EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Weiler bei Fischerbach

Geschichte:

1240 ist ein miles "Albertus de Wilere" als Lehensmann des Klosters Gengenbach genannt.
Um 1318 sind Angehörige einer anderen Familie genannt, die von einer Burg zwischen Schramberg und Tennenbronn (im östlichen Teil des mittleren Schwarzwalds) stammen. Es sind Hans und Burkart von Ramstein zu Weiler; sie treten als Zeugen und Anrainer beim Verkauf der Herrschaft Fischerbach an ihre Verwandtschaft auf. Schon 1275/77 scheint ein "Bertoldus dictus de Ramestein" (bis 1316 belegt) in Weiler gesessen zu sein; jedenfalls verfügt er als Lehensmann der Wolfacher über Besitz in Fischerbach. Güter, Rechte und Gericht von Weiler waren jedoch Lehen von den Grafen von Fürstenberg. Das Herrschaftsgebiet war insgesamt recht klein. Am Bergbau hatten die Herren keinen Anteil; dessen Verleihung ging direkt von den Fürstenbergern an Bergbauunternehmer.
Vielleicht siedelte schon Bertolds Vater nach Weiler über; das könnte dann um 1250 gewesen sein. In diesem Jahr wurde das mittlere Kinzigtal fürstenbergisch. Vielleicht gelangten damals auch neue Lehensnehmer auf die Burg Weiler. Das Siegel der Ramsteiner zeigt einen Steinbock/Widder mit Dreiberg. Im 14./15. Jh. sind die Ramsteiner häufig belegt. Beispielsweise wird 1372 Burkhard von Ramstein mit Gütern zu Weiler belehnt.
1486 verbrannte das "Haus" (die Burg) des Michael von Ramstein ("dem michel von Ramstein sein Haus"). Wegen des Verlustes von Archivalien stellte ihm der Graf von Fürstenberg kurz darauf neue Lehensbriefe aus. Der Neuaufbau erfolgte vermutlich bald darauf; auch die oberhalb gelegene Kirche erhielt gegen 1500 einen Neubau.
Bernhard von Ramstein ist auswärts tätig. Er verkauft als alter Mann das Schlößlein kurzzeitig an mehrere Schwäger gegen Zusage eines Leibgedings, löste es dann aber wieder ein. 1501 verkauft er dann sein "Schlößlein Wyler nebst Zubehör" an die Brüder Jörg und Mattern Walter von Eschau. Von 1501 datiert eine Beschreibung des Zubehörs des "Schlößlein Wyler". Dabei werden ein Krautgarten bis zum Kirchweg, drei Baumgärten, ein Weiher (unterhalb in der Talebene gelegen), zwei Äcker, 5 1/2 Tagwerk Matten (=Wiesen), diverse Fisch- und Waldrechte, Abgaben, Fronen und Zinsen genannt.
Aus dem Jahr 1508 datiert die letzte Nennung der "Ramstainer von Wylr", sie starben wohl kurz danach aus.
Das "Schlößlein Wylr im Kintzigental" wird noch im 16. Jh. als "freier Sitz Ramsteinweiler" genannt. Die Lehensabhängigkeit hat sich offenbar verloren oder wurde abgelöst.
1508 kauft Junker "Martin von Blumnegk" das Schlößlein. Der Nachfolger der Blumenecker, Wolf Stoll von Staufenberg, verkauft 1543 die Güter an Jos Münch von Rosenberg (vgl. Datei Schnellingen, vgl. Datei Heidburg). Hans Jakob Münch von Rosenberg wohnt noch 1564 (oder 1574 ?) in Ramsteinweiler. Er verkauft 1574 seine Besitztümer an Fürstenberg und verstarb vor 1597. 1579 und 1597 wird dabei das "Schloß Ramsteinweiler" genannt. Seine Witwe und Erben verkaufen "den freien Sitz Ramsteinweiler" und weiteren Besitz 1597 an den fürstenbergischen Hofmeister Hans Pluiwer (Pleuer, Pleyer). Er und seine Nachkommen wohnten im Schlößlein und nannten sich Pleuer von und zu Ramsteinweiler. Auch Hans Pleuers Amtsgeschäfte fanden hier statt; 1610 ist Johann/Hans als verstorben belegt. Das Schlößlein wurde 1633 im Dreißigjährigen Krieg durch die Schweden abgebrannt. Offenbar wurde damals nur noch eine Notwohnung in Art eines Bauernhauses aus Holz mit Strohdach, einer Scheuer und einem Stall errichtet, die keinen adligen Eindruck mehr machte. Mit dem tief verschuldeten Karl Anton von Pluiwer starb die Familie aus. 1749 verkauft seine Witwe die "Herrschaft" an Fürstenberg.
1750 verkauft der Fürst die zugehörigen Güter an Privatleute, das Wohnhaus an die Gemeinde. Das hier von der Gemeinde errichtete Schulhaus brannte 1902 ab. Seit 1798 ist daneben auch eine Stubenwirtschaft belegt. (Heiko Wagner)

Bauentwicklung:

Über die Bauentwicklung ist nichts bekannt. (Heiko Wagner)

Baubeschreibung:

Spornlage am Hang oberhalb des westlichen Ortsteils des heutigen Fischerbach. Dieser Ortsteil hieß früher Weiler.
Wenige Meter unterhalb (südlich) der Pfarrkirche St. Michael in 260 m ü.NN. Der Standort ist hinten (im Norden) durch den Bergvorsprung überhöht, auf dem die Kirche steht. Die um 1888 errichtete mächtige Pfarrkirche hatte einen gegen 1500 errichteten spätgotischen Vorläufer. Auf einen frühgotischen oder sogar romanischen Vorläufer deutet die Nennung eines Pfarrers ("pfaff") im Jahre 1329 und die Nennung einer Kirche 1371. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, dass der Sakralbau auf dieser beherrschenden Anhöhe älter war als die Errichtung der Burg und dass der höhere Sporn daher nicht mehr für die Burg zur Verfügung stand.
Unterm Boden steht Gneis an; der Sporn der Burg bildet auf drei Seiten steile Flanken aus. Im Norden muss etwa im Bereich der heutigen Straße oder des Vorplatzes der Gaststätte ein Halsgraben bestanden haben, der jedoch völlig verfüllt und nicht mehr sichtbar ist. Die Böschung unterhalb der Kirche könnte noch ungefähr seine äußere Flanke anzeigen, sofern die Straße nicht einmal verbreitert wurde. Stützmauern am Schlossrainweg im Osten könnten teilweise noch zur Burg gehören bzw. aus Spolien derselben errichtet sein. Funde von Kalkmörtel, wenig Hüttenlehm, Sandstein, Gneis und Ziegelfragmenten zeigen die Burg und ihre jüngeren Nachfolgebauten an.
Die Fläche des Sporns wird im Südosten vom Gasthaus "Zum Schlossberg" (Haus Nr. 21) mit Vorplatz und im Nordwesten, etwas höher, von einem weiteren Haus (Nr. 27) eingenommen. Im Jahre 1966 stieß man bei der Errichtung eines Anbaus an die südwestliche Seite der Gaststätte auf massives Steinmauerwerk, das als Fundament für die SW-Wand des Neubaus genutzt wurde. Unter der Gaststätte sind sicher weitere Mauern vorhanden. (Heiko Wagner)

Arch-Untersuchung/Funde:

Begehung erbrachte im Randbereich Oberflächenfunde. Recht zahlreich Keramik etwa des 13.-15. Jhs. Und der Neuzeit. Eine kleine Wandscherbe mit ausgewitterter Kalkmagerung könnte in das 12. oder frühe 13. Jh. gehören. Es ist noch unklar, ob sie schon die Burg anzeigt. - Die Burg ist mit Sicherheit im 14. Jh. vorhanden. (Heiko Wagner)