EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Neuenstein bei Lautenbach

Geschichte:

Eine Vorgängerburg "zu dem alten Neuenstein" wird zwar 1405 als Burgstadel genannt, ist jedoch nicht lokalisiert. Sie wird auf der gegenüberliegenden Talseite vermutet.
Die Burg Neuenstein selbst soll nach 1322 durch die Grafen von Freiburg errichtet worden sein. Sie ist 1430 als "neue Burg Neuenstein" mit "Stall und Hofstatt" belegt. Die Burg Neuenstein wurde im Jahre 1470 (in einem bayerisch-pfälzischen Erbstreit?) durch den Markgrafen von Baden zerstört. Damals hatte sie - ebenso wie die benachbarte Bärenburg - Jörg von Schauenburg inne.
Ein Wiederaufbau erfolgte nicht mehr. 1529 heißt es, die Burg sei "lange Zeit unbedeckt und ganz ungeschirmt". Die Familie von Neuenstein wohnte auf einem Gutshof im Hubacker (Renchtal) oder in einem Stadthof in Oberkirch. Die Burg ist 1609 noch auf einer Landkarte der Ortenau dargestellt. Einige Fragmente glasierter Keramik werfen die Frage auf, ob die Burg im Dreißigjährigen Krieg oder in den "Franzosenkriegen" des späteren 17. und frühen 18. Jhs. Nochmals besetzt war.
Eine erste Familie von Neuenstein (anfangs zähringische Ministeriale) soll zwischen 1123 und etwa 1317 belegt sein; eine andere Angabe lautet, die Alt-Neuensteiner seien mit einem Heinrich 1306 ausgestorben. Man neigt dazu, diese frühen Neuensteiner auf der älteren - unlokalisierten - Burg zu verorten.
Ab Ende des 13. Jhs. Ist jedoch auch eine Familie Rohart oder Schultheiß von Neuenstein belegt; sie ist in Offenburg, Oberkirch und Gengenbach stadtsässig. Sie stellten beispielsweise bischöflich-straßburgische Schultheißen in Oberkirch und waren Lehensträger der Bischöfe auf der Ullenburg. Die Familie erwarb ab 1320 zahlreiche Landgüter. Sie scheint aus dem Stadtpatriziat durch Heirat mit adligen Töchtern in den Niederadel aufgestiegen zu sein. Sie wollte sich als Aufsteiger offenbar mit dem Symbol des alten Adels schmücken und wurde von den Grafen von Freiburg mit der neuen Burg Neuenstein belehnt. 1366 wurden die Markgrafen von Baden Oberlehensherren.
Melchior von Neuenstein war unter den Stiftern der Lautenbacher Wallfahrtskirche; weitere Neuensteiner stifteten dort Glasfenster. Die Neuensteiner begründeten 1475 die Ritterschaft Ortenau mit. Seit dem 16. Jh. ist die Familie im Verwaltungsdienst der Stadt Straßburg, Vorderösterreichs, des Kaisers und des Klosters Murbach anzutreffen, später im Dienst der Fürstenberger. Der Familienzweig der Rohart von Neuenstein starb 1603 aus, die Schultheiß von Neuenstein teilten sich in zwei Linien. (Heiko Wagner)

Bauentwicklung:

Nichts bekannt. Kompaktanlage mit dicker Ringmauer, gerundet (spätes 13. Jh./um 1300). Bauphasen können höchstens die nicht mehr sichtbare Innenbebauung betreffen. (Heiko Wagner)

Baubeschreibung:

Die Burg befindet sich im Renchtal, hinter Lautenbach, oberhalb der Talenge. Die Burgruine steht auf der südwestlichen Talseite, östlich des Großen Schärtenkopfes, auf 457 m ü.NN. Die Kernburg bildet eine längliche Kompaktanlage mit (bergseitig bis zu 3 m dicker) Ringmauer und ist von Südwesten nach Nordosten orientiert; zum Halsgraben hin ist sie gerundet (ohne Ecken). Derartige Kompaktanlagen gehören häufig in die Zeit um 1300 (vgl. etwa Britzingen "Neuenfels", Ebringen "Schneeburg"). Nur die Ringmauer ist teilweise erhalten und wurde 1979/80 renoviert und erhöht. Woher die Vermutung in der Literatur rührt, es habe drei Wohngebäude und einen Brunnen gegeben, wird nicht klar. Entlang der südöstlichen und auch der nordwestlichen Längsseite der Kernburg verläuft jeweils eine Terrasse; ob es sich um einen schmalen Zwinger oder einen ehemaligen, heute verfüllten Graben mit Vorwall handelte, ist unklar. Die nordöstliche Schmalseite der Kernburg steht auf einem steilen Felsen.
Vor der Südwestseite der Kernburg liegt ein Halsgraben. Ein Steinhaufen in seiner Mitte könnte vielleicht auf einen verstürzten Brückenpfeiler hinweisen. Vor dem Halsgraben findet sich eine völlig planierte Vorburg mit winzigem, kaum mehr erkennbarem, verfülltem Graben. Sie ist entlang ihres südöstlichen Randes durch einen Waldweg gestört und zeigt obertägig keine Strukturen mehr. Ob unter ihren höherliegenden Stellen Mauerwerk oder aber bereits der anstehende Fels liegt, ist nicht bekannt.
Der heutige Zugang kommt von Südwesten entlang des Höhenrückens und betritt die Kernburg durch eine Bresche an ihrer Südostseite. Der alte Zugang in die Kernburg ist derzeit nicht klar, zumal das Mauerwerk saniert und aufgehöht ist. "Erhaltungsarbeiten" fanden 1907, 1931 und 1979/80 statt. (Heiko Wagner)

Arch-Untersuchung/Funde:

Ältere Schutträumaktion wurde offenbar nicht fachlich begleitet. Einige Lesefunde. - Neuere Begehung erbrachte Keramik des späten Mittelalters (13. oder 14. bis 15. Jh., auch frühe Neuzeit). (H.W.)