird auf das Schloss Friedestrom Bezug genommen, dessen Bau zu diesem Zeitpunkt schon begonnen worden sein muss. So wird am 29.6.1373 zum ersten Mal die Burg "Vredestrom" genannt, 1374 wird ein Ritter Franco de Fovea als Burgmann aufgeführt und seit 1377 ist regelmäßig der Besuch des Erzbischofs auf seiner Burg belegt.
Zoll, Burg, Amt und Stadt Zons wurden von Friedrichs Nachfolger Dietrich II. von Moers 1414 zur Hälfte an den Grafen Gerhard von der Mark verpfändet und 1454 nochmals je zur Hälfte an denselben Grafen sowie an das Kölner Domkapitel. Dieses behielt 1463 das Pfand ein, so dass Zons bis zur Aufhebung des kurkölnischen Staates 1794 durch die französische Herrschaft zum Domkapitel gehörte. Burg und Stadt widerstanden in der Zwischenzeit jedem Angriff, auch dem des hessisch-französischen Oberst Rabenhaupt während des Dreißigjährigen Krieges 1646. Rabenhaupt soll, von der neu entstandenen Rheininsel Werth aus, Stadt und Schloss mit angeblich 650 Kanonenkugeln schwer beschädigt haben. Der Westflügel bzw. Mitteltrakt der Burg wurde ruinös und nicht mehr wieder aufgebaut. Während der französischen Herrschaft ersteigerte im Jahr 1803 der damalige Bürgermeister Matthias Aldenhoven das Schloss und nutzte es als Gutshof. Im 19. Jahrhundert kam Friedestrom in den Besitz des Freiherrn von Diergardt, in dessen Familie es bis 1962 in der Nutzung als Gutshof blieb. 1962 erwarb die damalige Stadt Zons das Gelände und richtete 1972 im sogenannten Herrenhaus das Kreismuseum ein. Nach archäologischen Ausgrabungen in den 1980er Jahren wurden 1989/90 die Hauptburg restauriert und der Westflügel über den alten Fundamenten neu erbaut, in dem heute das Kreisarchiv und das Internationale Mundartarchiv "Ludwig Soumagne" ihren Sitz haben. (Karin Striewe)

Bauentwicklung:

Von dem der Burg voran gehenden Fronhof und der 1288 zerstörten Burg sind bisher keine Überreste gefunden worden. Als Eigenkirche zu dem Fronhof dürfte die Kirche im späteren Burghof gehören, von der vier Bauphasen seit dem 8. Jahrhundert nachgewiesen sind. Die als Einheit konzipierten Stadt Zons und Burg Friedestrom wurden in einem Zug im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts, wohl zwischen den Jahren 1372 und 1388, erbaut. Über die Abfolge der Gebäude und Wehranlagen in einem Teil der Hauptburg sind wir durch die archäologischen Ausgrabungen sehr detailliert informiert (siehe dort). Die damals noch bestehende Kirche wurde bis auf den Turm abgerissen, der Kirchturm in die Burg mit einbezogen. Außer einigen provisorischen Gebäuden wurden dann der Torturm und die im Westen doppelte Wehrmauer zwischen Vor- und Hauptburg erbaut und ein Treppenanbau an den Turm angesetzt. An den Treppenanbau und die innere Wehrmauer angelehnt entstand der Westflügel, der später durch Einbeziehung des Winkels zwischen West- und Nordflügel erweitert wurde. Ungefähr zur gleichen Zeit wurden auch der Nord- und der Südflügel sowie die äußere, ungefähr im rechten Winkel verlaufende Wehrmauer der Burg mit zur Stadt hin vorliegendem Graben erbaut. Die südliche und östliche Burgmauer ist identisch mit der Stadtmauer. Der südliche Zwinger mit Graben wird hier als Teil der Stadtbefestigung aufgefasst. In der nördlichen Burgmauer befand sich ein Tor zur Stadt hin, in der südlichen Mauer das einzige aus der Burg führende Tor. Im rechten Winkel der stadtseitigen Mauer lag der sogenannte Juddeturm, ein hoher Rundturm, sowie an der südöstlichen Ecke ein niedrigerer Rundturm, der sogenannte Schlossturm. Über die Innenbebauung von Haupt- und Vorburg gibt es nur spärliche Informationen. Auf einer Ansicht aus dem Jahr 1575 von Braun und Hogenberg von Osten sind sämtliche Türme zu sehen, sowie die Stadt-/Burgmauer mit im Burgbereich zwei aufgesetzten Wehrhäuschen. Ost-, West- und Nordflügel, der letztere mit Treppengiebel, der Hauptburg sind ebenfalls dargestellt sowie zwei aneinandergebaute Gebäude, davon das hintere mit Treppengiebeln in der nördlichen Vorburg. Nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg, besonders durch Kanonenbeschuss im Jahr 1646, die den Westflügel vollständig zerstörten, wurde als neues Wohn- und Verwaltungshaus das Herrenhaus an der Nordmauer der Vorburg erbaut, das heute noch besteht und das Kreismuseum beherbergt. Die Hauptburg zerfiel und verlor ihre Funktion. Der stadtseitige Graben wurde ebenfalls im 17. Jahrhundert zugeschüttet und mit Häusern überbaut, die im nördlichen Bereich zum Kreismuseum hin heute noch bestehen. Nach der Säkularisation kam Friedestrom in private Hände und wurde bis 1962 als Gutshof genutzt, für den die ehemaligen Burggebäude zu Scheunen und Ställen umfunktioniert wurden. Aus dieser Zeit stammen die Mauern einer Mistgrube und verschiedene Wirtschaftsgebäude in Haupt- und Vorburg, die während der Neugestaltung der Burganlage ab 1962, als die Burg von der Stadt Zons erworben wurde, entweder abgerissen oder restauriert und ergänzt wurden. Das Herrenhaus wird seit 1972 als Kreismuseum genutzt und 1974 um den restaurierten ehemaligen Pferdestall erweitert, der auf alten Gebäudefundamenten steht. 1994 wurde westlich anschließend eine weitere Halle angebaut. Schließlich folgte auf die archäologischen Ausgrabungen zwischen 1980 und 1987 der Neubau des Westflügels in den Jahren 1989/90, der über den alten Fundamenten des ehemaligen Westflügels, der Wehrmauer und der Latrine liegt, und heute Kreisarchiv und Internationales Mundartarchiv "Ludwig Soumagne" beherbergen. (Karin Striewe)

Baubeschreibung:

Burg Friedestrom liegt in der Südostecke der Stadt Zons, die als ihre zweite Vorburg aufgefasst werden kann. Die ungefähr trapezförmige Gesamtanlage ist ca. 75.800 qm groß, von der die Burg ungefähr ein Sechstel, nämlich ca. 11.800 qm einnimmt (Bei den Flächenangaben wurde der innere Burggraben nicht mitgerechnet). Für die fast quadratische Burganlage wurden als Baumaterialien Basalte, Feldbrandziegelsteine, Trachyt und Tuff genutzt. Die seit dem 17. Jahrhundert verfallende Anlage wurde im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts aufwändig restauriert, rekonstruiert und auch verändert.
Die gesamte Stadt- und Burganlage ist von einer Mauer und einem Graben umgeben, im Süden ist ein Zwinger vorgelagert. Von der Stadt ist die Burg durch einen heute zugeschütteten und überbauten Graben und eine nach innen folgende Mauer getrennt. Diese äußere Wehrmauer besteht überwiegend aus Ziegeln und besonders im unteren Bereich aus Lagen von Basalten. Z. T. sind noch Wehrgangsbögen mit innenliegenden Treppen erhalten. Spuren von solchen und anderen Anbauten zeigen sich im Mauerwerk.
Von den ursprünglichen Gebäuden in der Vorburg ist keines mehr erhalten. Das heutige Kreismuseum befindet sich in einem im 17. Jahrhundert eventuell über älteren Kellern mit zwei Hausbrunnen neu erbautem zweigeschossigen und neunachsigen Gebäude, die westlich anschließenden Museumsbauten stammen aus den Jahren 1974 und 1994.
In der Nordostecke der Vorburg steht der sechsstöckige, runde sogenannte „Juddeturm“. Die Herkunft seines Namens ist nicht geklärt, er könnte mit einer zeitgenössischen Familie Judde aus Köln zusammenhängen. Der Turm besteht aus Basalt- und Feldbrandziegelmauerwerk und weist zur Burgseite schmal-rechteckige schießschartenartige, zur Stadtseite größere Fensteröffnungen auf. Der sechste Stock besteht ganz aus Ziegeln und hat einen auf einem Spitzbogenfries vorkragenden Umgang mit Gusslöchern. Das urspünglich stumpfe Pyramidendach wurde durch ein barockes geschweiftes Schieferdach mit achteckiger Laterne ersetzt. Ein äußerer Kamin wurde entfernt. Der Durchmesser des Turms beträgt im Erdgeschoss 8 m, die Mauern sind dort 2,10 m dick und umschließen den sich nach oben verjüngenden achteckigen Innenraum. Der Eingang liegt, über eine der Wehrmauer anliegende Mauer erreichbar, im ersten Stock. Dieses hat eine Kuppeldecke und wurde als Gefängnis genutzt, unter dem sich noch ein Verlies befindet. Eine außen angebaute Wendeltreppe führt in die oberen Stockwerke, von denen das zweite und dritte Kamine aufweisen.
Der zweite Turm, Schlossturm genannt, liegt in der Südostecke der Burgmauer und ist zweigeschossig. Sein zerstörter Helm wurde durch eine Plattform ersetzt.
Aus der Vorburg führten ein heute zugemauertes Tor, von dem nur wenige Reste erhalten sind, nach Norden in die Stadt und ein Doppeltor nach Süden zum Zwinger hin. Der heutige Durchbruch im Nordosten neben dem Kreismuseum ist sekundär. Bei dem Südtor handelt sich um eine 1983 stark restaurierte und rekonstruierte Doppeltoranlage, die im ganzen ca. 18 m lang ist und außen eine mit von Hausteinen eingefasste spitzbogige Durchfahrt und ein kleines Schlupftor aufweist. Über der Durchfahrt sind die Replik einer Madonna des 14. Jahrhunderts, deren Original im Kreismusem gezeigt wird, und die Wappensteine von Friedrich von Saarwerden und des Erzbistums Köln zu sehen (Doppeladler und Kreuz).
In den inneren Burghof, der ebenso wie der äußere rechtwinklig an der Außenmauer anliegt, gelangt man über einen einst zugeschütteten, heute teilweise wieder rekonstruierten Graben und durch die Durchfahrt des mächtigen, fast quadratischen Torturms von ungefähr 10 m Seitenlänge. Dieser besteht im Gegensatz zur sonstigen Anlage weitgehend aus Trachyten und Tuffen. Nur das auf einem spitzbogigen Fries mit Gusslöchern ruhende oberste Stockwerk, das ohne die Anfang des 19. Jahrhunderts noch in Ansätzen vorhandenen achtseitigen Eckwachttürmchen rekonstuiert wurde, weist Ziegelsteine auf. Auch das heute schiefergedeckte Dach wurde rekonstuiert und ersetzt ein flacheres Pyramiddach.
Über den Graben führte einst eine Zugbrücke, von der die Zuglöcher für die Kette noch erhalten sind. Außen rechts neben dem Turm ist ein Aborterker erkennbar.
Über der tonnengewölbten Durchfahrt befinden sich zwei Stockwerke mit Wachkammern, die Kamine aufweisen. Sie sind von der Treppe im nördlichen Torteil vom Burghof aus erreichbar. Von der oberen Wachkammer aus ist die südliche Wehrmauer zugänglich. An dieser Südseite des Turms ist in Anschluss an einen modernen Bau noch ein Rest des alten Südflügels erhalten, der nördlich an den Turm sich anlehnende Westflügel ist gänzlich modern über den alten Fundamenten erbaut. In seinem Keller sind Fundamente der Wehrmauern und die Latrine erhalten. Der Nordflügel ist am besten erhalten und besteht aus einer Halle über einem spätmittelalterlichen Gewölbekeller, an deren Wänden bei der Restaurierung gotische Malerei festgestellt wurde. Im inneren Hof wurden durch abweichende Pflasterung die Grundrisse der beiden jüngsten Kirchen (vgl. Archäologie) kenntlich gemacht sowie ein ebenfalls archäologisch nnachgewiesener Brunnen aufgemauert. (Karin Striewe)

Arch-Untersuchung/Funde:

1980/81, 1984 und 1986/87 wurden großflächige archäologische Ausgrabungen im Hauptburggelände durchgeführt, die den Gang der dortigen Besiedlung vom 8. bis Anfang des 20. Jahrhunderts dokumentieren. Aus der Zeit vor der Burg stammen die Grundrisse von vier übereinanderliegenden Kirchen und einem zugehörigen Friedhof. Diese gehörten vermutlich zu dem in schriftlichen Quellen genannten erzbischöflichen Fronhof. Beim Bau der Burg wurde, wie die archäologischen Ausgrabungen ergaben, zunächst das Kirchenschiff abgerissen. Der quadratische, mehrstöckige Turm wurde stehengelassen, seine Ostseite geschlossen; er diente wohl als Wohnturm und auch zur Verteidugung. Zwei Häuser, eines aus Holz und eines aus Stein, könnten zur provisorischen Zolleinnahme neu gebaut worden sein. In der nächsten Ausbauphase wurden, z. T. über die schon bestehenden Häuser, die innere Wehrmauer, der Torturm und die äußere Wehrmauer gebaut, die nach außen durch einen Graben gesichert war. Im inneren Burgbereich ist außerdem ein einfaches, eher hüttenähnliches Haus nachgewiesen, das aufgrund der vielen dort gefundenen Steinsplitter vielleicht eine Steinmetzwerkstatt war. Ein Brunnen wurde im Hauptburgbereich angelegt. Der Torturm erhielt nach Norden hin ein innenliegendes Treppenhaus. An seine Nordwand und die Innenseite der inneren Wehrmauer angelehnt entstand ein zweistöckiges Wohnhaus, in das Teile des Kellers des ersten kleinen Wohnhauses und die Südwestecke des ehemaligen Kirchturms miteinbezogen wurden. Nördlich dieses Hauses lag eine steinerne Latrine mit Kuppelwölbung, die an die innere Wehrmauer angeschlossen war. Dieses Areal wurde noch im Mittelalter durch kleinere Umbauten und den Bau einer, einen weiteren Innenraum schaffenden, Ostmauer verändert. Die Innenbebauung wurde durch einen Nord- und einen Südflügel ergänzt, über die keine archäologischen Aussagen möglich sind. Damit war die mittelalterliche Bauphase abgeschlossen. Aus der Neuzeit stammen eine große Mistgrube mit ummauerter Umfassung, die eine ebenfalls gemauerte Rinne mit den auf dem ehemaligen Westflügel erbauten Wirtschaftsgebäude verband.
Eine kleine archäologische Ausgrabung des Jahres 1976 erbrachte das Ergebnis, dass der stadtseitige Graben der Burg im 17. Jahrhundert zugeschüttet wurde und auch in seinem westlichen Bereich mit Häusern überbaut wurde, die dort auf Fundamentbögen ruhten. Jüngst (im Sommer 2010) fanden weitere Ausgrabungen im Burghof statt. (Karin Striewe)