EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Landsburg

Geschichte:

Der Ort Obermoschel wird erstmals 1122 erwähnt. Es ist denkbar, aber nicht erwiesen, dass die Burg Anf. 12. Jh. existierte und in den Besitz von Graf Gerlach I. von Veldenz (1112-1146 nachweisbar) gelangte. Erstmals erwähnt wird der Landsberg allerdings erst 1255 in einem von Graf Gerlach V. besiegelten Kaufvertrag, das castrum Landsburg als Burg ist 1259 als wormsisches Lehen bezeugt. Unter Graf Heinrich II. von Veldenz erhielt der Ort 1349 Stadtrecht. Ihm folgen 1378 seine Söhne Heinrich III. und Friedrich II., die 1387 eine Teilung in eine obere Grafschaf mit Burg Lichtenberg (Heinrich) und eine untere Grafschaft Veldenz mit der Landsburg (Friedrich) vornahmen. Der Stammsitz Burg Veldenz an der Mosel blieb gemeinsamer Besitz, war durch den Ausbau der Landesherrschaft aber nur noch ein Außenposten. Graf Friedrich III. hatte 1396 wieder die gesamte Grafschaft vereint. Da er keinen männlichen Nachkommen hatte, verehelichte er seine Tochter Anna 1410 mit Pfalzgraf Stephan von Pfalz-Zweibrücken-Simmern, einem der Söhne von König Ruprecht von der Pfalz. Beim Tod von Graf Friedrich 1444 wurde verabredet, dass die Grafschaften Veldenz-Zweibrücken an den Sohn von Pfalzgraf Stephan, Herzog Ludwig I., gen. der Schwarze (1453-1489), fallen sollte. Dieser nahm die Landsburg 1453 in Besitz und baute die Verteidigungsanlagen aus, so dass sie 1461 durch den pfälzischen Kurfürsten Friedrich der Siegreiche vergeblich belagert wurde. 1485 vermachte er sie seinem Sohn Alexander. Ihm folgte 1514 Herzog Ludwig II. als Landes- und Burgherr. Ab 1616 war die Landsburg unter Friedrich Kasimir, der eine Tochter Wilhelms von Oranien heiratete, Sitz einer Nebenlinie der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken. Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurde die Landsburg 1620 von den Spaniern eingenommen, ihnen folgten 1631 die Schweden und 1635 kaiserliche Kroaten, was insgesamt zu erheblichen Beschädigungen führte. Nachdem Pfalzgraf Friedrich-Kasimir 1645 in Burgund gestorben war, nahm sein Sohn Friedrich Ludwig Burg und Amt Landsberg in Besitz und begann mit zehnjährigen Renovierungsarbeiten. Er starb 1681 ohne männliche Nachkommen auf der Landsburg. Diese wurde umgehend von französischen Truppen besetzt und 1689 zerstört. (R. Friedrich)

Bauentwicklung:

Genaue Daten zur Baugeschichte sind nicht bekannt. Die wenigen erhaltenen Buckelquader könnten in der Tat auf einen Bau in staufischer Zeit hinweisen, schriftlich belegt ist die Landsburg erst bald nach der Mitte des 13. Jhs. Bis ins 15. Jh. hinein dürfte sie nur als Teilresidenz gedient haben, Anfang des 17. Jhs. erfolgte möglicherweise ein schlossartiger Ausbau. Bis zum Dreißigjährigen Krieg dominierte ihre zivile Funktion als Verwaltungsmittelpunkt (Kellerei) des Amtes Landsberg.
Für den Amtssitz Landsburg besteht hingegen ab dem 15. Jh. dank verschiedener Inventare eine gute Quellenlage bezüglich der personellen und waffenmäßigen Ausstattung. So wurden auf der Burg 40 Rinder und 80 Schweine gehalten. 1479 wurden auf der Burg knapp 30 Personen, darunter ein Kaplan, verköstigt. Im Juni 1461, als eine Belagerung drohte, waren auf der Burg neben dem Amtmann mit seinen Knechten und dem mehr als 20-köpfigen Burggesinde zusätzlich anwesend: 17 reisige Knechte, 60 Fußknechte, 20 Fronwächter, 2 Zimmermänner, 2 Schmiede, zu denen noch für 8 Tage 44 und für weitere 6 Tage 63 Reisige kamen.
Interessant sind auch die in den Landsberger Kellereirechnungen zwischen 1461 und 1536 genannten Baulichkeiten. Außer den in der Baubeschreibung genannten Bauteilen werden u. a. genannt: Kapelle, Abort, Badehaus, Zisterne, Tiefbrunnen, Stroh-, Schiefer- und Ziegeldächer, Kran mit Rad, Kachelöfen, eiserne Öfen, Küche, Räucherkammer, Schmiede, verschiedene Ställe , Weinkeller u. a. Im Außenbereich werden u. a. genannt: Köhlerplatz, Kalkofen, Steinbruch, Gemüse-, Kappes-, Baumgärten und ein Gebück. (Reinhard Friedrich)

Baubeschreibung:

Die zweiteilige Anlage besteht aus einer älteren Kern- bzw. Oberburg und einer jüngeren Unterburg. Durch Umbauten und Zerstörungen ist von der ehemals großen Anlage relativ wenig Bausubstanz erhalten. Die ovale Kernburg, die eine Fläche von ca. 80 auf 50 m einnimmt, wurde von einer Ringmauer aus Bruchstein umfasst, die weitgehend abgegangen ist. Im Osten, zur gefährdeten Seite, wurde sie durch einen vorgelagerten, heute verschütteten Halsgraben gesichert. Dahinter erhob sich eine 3 m starke Schildmauer hinter dem östlichen Halsgraben, von der noch ein leicht abgewinkelter Rest steht. Etwas dezentral nach Westen versetzt erhob sich auf einem heute frei stehenden Felsklotz der quadratische Bergfried (ca. 10,5 m Seitenlänge außen, Mauerstärke ca. 3 m), von dem sich noch Reste der Buckelquaderverkleidung (Sandsteinbuckelquader mit Randschlag) im oberen Bereich erhalten haben. Nach einer Darstellung bei Merian besaß der mindestens 3 Stockwerke hohe Turm im 17. Jh. ein steiles Satteldach mit 4 Ecktürmchen. An der Südseite der Kernburg finden sich Reste eines Wohnbaus, möglicherweise der Palas, der (nach Merian) auf der Ringmauer aufsaß und demzufolge in seinen unteren Bereichen fensterlos war, im oberen Bereich befanden sich Maulscharten, darüber erhob sich ein mit Fenstern und Erkern versehenes Stockwerk. Erhalten haben sich zwei tonnengewölbte Keller. Ein weiteres Gebäude war an die Südseite der Schildmauer angelehnt, über die Bebauung der Nordseite könnten nur archäologische Ausgrabungen Auskunft geben. Westlich des mutmaßlichen Palasbaus schloss ein rechteckiger (ca. 6 x 8 m) Flankierungsturm an, der aus der Ringmauer hervortrat und offenbar den Eingangsbereich zur Unterburg deckte. Nach Merian wies er ein steiles Satteldach mit zwei kleinen Ecktürmchen auf. Im Westen befand sich der innere, zwingerartige Zugang zur Kernburg, dessen westlicher Zugang durch einen Torbau geschützt war.
Der Zugang zur Gesamtanlage erfolgte über eine den südlichen Halsgrabenteil querende Zugbrücke, so dass man zum südöstlichen, äußeren Torturm mit Wehrerker gelangte. Der Weg führt südlich außen an der inneren Ringmauer entlang durch eine zwingerartige Torgasse zum zweiten Tor.
Im 14./15. Jh. wurde die Burg um vorgelagerte Zwinger und eine Unterburg erweitert. Die Unterburg schloss sich im Westen an. Sie war zugänglich vom zweiten Tor aus und wurde umfasst durch eine polygonale Ringmauer mit vorspringenden Rundtürmen, von denen einer einen Brunnen hatte. Nach Merian befanden sich entlang dieser Mauer mehrere Wohn- und Wirtschaftsgebäude, die heute völlig verschwunden sind. Hier ist auch die in den Quellen genannte Kapelle zu vermuten. Zentral oberhalb der Unterburg, wo der innere Burgweg zur Kernburg umbiegt, erhebt sich der Unterbau eines Rundbaus von 10 m Durchmesser, der mit dem im 16. Jh. genannten "hinteren Bollwerk" bzw. "Rondell" identisch sein dürfte. Ein weiteres, halbrundes Bollwerk war der Schildmauer vorgelagert. (Reinhard Friedrich)