EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Schnellingen

Geschichte:

Der Ort Schnellingen und die Familie werden zugleich 1293 zum ersten Mal in einem Verzeichnis der Lehnsleute der Geroldsecker erwähnt ("Frischelin von Schnellingen"). Die Dorfherrschaft war - soweit wir wissen - ein Lehen der Fürstenberger. Das Verwandtschaftsverhältnis des Frischelin zu dem am nächsten genannten Rudolf von Schnellingen ist nicht bekannt. 1297 verkauft Graf Egen von Fürstenberg seine Rechte in Eschau und Weiler an Ritter Rudolf von Schnellingen. 1301 ist er Mitbesiegler einer Urkunde eines Tame von Waldstein. Sein Siegel zeigt einen schnellenden Fisch, von dem auch der Ortsname (zu überspringendes Wehr in der Kinzig) abgeleitet wird.
1306 erhält Ritter Rudolf von Schnellingen einige Lehen von den Markgrafen von Hachberg.
1324 wird die Burg erstmals genannt, außerdem die zum Kloster Gengenbach gehörige Mühle. Die Burg wird unter die Brüder Wigerich, Gripping, Heinrich und Johannes aufgeteilt. Dabei wird ein Burgfriedensbereich festgelegt, dabei wird auch die Mühle erwähnt.
1371 verkauft eine verwitwete Mene von Schnellingen ihren Halbteil der Burg und des Dorfes sowie weitere Güter und Zinsen an Graf Eberhard von Württemberg. 1324 und 1356 zeigen die Urkunden deutlich große Streitigkeiten innerhalb der Familie an. 1368 erklärt Edelknecht Heinrich von Ramstein die Konflikte mit den Schnellingern für beendet. 1392 gibt ein Schiedsspruch in einem innerfamiliären Streit dem Cunrat Stollen von Staufenberg, seiner Frau und Schwägerin (von Schnellingen) einen Halbteil der Burg und u.a. das Gericht und Dorf Schnellingen. Dabei handelt es sich um die Rechte, die zwischenzeitlich einmal an den Grafen von Württemberg verkauft und offenbar wieder an die Familie von Schnellingen zurückgekommen waren. Eine Clara von Schnellingen heiratete Aulber II. von Gippichen, was zu Ansprüchen an Schnellingen und weiterem Streit führte.
1409 ist das Gericht zu Schnellingen ob der Burg als Lehen der Fürstenberger in der Hand des Rudolf von Schnellingen vermerkt. 1411 verschreibt ein Rudolf von Schnellingen seiner Frau einen Teil an der Burg Schnellingen. Zahlreiche weitere Streitigkeiten im frühen 15. Jh. können hier nicht weiter kommentiert werden. Insgesamt ist die Familie von Schnellingen ein Beispiel, wie man durch Heiraten und ständige Streitigkeiten eine Herrschaft zugrunde richten kann. Den Historiker freut es wegen der Dichte der Schriftbelege.
Ein Schiedsspruch von 1425 erwähnt Details der Burg wie etwa ein äußeres Tor und Brücke, ein "sprachhuß" (Abort), ein Turm mit "sprachhuß", einen Zwinger, ein Backhaus, ein Weiher, Gärten, Brunnen und Reben.
1440 starb die Familie mit Rudolf von Schnellingen aus. Burg und Herrschaft waren 1472 im Besitz von Martin von Blumeneck, später Christoph von Blumeneck, 1528 bei Jos Münch von Rosenberg (vgl. auch Datei: Hofstetten "Heidburg"). 1551 erwarb Graf Friedrich von Fürstenberg das Erbe des Jos Münch. 1558 ist die Burg abgegangen. Anscheinend ist sie schon 1543 als Burgstall genannt. (Heiko Wagner)

Bauentwicklung:

Über die Bauentwicklung ist nichts bekannt. - Der auf alten Fotos noch zu erkennende Burghügel ist inzwischen planiert. Im Jahre 1892 sollen noch etwa 1 m hohe Mauern aus Bruchsteinen mit hartem Mörtel beseitigt worden sein. Es wurde das Gartengelände zwischen Wohnhaus und Leibgeding begangen. Etwas Hüttenlehm und Kalkmörtel sowie zahlreiche kleine Ziegelstücke zeigen noch die ehemalige Burg an. Hinter dem Wohnhaus steigt der Hang weiter an. Auf dieser Seite tritt auch eine Quelle aus. Die Steilböschung könnte teilweise noch die äußere Kante eines ehemaligen Halsgrabens darstellen. Insgesamt ist die Stelle eine nur wenig vorspringende Spornlage am ansteigenden Hang.
In der im unteren Dorfteil gelegenen "Maria Himmelfahrtskapelle" ist außen ein Buntsandsteinfragment mit romanischem Flechtwerkrelief eingemauert, das angeblich vom Burgareal stammen soll. (Heiko Wagner)

Baubeschreibung:

Es handelt sich um eine vollständig abgegangene Burganlage. Der Burghügel wurde planiert. Bei der Steilböschung könnte es sich um den letzten Rest des Halsgrabens der Anlage handeln. (J. Friedhoff)

Arch-Untersuchung/Funde:

Nur eine Begehung. Der auf alten Fotos noch erkennbare Burghügel ist einplaniert. Die Begehung erbrachte Keramik ab dem 13. Jh. oder um 1300 bis in die Neuzeit. Die neuzeitliche Keramik erklärt sich durch das Weiterbestehen des Gehöftes. (H.W.)