EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Wolfach

Geschichte:

Die Herren von Wolfach (Wolva, Wolfahe...) sind seit 1084 urkundlich fassbar. Die Heimat der Familie scheint am oberen Neckar gelegen zu haben; die Familie ist edelfrei und tritt im 13. Jh. im Domkapitel von Straßburg auf, was ihre Eigenständigkeit und ihre Bedeutung unterstreicht. Im frühen 12. Jh. hatte die Familie intensive Beziehungen zu den Zähringern, war jedoch nicht abhängig von ihnen; die Wolfacher sind keine Vasallen oder Ministerialen der Zähringer. Um 1220 orientierte sich die Familie nach dem Aussterben der Zähringer zu den Staufern hin um. Ein "Fridericus de Wolfacha" amtierte 1084 als Urkundenzeuge. 1086 ist eine Schenkung von ihm an das Kloster St. Georgen belegt, 1099 ist er als Gründungszeuge des Klosters Alpirsbach bezeugt; er tritt als Zeuge für das Kloster St. Peter und wiederum für St. Georgen auf. Ob er bereits auf der Burg oder noch auf einem Hof saß, ist unsicher. Der Ort "villa wolfacha" wird erstmals 1148 genannt, als eine Schenkungshandlung dort stattfindet. Daraus entsteht die Frage, ob es dort einen Wohnsitz der Herren in Form eines Hauses oder Hofes gab. Die Burg könnte auch erst im 12. Jh. errichtet worden sein; Harter tendiert zu einer Gründung der Burg bereits im 11. Jh. Über eventuelle ältere Funde anlässlich von Schutträumungen lässt sich derzeit nichts aussagen. Die neueren Lesefunde datieren sicher ab dem 13. Jh., einige wenige Funde gehören evtl. ins 12. Jh. Da das Spektrum jedoch sehr klein ist, muss dadurch die Laufzeit der Burg noch nicht völlig erfasst sein.
1139 erfolgt eine Schenkung an das Kloster Alpirsbach. 1156 hielt sich "Fridericus de Wolua" am Hofe Friedrichs I. Barbarossa in Speyer auf; in der Zeugenreihe für Kloster Maulbronn steht er gleich hinter den Grafen.
Die Burg Wolfach ist ausdrücklich erst 1272 als "in castro Wolfach" belegt (Basler Annalen). Gelegentlich wird vermutet, dass diese Nennung auch das Stadtschloss in Wolfach meinen könnte, dessen Ursprünge jedoch nicht klar sind (1298/1305 wird die Stadt Wolfach erstmals fassbar). Die Familie von Wolfach starb gegen Ende des 13. Jhs. aus. Die Erbtochter Udilhild (verstorben 1302) hatte spätestens 1291 den Grafen Friedrich von Fürstenberg geheiratet. Dadurch kam die Burg mitsamt dem Dorf, der Stadt und dem Territorium an die Fürstenberger. Udilhild war 1298 bereits Witwe. Unter Graf Heinrich VI. von Fürstenberg wurde die Burg 1447 erneuert, wie der Schreiber Michel Spyser mitteilt. Aufgrund der Keramikfunde dürfte die Burg um etwa 1500 abgegangen sein. 1546 wird sie als Burgstall genannt. 1778 wurde ausdrücklich erlaubt, auf der Burg Steine zum Ausbessern des Flußufers der Wolf nach einem Hochwasser zu entnehmen.
Unterhalb der Burg sind 1380 "der Hoff vor der Bürg" und 1546 eine Burgmühle erwähnt. Das Tälchen nördlich der Burg heißt noch heute "Burggraben".
Die Grablege der Wolfacher befand sich in der Wolfacher Kirche St. Laurentius. (H.W.)

Bauentwicklung:

Die bauliche Entwicklung der Burg bedarf noch einer eingehenden Untersuchung. Unklar ist, ob Teile der noch erhaltenen Burgruine der Gründungsanlage angehören, deren Anfänge für die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts zu vermuten sind. Offenbar fiel die Burg in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wüst und wurde nicht mehr genutzt. (J. Friedhoff)

Baubeschreibung:

Die Burg Wolfach nimmt auf der Ostseite des Wolftals einen nach Nordwesten vorspringenden Sporn (344,9 m ü.NN) ein. Direkt nördlich der Burg verläuft heute die Gemarkungsgrenze zwischen der Gemeinde Oberwolfach (eigentlich der ältere Ort) und der Stadt Wolfach.
Infolge eines Geländeeinschnitts erscheint der Sporn als Bergkegel. Bergseitig ist die Burg im Südosten durch den erwähnten breiten und tiefen Halsgraben vom weiter ansteigenden Hang abgetrennt. Im Nordosten modellierte ein Bachtälchen (der sog. Burggraben) den Bergkegel heraus.
Die Ruine wurde 1977-79 freigelegt und saniert. Eine eingehende Veröffentlichung oder Bearbeitung von Funden liegt nicht vor.
Eine künstliche Terrasse mit geringen Mauerresten umzieht den oberen Hang des Berges besonders im Norden und Westen. Sie bildete die Vorburg (Unterburg).
Am Berg steht Gneis an; die Burgmauern bestehen meist aus Gneis o.ä., und zwar in Form von Bruchsteinen und als Wacken. In der Mauerschale des Turmes sind auch etwas gerundete Buntsandsteine dabei.
Eine einfache, mehrfach geknickte, etwa 1,50 m dicke Ringmauer umgibt die kleine Kernburg. Der Eingang (das Burgtor) befand sich offenbar im Nordosten. Ein älterer Plan von 1934 und eine neuere Planskizze weichen stark voneinander ab. Die Abweichungen betreffen den Verlauf der nordöstlichen Ringmauer, die Eingangssituation am Bergfried und Details des südlichen Wohngebäudes. Offenbar waren gerade die abweichenden oder strittigen Partien der Burg schlecht erhalten. Sie wurden offenbar bei der Sanierung verfüllt; jedenfalls sind heute die Ringmauer im Osten und Norden und ein kurzes Mauerstück an der östlichen Ecke des Turmes über dem Boden nicht mehr erkennbar und daher derzeit auch nicht zu überprüfen. Die jüngere Planskizze ist nicht genordet und trägt keinen Maßstab, stammt jedoch offenbar von einem Beteiligten der kurz zuvor stattgefundenen Sanierung. Die jüngere Skizze stimmt auch stärker mit einem Plan von K.A. Koch (ca. 1910) überein, so dass ihr hier der Vorzug gegeben wird.
Zum Berg hin zeigt sich im Süden/Südosten ein rechteckiges, etwa in West-Ost-Richtung stehendes Gebäude mit einer Unterteilung. An seiner südlichen Außenwand sind zwei Schlitzfenster oder Scharten rechteckig rekonstruiert, an der westlichen Schmalseite zwei größere Öffnungen angedeutet, die auf dieser Höhe nicht unbedingt zu erwarten sind.
Im Burghof stand schräg zum Wohnbau ein massiver Bergfried mit 3 m dicken Mauern (die Mauerdicke des Turmstumpfes war vom Verf. nicht messbar, da unzugänglich). Von seiner östlichen und westlichen Ecke aus gingen offenbar jeweils kurze Mauerstücke zur Ringmauer hin, die wohl nachträglich eingefügt wurden. Vermutlich sollte die Mauer an der östlichen Ecke des Turms den Durchgang an dieser Stelle verhindern und den Verkehr nach rechts lenken; westlich des Turmes ist ein weiteres, inneres Tor zu vermuten. Vielleicht deuten die kurzen Mauern auch auf nachträglich überdachte Hofbereiche hin.
Die Angabe in der Literatur, der Bergfried sei zu Beginn des 12. Jhs. Erbaut worden, ist in dieser Form eher fraglich. Gewöhnlich gehören in dieser Region Bergfriede in das späte 12. und in die 1. Hälfte des 13. Jhs. Der Bergfried war sicher über einen Hocheingang zu erreichen, der den Zugang über das Wohngebäude und den Wehrgang der Ringmauer erlaubte. Das stark restaurierte, insgesamt recht grobe Mauerwerk weist stellenweise Anklänge an Kleinquadermauerwerk auf. Die Turmecken waren offenbar kaum betont, Buckelquader treten nicht auf. An der Nordwestseite des Turmes tritt im mittleren Teil originales Mauerwerk bis in knapp 1 m Höhe auf; es besteht teils aus Buntsandsteinwacken, teils aus Gneiswacken. Originales Mauerwerk findet sich auch noch im unteren Teil der Südwestseite, bei der Sitzbank. Die Ecken des Turmes sind meist neu angesetzt/rekonstruiert.
Insgesamt ist die Zeitstellung des Turmes schwer zu beurteilen. Es besteht, da nur der untere Stumpf erhalten ist, die Möglichkeit, dass der Turm im Aufgehenden durch Mauerrücksprünge und ggf. durch aufgesetzte, nach außen vorkragende Geschosse Wohnraum geboten haben könnte. Er wäre dann vielleicht doch als Wohnturm und nicht als Bergfried anzusprechen (?). Darüber kann leider nur spekuliert werden. Angesichts der geringen Größe der Kernburg wäre ein Wohnturm sinnvoll. Falls man - angesichts des Status der Herren von Wolfach - einen frühen Beginn der Burg im späteren 11. oder frühen 12. Jh. in Betracht ziehen will, wäre ein Wohnturm die gängige Bauform der Zeit. Ansonsten müsste man für diese Phase eine völlig abweichende Innenbebauung der Burg postulieren, von der überhaupt noch nichts bekannt ist (Abriss eines Wohnturms zugunsten des Bergfrieds wie am Turmberg bei Karlsruhe-Durlach?). (Heiko Wagner)

Arch-Untersuchung/Funde:

Schutträumung. Neuere Begehung erbrachte Keramik des 13.-15./16. Jhs. Wenige Scherben könnten noch in das 12. Jh. gehören. (H.W.)