EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Schiltach, Willenburg

Geschichte:

Aus der Frühzeit der Burg liegen keine Urkundenbelege vor. Erst 1491 wird sie als "burgstal genannt willenburg" sowie 1493 und 1565 als "Willenburger burgstall" erwähnt. Diese Nennungen geben die Burgstelle als Grenzpunkt der Herrschaften Schiltach und Schenkenzell an. Die Burg erscheint noch als Ruine auf der Landkarte "Schiltacher vorst" des Georg Gadner (1592).
Die nahebei vorbeilaufende "Schiltacher Steige" - Teil einer wichtigen Transversale über den mittleren Schwarzwald - ist 1386 genannt. Die Strecke an der Willenburg wurde bis ins 19. Jh. hinein "Rottweilerstraße" genannt. Die alte Römerstraße war hingegen noch durch ein anderes Tal (Kaibachtal/Katzenloch) verlaufen.
Die Burg geht in ihrer Gründung vermutlich der Burg Schiltach voraus (allerdings wurden auch dort inzwischen einige Stücke der kalkgemagerten Keramik gefunden).
Im 13./14. Jh. gehörte das Gebiet den Herzögen von Teck; diese Linie hatte sich 1186/87 mit einem Adalbert von den Herzögen von Zähringen abgetrennt. Das könnte Rückschlüsse auf älteres Zähringergut erlauben. Das Gebiet um Schiltach verlängert das zähringische Gebiet am oberen Neckar nach Westen. Es erlaubt auch den Zugriff auf den östlichen Teil der bedeutenden Kinzigtalstraße, an deren westlichem Ende das zähringische Offenburg liegt. Somit lassen sich die zähringischen Gebiete in der Ortenau und ihr Besitzkomplex am oberen Neckar besser verbinden. Außerdem diente die Willenburg wohl auch der Organisation der Besiedlung und politischen Erfassung der Umgebung und bildete somit offenbar den Vorgänger der späteren teckischen Herrschaften Schiltach und Schilteck. Angesichts ihrer Kleinheit diente die Burg wohl nicht als eigentlicher Adelswohnsitz oder gar als Hofhaltung, sondern war wohl von den Herzögen mit Ministerialen oder Burgmannen besetzt. Sie wäre daher wohl als Ministerialen- oder Amtssitz anzusprechen; Harter nennt sie "Herrschaftsburg". Die jeweiligen Burgmannen hatten Verwaltungsaufgaben und Präsenzpflicht auf der Burg. Dies erklärt nach Harter - wie vielleicht auch bei vielen anderen, nahezu "geschichtslosen" Burgen - ihr Fehlen in den Urkunden, da diese Leute nur selten oder nie als Urkundenzeugen fungierten.
Vermutlich war die Willenburg eine Zähringergründung, die um 1187 an Adalbert von Teck kam. Die Kontrolle der Straßenverbindung ist verbunden mit der Erschließung und Herrschaftsbildung des umliegenden Gebietes. Durch andere Burgengründungen in der Region und besonders durch die Burg und Stadt Schiltach wurde die Willenburg unwichtig und schon im 13. Jh. aufgegeben. Schiltach am Zusammenfluss von Kinzig und Schiltach war für die Tecker als Herrschaftsmittelpunkt besser geeignet und bot auch als Burgplatz mehr Raum. (H. Wagner)

Bauentwicklung:

Nichts bekannt. Im Grundriss der kleinen, nicht sehr langlebigen Burg scheinen sich keine Bauphasen niedergeschlagen zu haben. (H. Wagner)

Baubeschreibung:

Der Bergkegel (663 m ü.NN) besteht aus mittlerem Buntsandstein. Der Kegelstumpf der Willenburg ist an seinem Fuß ringsum von einem in ovaler Form verlaufenden Graben umzogen, dem ein Vorwall außen vorgelagert ist. Die Lage der Burg sowie der Kegelstumpf mit Graben und Vorwall erinnern etwas an den "Stockberg" bei Badenweiler. In älterer Zeit wurde die Anlage für einen älteren Ringwall gehalten. Der Vorwall ist an zwei Stellen durchstoßen, um den Aushub der tiefen Grabenbereiche nach außen entsorgen zu können, wo man ihn als Grabenhalde aufschüttete. Interpretationsprobleme bereiteten die unterschiedlichen Höhenniveaus im Burggraben und die steile Abarbeitung einer Felskante, die einen querlaufenden, nicht zu übersteigenden Absatz im Graben bildet. M.E. handelt es sich hier um einen Teil der Zugangslösung: der Zugang führte im Westen durch eine Lücke im Vorwall in den Graben und verläuft zunächst im tiefen Graben der Südseite nach Osten. Dort bildet eine Rampe einen deutlichen Höhengewinn, der Weg folgt dem Graben der Nordseite wieder nach Westen. Dort bildet der Graben eine Plattform, direkt über der abgearbeiteten Felswand, die den Verkehr in die beschriebene Richtung zwang. Das oberste, letzte Wegstück ist derzeit noch unbekannt, auch der Eingang in die Burg (im östlichen Teil der Nordseite, oder auf der Südseite?). Vielleicht ist die Trasse abgerutscht, oder sie war über hölzerne Stege geführt (?). Das von Steilhängen geschützte Plateau erhebt sich etwa 15 m über den Graben und hat eine Fläche von etwa 26 m x 14 m (ca. 300 Quadratmeter).
Der erst durch die Grabungen zwischen 1959 und 1970 freigelegte Grundriss der Burg ist rechteckig bis schwach trapezförmig, wobei die Nordseite etwas gebogen mit zwei Knicken verläuft. Der Grundriss erinnert etwas an die Burg Wolfach und an den "Rauhkasten" bei Seelbach. Da ein neuerer amtlicher Vermessungsplan der Burg noch unpubliziert ist, werden hier die Grundrisse der Ausgräber mithilfe eigener Notizen kommentiert. Der wichtigste Wohnbau (ca. 12 x 8 m) stand im Westen und dürfte angesichts der Kleinheit der Burganlage als Wohnturm in die Höhe gestrebt sein. Der ebenerdige Eingang ist mit dem Türgewände aus Buntsandstein mit Türanschlag und Schwelle noch erhalten. Die Durchgangsbreite beträgt 1,52 m.
In die Ecke zwischen Wohnbau und nördlicher Ringmauer ist ein kleineres Gebäude eingebaut (die Türbreite wurde mit nur 65 cm gemessen, wobei ein Block etwas verschoben war). Daneben wurde im Bereich des relativ geräumigen Hofes der 30,3 m tiefe Burgbrunnen mit 2 m Durchmesser freigelegt. Im oberen Teil seiner Verfüllung lag ein Hundeskelett, darunter diverse Bauspolien, weiter unten Hölzer; im Schlamm sollen viele Funde gelegen sein. Von einem Balken stammt ein Dendrodatum zwischen 1194 und 1200. Im Bereich des ehemaligen Brunnenrandes wurde ein Beinstab aus zwei Teilen gefunden, die mit Metallstiften verbunden waren; er ist mit einem Tierkopf (Hund?) verziert und wurde später als Abzugsbügel einer Armbrust identifiziert. Die nicht mehr vorhandene Umrandung des Brunnens wurde 1964 völlig neu aufgemauert.
Es ist wohl noch mit leichteren (Holz- oder Fachwerk-?) Bauten im Hofbereich zu rechnen, die bei den Grabungen nicht mehr zu erkennen waren. Offenbar empfand man die Ostseite als gefährdet, jedenfalls ist hier die größere Ringmauerdicke festzustellen. Insgesamt besteht das Mauerwerk der Burg aus grob bearbeiteten Buntsandsteinquadern; an der Ringmauer weist ein Quader bereits einen groben Randschlag auf. Die ältere Literatur ging fälschlich von Trockenmauerwerk aus, was schon rein von der Baustatik her nicht möglich ist. Der Mörtel ist - wie an ähnlichen Gesteinen mit saurem Milieu - völlig ausgewittert. Das Mauerwerk weist insgesamt Dicken zwischen 1,5 m und 2,8 m auf.
An Bauspolien wurden u.a. ein Konsolstein, eine rundbogige Fensteröffnung von etwa 30 cm Breite und eine Dämonenmaske von einer Türwange gefunden. An weiteren Funden werden Keramik, eiserne Nägel und Armbrustbolzen sowie Knochen erwähnt. Die Funde sind teilweise in Schiltach ausgestellt, doch noch nicht abschließend wissenschaftlich bearbeitet. (H. Wagner)

Arch-Untersuchung/Funde:

Grabung 1959-1970
Neuere Begehung ohne Funde. (H.Wagner)