EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Falkenburg bei Wilgartswiesen

Geschichte:

Die Entstehungszeit der Falkenburg ist ungeklärt. Keine Belege gibt es für die Vermutung, dass die Falkenburg unter Friedrich Barbarossa als Reichsburg abgelegt wurde. Erstmalig erwähnt wird die Anlage als Reichsburg im September 1246 im Zusammenhang mit der Übergabe mehrerer Burgen und der Reichskleinodien durch Isengard von Falkenstein, die Gattin des Reichstruchsessen Philipp I. von Falkenstein an König Konrad IV. Die Errichtung hing sicherlich mit der Notwendigkeit zusammen, eine Schutzburg für die umliegenden Dörfer Wilgartswiesen, Rinnthal und Spirkelbach sowie für die umfangreichen Waldungen in der Umgebung zu schaffen.
Die Nennung eines Ministerialen namens Werner und seiner Brüder, die sich nach Burg benannten, stammt erst aus der Zeit kurz vor 1300. Durch Verpfändungen von König Albrecht kam die Burg 1300 oder 1313 in den Besitz der Leininger Grafen. Nachweisbar ist dieser Besitz erst 1317. Durch eine weitere Verpfändung kam die eine Hälfte der Burg 1379 an Kurpfalz (Kurfürst Ruprecht I.). Die andere Hälfte verblieb bei den Leiningern. In der Folgezeit wurden beide Anteile weiterverpfändet (z.B. an die Pfalzgrafen und die Herren von Dürkheim). Auch diese wurden teilweise nochmals weiterverpfändet. Erst 1410, nach dem Tode des Kurfürsten Ruprecht III. von der Pfalz, traten nachhaltige Besitzänderungen ein, als das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken (Herzog Stephan von Zweibrücken) die Rechtsnachfolge der Kurpfalz antrat.
Aus dem Jahr 1427 gibt es einen Teilungsvertrag zwischen dem Herzog
Stephan von Zweibrücken und dem Grafen Emich VI. von Leiningen, der in Form einer detaillierte Baubeschreibung eine Vorstellung davon abgab, welchen Umfang die Burg damals bereits hatte. Das ist umso interessanter, als davon ausgegangen werden kann, dass es keine erheblichen Umbauten in der Zeit danach gegeben hat. Burg und Besitzungen Falkenburg blieben - mit kurzer Unterbrechung im 16. Jh. - fortan in den Händen der Häuser Leiningen und Zweibrücken bis
zur endgültigen Zerstörung der Burg durch die Franzosen im Jahre 1680.
Im Dreißigjährigen Krieg erlitt die Burg 1632 Schaden, als kaiserliche Truppen die in der Burg lagernden Schweden vertrieben. Im Bauernkrieg 1525 hingegen blieb die Burg unbehelligt. (Rüdiger Bernges)

Bauentwicklung:

Ungeachtet der Tatsache, daß der heutige Baubefund, d.h. die geringen, unförmigen Reste, kaum mehr Rückschlüsse auf das ehemalige Aufkommen von Gebäuden und Mauern erlaubt, gibt der Teilungsvertrag von 1427 einen guten Eindruck davon ab, welch einen umfangreichen Wehrbau die Burg dargestellt haben muss. In dieser Zeit bestand die Burg aus der komplett ausgebauten Oberburg und der Unter- oder Vorburg nördlich und östlich des Oberburgfelsens. Auf der Oberburg finden eine Küche, ein Schornstein, ein Brunnen und eine Kapelle Erwähnung. In der Unterburg sind das ein großer Marstall, ein Ritterhaus, ein Eselsstall, mehrere Kammern, Tore und Wehrmauern. (Rüdiger Bernges)

Baubeschreibung:

Der Burgfelsen besteht aus rotem Sandstein, allein der Hauptkamm ist ca. 120 m lang, das zentrale Riff erhebt sich bis zu 20 m über die Unterburg und die gesamte Anlage liegt ca. 130 m über der Talsohle. An der nördlichen Langseite des Burgfelsens war der Anlage eine schmale Unterburg vorgelagert. Der Burgfelsen hat im Norden, also zur Unterburg hin, einen treppenartigen, ca. 5 m hohen und breiten Absatz. Die Unterburg, in die auch der Absatz mit einbezogen wurde, war sehr schmal, hatte aber eine Länge von ca. 60 m. Der Zugang erfolgte über einen sich im Westen der Unterburg befindenden Wassergraben mit Zugbrücke. Zu diesem Graben gehörte ehedem ein sich an den Burgfelsen anschmiegender Torbau, auf den heute nur noch geringe Spuren hinweisen. Ebenfalls in der Unterburg, unmittelbar hinter der Toranlage, sind in dem Felsen zwei Wasserbecken ausgemeißelt, ein etwas längeres, ca. 3 m lang und ein etwas kürzeres, ca. 2 m lang. Überall im Felsen sind Rinnen herausgemeißelt, die allesamt in Richtung auf die beiden Wasserbecken zulaufen. Diese hatten die Aufgabe, das Regenwasser in die beiden Wasserbecken abzuleiten. Wie in
manchen anderen Felsenburgen des Wasgaus weist auch hier der felsige Untergrund des Burgzugangsweges wieder Rillen und Spuren von Wagen auf.
Zahlreiche Balkenlöcher in der nördlichen Langseite des Burgfelsens zeugen von einer Bebauung der Unterburg bis hin zum östlichen Ende des Burgfelsens. Hier gehen ein paar Felsstufen auf ein etwas höher als die Unterburg gelegenes Plateau, welches seinerseits im Osten wieder mit einem etwas
höher gelegenen Felsen endet. Dieses Plateau war zwischen Oberburg- und dem letztgenannten Abschlussfelsen ebenfalls bebaut. Hier in der Unterburg dürften die Stallungen und
Wirtschaftsgebäude gestanden haben. Hier beginnt auch der Zugang zur Oberburg, der bei der Falkenburg wieder einmal besonders interessant gestaltet wurde. Es gibt mehrere kleinere Felsentreppen, die auf ein niedriges Podest führen, von dem aus, wie ehedem wohl auch, eine 1926 neu errichtete Holztreppenkonstruktion zu der Felsenpforte hinaufführt, die etwas unterhalb der Oberburgplattform gelegen ist. Die Plattform der Oberburg steht hier dachartig über den Schaft des Felsens über. Die Felsenpforte ist auch hier als tunnelartiger Gang durch den Fels getrieben worden. Der erste Teil der Felsentreppe
dieses Ganges verläuft in der gleichen Richtung wie die Holztreppe, etwas nach Süden versetzt. Um diesen Durchgang zu verengen und damit besser zu schützen, wurde ein hakenförmiges Mauerstück aus Buckelquadern von außen an den Burgfelsen angesetzt. Die so entstandene Schlupfpforte öffnete sich durch eine Rundbogentür zur Holztreppe hin. Eine ebensolche Rundbogentüre gibt es auch am Ende des Felsendurchgangs auf der Oberburgseite. Die Felsrahmen dieser beiden Rundbogentüren haben eine Falz zur Aufnahme der Holztüren. Nördlich neben dieser Felsenpforte, etwas höher gelegen, gibt es eine ummauerte, kleine Öffnung, die in der Literatur als Führungsloch für die Kette einer Zugbrücke angesehen wird. Eine solche Zugbrücke vor der Pforte hatte allerdings überhaupt keinenPlatz, womit die Erklärung für die Öffnung hinfällig ist. Vielmehr handelt es sich um ein Beobachtungsloch, aus dem heraus der Torwächter den Bereich vor der Pforte, aber auch auf der Holztreppe einsehen konnte. Hinter diesem Durchgang macht die nunmehr offen gelegene Felsentreppe einen Knick nach Süden und mündet auf der Oberburg auf einem Hof zwischen den Resten der Wohngebäude im Osten und denen des Bergfrieds im Westen. Auf der Oberburg gibt es wenig aufsteigendes Mauerwerk. Allerdings ist noch gut ersichtlich, wo Wohnbauten und wo der Bergfried gestanden haben. Die Wohnbauten nahmen von dem Zugangshof aus nach Osten hin die gesamte Breite des Felsens von 11m und die gesamte Länge von ca. 50m ein. Von ihnen sind noch die aus dem Felsen herausgehauenen Teile gut erhalten. Am östlichen Ende der Oberburg ist noch eine Felsenkammer zu sehen.Sie ist recht klein, ca. 1,5 x 3 m. Vor diesen Wohnbauten, direkt neben der Zugangsfelsentreppe bestand noch ein kleines Gebäude, vielleicht Unterkunft für die Torwächter. Der Bergfried stand ehedem auf einem Felssockel, der noch heute eine Höhe von über 2 m hat, im Westen des Zugangshofes. Hingegen ist von dem Mauerwerk des Bergfrieds nichts mehr erhalten. In der Westseite des Felssockels des Bergfrieds sind Balkenlöcher vorhanden, davor eine Felsengrube, vielleicht eine Zisterne, die überbaut gewesen ist. Zahlreiche Rinnen im Boden haben diese Grube zum Ziel. Hinter dieser Grube beginnt ein Plateau des westlichen Oberburgfelsens, das um einige Meter tiefer liegt als der Teil des Felsens, auf dem die Kernanlage steht. Eine mögliche, und wohl auch wahrscheinliche Bebauung dieses Plateaus und dem Bereich darüber hinaus ist heute bis auf ein Detail nicht zu erkennen. Hierbei handelt es sich um ein exakt rund herausgehauenes Loch im Boden mit Öffnung zur Unterburg hin. An dieses Loch schließt sich eine Felswand an, die noch Balkenlöcher aufweist. Bei dieser Kombination handelt es sich wohl um einen, zum Schutz mit einem Häuschen überbauten Aufzug- oder Brunnenschacht zur Unterburg hin. (Rüdiger Bernges)