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Turm bei Gutach

Geschichte:

Der Turm bei Gutach ist im 14. und 15. Jh. als "nuwe thurn" genannt. Er steht auf dem letzten Ausläufer eines viel höheren Bergrückens, genau an der Verzweigung zweier Täler. Das von Hornberg herkommende Gutachtal mündet hier ins Kinzigtal. Die Erbauung könnte im 13. Jh. stattgefunden haben, ohne dass dafür Belege vorliegen. Es soll sich um eine Geleit- und Zollstation der Herren von Hornberg handeln. Ob diese Funktion urkundlich direkt nachgewiesen wird, ist aus dem Schrifttum nicht ersichtlich. 1368 wurde der Turm durch die Stadt Straßburg zerstört. 1369 wurde er von ihr aufgrund eines Friedensschlusses wieder aufgebaut. Daher rührt die Benennung als "neuer Turm". Grundlage des Friedens war, dass der Stadt Straßburg und den Fürstenbergern ein Öffnungsrecht eingeräumt wurde. Schon 1383 kam es wieder zu einer Fehde zwischen den Hornbergern und Straßburg. Wieder wurde der Turm zerstört, dazu die ganze Umgebung.
Im Jahre 1389 trat Heinrich von Hornberg einen Anteil des "nuwen Thurns" an Aberlin Schencken ab. 1390 erhielt er auch von Brun von Hornberg einen Anteil an den zum Turm gehörigen Gütern. "zuem thurn gehörige" Güter werden 1456 anlässlich eines Streites nochmals erwähnt. Im Lagerbuch von 1686 wird "Der Burgstadel zum newen Thun auf dem thurner berg im Künzinger Thal, soweit desselben Gemäuer und Marckung gehet, ist der Herrschaft Wirtemberg aigen" genannt. Der Turm war also mitsamt der Herrschaft Hornberg etwa 1443 an die Grafen von Württemberg gekommen.
Im Jahre 1703 drangen die Franzosen im Spanischen Erbfolgekrieg überraschend ins Kinzigtal ein. So konnte Marschall Villars auch den Gtacher Turm einnehmen. Der Name "Schänzle" deutet darauf hin, dass er in eine Schanzanlage einbezogen war. (Heiko Wagner)

Bauentwicklung:

Nichts bekannt, nur Zerstörungsdaten. (Heiko Wagner)

Baubeschreibung:

Von SO nach NW verlaufender Bergsporn nahe der Mündung der Gutach in die Kinzig. 281 m ü.NN., hinten überhöht. Eine "Ausgrabung" zweier Vereine erbrachte 1972 einen quadratischen Turmgrundriss von 12 m Seitenlänge und 2,60 m Mauerdicke. Die Seitenlängen des Innenraumes messen jeweils etwa 6,60 m bis knapp 7 m. An der SO-Seite zeichnet sich innen unter dem Bewuchs noch ein bis zu 20 cm breiter Mauervorsprung ab. Ob es sich um einen Fundamentvorsprung oder gar um das Auflager einer Geschossdecke handelt, kann heute vor Ort nicht entschieden werden.
Als Mauermaterial des Turmes diente der vor Ort vorkommende Gneis. Seitlich neben dem Treppenaufgang an der westlichen Ecke des Turmes sind ein großer Konsolstein und ein gekehltes Gesims oder Gewände aus Buntsandstein eingemauert worden. An der nördlichen Ecke sind noch zwei lange Buckelquader mit Zangenlöchern aus hellem Buntsandstein sichtbar (in situ oder nach Auffindung wieder vermauert?). Nahebei ist an der NO-Seite nach der Auffindung ein halber Buckelquader hochkant eingemauert worden.
Auf der südöstlichen Mauer des Turmes steht heute eine Hütte, so dass die Mauerschale hier nicht sichtbar ist. Der Turm lehnte sich hier offenbar stärker an den Fels an. Hinter dem Turm sind bergseitig ein Halsgraben (Breite an Sohle ca. 4 m, oben etwa 10-12 m) und Reste eines gesprengten Bunkers erhalten. An der Südwestseite treten außerhalb des Halsgrabens am Hang des Vorgeländes mehrere Mauerstücke auf: es scheint sich um eine Terrassierung zu handeln. Ob sie burgzeitlich ist, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, zumal am Fuße der Anhöhe noch heute mehrere bewohnte Häuser und Höfe stehen. Vielleicht dienten die Terrassen dem Garten- oder gar dem Weinbau, der früher weiter in die Täler hineinging als heute. Eine Zuwegung scheidet als Deutung für die Terrassen aus. Ein weiterer Graben existierte im Vorgelände offenbar nicht; hier steigt eine Felswand nach Südosten an. Es scheint sich demnach nicht um eine Vorburg zu handeln.
Auch am Südwestrand des Burghügels tritt Mauerwerk auf, wohl Reste der Ringmauer. Daher bleibt in dem durch die Erbauung der Barockschanze gestörten Gelände noch zu ermitteln, wie groß die zum Turm gehörige Burganlage eigentlich war. Die spitz zulaufende Barockschanze, deren Verlauf etwa durch die niedrigen Hecken erkennbar ist, passte sich offenbar an die Geologie und die Burgreste an. Nach NW stand also eine Fläche von bis zu 13 m Breite, nach NO bis 6 m Breite zur Verfügung. Der Turm stand also innerhalb des Berings wohl nicht allein; die zugehörigen Bauten waren jedoch eher schmal und niedrig. Der Turm war hier das dominierende Element und ist bei solchen Kleinburgen sicher als Wohnturm anzusprechen.
Nach SW ist das Burggelände ebenfalls bis zu 6 m breit; hier kommt jedoch noch die heutige, etwa 4 m breite Zugangsrampe hinzu. Ob sie den alten Burgweg darstellt, der somit durch den Halsgraben gelaufen wäre, ist unklar. Zur Beurteilung hätte man das Gelände vor der Ausgrabung und Restaurierung gesehen haben müssen. Am nördlichen Ende des Halsgrabens zeichnet sich im bewaldeten Hang ebenfalls eine kurze, steile Rampe ab, deren Alter nicht ermittelt ist. (Heiko Wagner)

Arch-Untersuchung/Funde:

Vermutlich Schutträumung ohne fachliche Begleitung.
Zwei neuere Begehungen erbrachte wenige Keramikfunde, darunter einige mittelalterliche Scherben (13. Jh.? Bis 15. oder 16. Jh.). Die glasierte Keramik könnte auf eine Nutzung im Zusammenhang mit den Schanzanlagen des 17./18. Jhs. Zurückgehen. (Heiko Wagner)