EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Heidburg bei Hofstetten

Geschichte:

1284 Ersterwähnung der Heidburg: die Fürstenberger, die mutmaßlichen Erbauer, verkaufen die Burg an die Herren von Schwarzenberg. Die Fürstenberger kauften die Burg offenbar zurück; 1351 ist sie wieder im Besitz der Grafen Heinrich und Hug von Fürstenberg. Aufgrund der von ihrem Vater hinterlassenen Schulden mußten sie die Heidburg und die vier zugehörigen Meierämter an das Freiburger Bürgergeschlecht der Geburen (?; hier könnte ein Lesefehler vorliegen; vielleicht die Familie Geben?) verpfänden. Graf Hug von Fürstenberg musste später noch Lehensmann des Straßburger Bischofs Johann werden und ihm neben vielem anderen auch die "Heydeburg" auf 10 Jahre verpfänden. Erst 1368 konnte Hug die Burg großteils wieder einlösen. Die Restsumme blieb als Pfand bei Johann von Falkenstein, einem Schwiegersohn des Berthold Gebur (? Oder Geben?). Später kam die Pfandschaft der Burg an Johann Malterer, einen reichen Freiburger Patrizier. 1416 waren ein Geroldsecker und sein Schwager, ein Ebersteiner, Mitinhaber der Burg. Sie ließen sich dort nieder, wogegen Graf Konrad von Fürstenberg protestierte. Der Fürstenberger überfiel daher zusammen mit Brun Wernher von Hornberg 1418 die Heidburg und vertrieb sie von dort. Aufgrund eines Schiedsspruches in Straßburg musste der Fürstenberger die Heidburg jedoch wieder räumen. 1435 wollte Graf Heinrich IV. von Fürstenberg vergeblich die Burg wieder einlösen. Besitzer waren inzwischen mehrere Ganerben, was jahrelange Streitigkeiten nach sich zog. 1476 hatte Thomas von Falkenstein, einer der Besitzer, eine Fehde mit Erzherzog Sigmund von Habsburg, dessen Truppen die Heidburg einnahmen. Thomas von Falkenstein wurde zuerst eingekerkert und musste dann dem Habsburger ein Öffnungsrecht der Burg einräumen.1493 wird ein Blasin als Burgvogt der Falkensteiner auf der Burg genannt. 1502 nannte sich Sigmund, der Sohn des Thomas, "friher zu Heitberc". Er verkaufte, inzwischen offenbar alleiniger Pfandinhaber, 1519 "sine veste Heidburg mit aller zugehord" an die Grafen Wilhelm und Friedrich von Fürstenberg. 1541 wurde die Burg wieder verpfändet, und zwar an Jos Münch von Rosenberg (vgl. auch Datei: Schnellingen). Von den Erben konnte Friedrich von Fürstenberg sie 1552 wieder einlösen. Durch die inzwischen sehr verworrenen Rechtsverhältnisse erhob die Markgrafschaft Baden - immer wieder erfolglos - Anspruch auf den Mitbesitz.
Die zugehörigen Güter wurden 1560 von den Fürstenbergern an einen Jacob Mayer in Fischerbach verkauft. Der Käufer durfte aus dem "in Abgang geratenen Haus Heidburg" und dem nahegelegenben Steinbruch Holz, Eisen und Steine entnehmen. Einen Rückkauf, falls man "das Haus Heidburg wieder aufrichten" wollte, behielten sich die Fürstenberger vor. 1569 wurde vom Oberamtmann beanstandet, dass Mayer den Brunnen zuschütten ließ.
Anscheinend wurden die Burggüter nach dem Tod des Jacob Mayer wieder zurück gekauft. Eine endgültige Zerstörung wird für 1622 anlässlich eines Durchzugs von Truppen des Bischofs von Straßburg vermutet. 1623 ist die Burg zerfallen; 1655 wird sie auf einer Karte als Ruine verzeichnet. Ein Plan von 1696 und seine Beschriftung verraten, dass die Burg im Rahmen der Franzosenkriege als Barockfestung neu entstand; dabei wurde auch der Palas wiederaufgebaut. 1704 ist ein französischer Truppendurchzug in der Gegend überliefert, dem die Festung zum Opfer gefallen sein soll.
Im frühen 19. Jh. müssen noch mächtige Mauern vorhanden gewesen sein, die durch den Steinbruchbetrieb verschwanden. (Heiko Wagner)

Bauentwicklung:

Die bauliche Entwicklung der Burg bedarf noch einer eingehenden Untersuchung. Frühneuzeitliche Bildquellen zeigen lediglich die bereits zu einer Festung ausgebaute Anlage. (J. Friedhoff)

Baubeschreibung:

Die Burg stand direkt auf der alten Grenze des Breisgaus gegen die nördlich angrenzende Ortenau (gleichzeitig Diözesangrenze zwischen Konstanz und Straßburg, sog. Confinium alemannorum) . Heute verläuft die Gemarkungsgrenze zwischen Hofstetten und Elzach über den oberen Südhang (gleichzeitig Landkreisgrenze). Die Burgstelle gehört heute zu Hofstetten (Ortenaukreis), der Schloßhof zu Elzach (Lkr. Emmendingen). Wenige hundert Meter westlich verläuft in Süd-Nord-Richtung die ehemalige Straße von Elzach über das Gasthaus Biereck nach Hofstetten und Haslach im Kinzigtal. Hohlwege am Südhang und heutige Wegeverläufe deuten auch auf einen Höhenweg in West-Ost-Richtung.
Die Heidburg stand auf einem ringsum isoliertem Bergkegel (617 m ü.NN), der von einer bewirtschafteten Hochfläche aus ansteigt. Die Situation wäre an sich für eine frühe Burganlage (des 11./12. Jhs.) geeignet, doch gibt es dafür keine Anzeichen im Fundmaterial. Das länglich-ovale Plateau ist etwa 135 m lang und bis zu 75 m breit.
Nach einem Plan und schwachen Hinweisen im Gelände (einige Vorsprünge am obersten Hang, ausgehend von einer als Weg umlaufenden Geländestufe) wurde die Burg im späten 17. Jh. zur Festung ausgebaut. Allerdings scheint ein Teil der Bastionen ganz abgerutscht zu sein und zeichnet sich im Gelände überhaupt nicht mehr ab. Neben drei Mauerringen und zahlreichen Spitzen der Bastionen fällt auf dem Plan am SW-Hang ein Kanonenrondell auf, das durch einen unterirdischen Gang erreichbar war. Vielleicht erklärt sich die Position der Burg durch die Hohlwege, die einen in Ost-West-Richtung verlaufenden Fernweg anzuzeigen scheinen.
Das längliche Plateau wurde nach dem Abtragen der Burgruine als Steinbruch genutzt. Der anstehende Buntsandstein wurde tiefgründig ausgekoffert, nur die Randbereiche des Burgplateaus blieben stehen. Die Buntsandsteinwände zeigen schöne Arbeitsspuren; eine einzelne Nische mag ein Wandschrank in einem Burgkeller gewesen sein, könnte jedoch auch zu einer Baracke des Steinbruchs gehört haben. Der im oberen Teil abgetragene runde Brunnenschacht der Burg ist noch zu sehen.
Die Höhenniveaus an Steinbruch und Hügel könnten vielleicht eine Teilung der Burg in zwei Höhenniveaus andeuten (?). Demnach könnte im NW eine etwas tieferliegende Unterburg/Vorburg bestanden haben (?).
Am oberen NO-Hang könnte ein Steinhaufen der letzte Rest einer Wegetrasse sein. Es könnte sich um den alten Burgweg handeln, der durch die vorspringenden Bastionen gestört und deshalb aufgegeben wurde. Durch den Bau der neuzeitlichen Befestigung wurde die Zugangssituation wohl stark verändert.
Hohlwege am unteren SW-Hang könnten einen alten Fernweg anzeigen, der vom "Biereck" im Westen (dort eine Nord-Süd-Straße zwischen Elzach (Elztal) und Haslach (Kinzigtal) über den Höhenrücken bis zur heutigen B 294 verlaufen sein könnte.
Im Jahre 1954 wurde auf dem Hof des Schlossbauern ein gotisches Blattkapitell entdeckt (heute im Museum Haslach i.K.). Es dürfte am ehesten aus der ehemaligen Burgkapelle stammen. Eine "capella s. Michahelis in Heidberg" ist in einer Urkunde des Papstes Nikolaus IV. vom Jahre 1289 genannt. Eine Abschrift findet sich im Kopialbuch des Klosters Gengenbach aus dem 15. Jh.; sie bestätigt dem Kloster diverse Rechte und Besitztümer. Diese Besitzverhältnisse und der archäologisch-baugeschichtliche Befund an der Kapelle St. Michael in Riegel (vgl. sparate Datei) eröffnet die Möglichkeit, dass die Kapelle bereits vor dem Bau der Burg auf dem Berge stand. Eine späte Quelle (Gregorius Hadler, Propst des Stiftes Waldkirch) nennt 1588 den Burgstall und beschreibt die Lage auf der Diözesangrenze. In der Burgkapelle habe es einen geweihten Konstanzer und einen ungeweihten Straßburger Altar gegeben.
(Im Museum Haslach befindet sich auch noch ein 24 cm langer Eisenschlüssel von der Heidburg.) (Heiko Wagner)

Arch-Untersuchung/Funde:

Neuere Begehungen erbrachten Keramik ab dem 13. Jh. bis zur frühen Neuzeit. (H.W.)