EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Tiefenau

Geschichte:

Im Jahre 1296 ist im Kloster Frauenalb eine "domina de Tieffenhovwe" genannt, die wohl zu einem Adel der Burg gehört. Der Name erklärt sich wohl durch die Lage der Burg in der Sumpfniederung. Der nächste Vertreter der Familie ist 1307 ein Jacob von Tiefenau. Die Tiefenauer sind Edelknechte und Lehensleute zuerst der Ebersteiner, dann der Markgrafen von Baden. Anscheinend gab es im Spätmittelalter verschiedene Burglehen oder Ganerben. Nach Tiefenau nannten sich mehrere Familien, so die Helt oder Heylte (ab 1398), die Röder von Tiefenau (einer ab 1265, verstorben 1280; dann wieder ab 1409), die Göldlin (seit 1328 in Pforzheim fassbar).
1337 versprachen zwei Brüder, die Edelknechte Fritsche und Jacob von "Dieffenouwe", den Markgrafen den halben Teil der Burg Tiefenau wieder zu kaufen zu geben. 1363 werden Katherina und Brigida von "Dyffenoewe" als Schwestern im Kloster Frauenalb genannt. Ihre Schwester war mit einem Dietrich Röder verheiratet, der sich von Tiefenau nannte.
1404 kam es zu einer Güteraufteilung zwischen dem Grafen von Eberstein und den Markgrafen Bernhard I. von Baden. Bernhard I. erhielt dabei u.a. die Lehensgüter Ulrichs und Werners von Tiefenau.
Heinrich Helt und Hans Röder überfielen zusammen mit Konrad von Schellenberg (allesamt enge Gefolgschaft des Markgrafen) 1427 auf dem Rhein ein Schiff von Straßburger Kaufleuten. Daher wurde die Burg 1427 oder 1429 gestürmt und zerstört. Die Burg wurde offenbar wieder reaktiviert. 1457 wird noch ein Hans Ulrich von "Dieffenowe" genannt; zwei Frauen sind als Nonnen in Lichtental und Hohenburg (Odilienberg) im Elsass erwähnt. Nach 1494 erscheinen in den Urkunden keine Röder von Tiefenau mehr. 1526 findet sich noch eine Erwähnung der Burg. Unklar ist, wie lange sie noch bewohnt war und ob sie im Dreißigjährigen Krieg und in den Franzosenkriegen beschädigt oder zerstört wurde. Im 17. Jh. werden Johann Jakob Datt (badischer Gesandter beim Westfälischen Frieden 1648) und 1688 der Geheimrat Dr. Heinrich Heuwel als Besitzer genannt. Das Gelände wurde 1752 von der Äbtissin des Klosters Lichtental (bei Baden-Baden) erworben. Sie ließ ein kleines Barockschloss errichten, das 1906 leider abgebrochen wurde. Damals wurde offenbar der heutige Meierhof errichtet. (Heiko Wagner)

Bauentwicklung:

Nichts bekannt. Im 19. Jh. stark umgestaltet zu einem Hofgut. Keine Bauuntersuchung vorhanden. (Heiko Wagner)

Baubeschreibung:

Ehemalige Niederungsburg direkt westlich des Sandbachs, der für den Wasserzulauf der heute völlig verfüllten Gräben sorgen konnte. Im Norden, Osten und Westen grenzt ehemaliger Sumpf an; die Burg lag in der ehemaligen "Kinzig-Murg-Rinne". Im Süden könnte sich auf den älteren Karten durch eine abweichende Nutzung vielleicht eine flache, langgestreckte Anhöhe abzeichnen (?). Die Vorstellung, die Burg sei aus einem frühen fränkischen Meierhof hervorgegangen, ist mindestens fraglich.
Der heutige Zugang kommt von Osten (Kartung) her; er könnte auch den ehemaligen Zugang wiederspiegeln.
Heute umstellen drei Gebäudeflügel einen Hof. Nähere Aufschlüsse bieten die Gebäude zunächst nicht. Die Gebäudeteile sind als Wohnungen und Sitz einer Gärtnerei genutzt.
Unter einem Teil des heutigen Gebäudes soll sich ein älterer (?) Keller befinden. (Heiko Wagner)

Arch-Untersuchung/Funde:

In der Sumpfniederung in der Umgebung des Hofguts stieß man um 1949 auf Pfähle, die nicht genauer dokumentiert wurden. Die Pfähle seien gegeneinander versetzt gestanden, was auf Faschinen hindeuten könnte. Ob es sich um eine Außenbefestigung, eine Sicherung eines Grabenrandes, um eine Randsicherung von Fischteichen oder etwa um Stege handelt, ist unklar. Auch eine vorgeschichtliche Zeitstellung ist nicht ganz auszuschließen, da aus dem Moor ein urnenfelderzeitliches Schwert geborgen wurde.
Eine neuere Begehung des Areals konnte wenig erkennen und erbrachte keine wesentlichen Funde. (Heiko Wagner)