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Rietberg, Münte

Geschichte:

Im Westen der Stadt Rietberg lag seit dem Mittelalter eine gräfliche Residenz, deren Mittelpunkt das heutige Haus Münte bildet. Durch die 1302 erfolgte Erbteilung zwischen den Brüdern Friedrich II. und Konrad II. gab es kurzzeitlich zwei Herrschaftssitze in der Stadt. Gegenüber im östlichen Stadtteil an der Ems befand sich die alte Burg Rietberg, der Stammsitz der Grafen von Rietberg.
Nach der Beendigung der Realerbteilung in Rietberg wurde das Haus nicht mehr als Residenz benötigt, dennoch wurde es wohl für herrschaftliche Zwecke genutzt. Vermutlich befand sich auf dem Areal von Haus Münte im Spätmittelalter eine gräfliche Vogtei. Bereits im Mittelalter waren hier Ministerialen ansässig, die den Herrschaftsbereich der Grafen von Rietberg verwalteten.
Die im 17. und 18. Jahrhundert an der damals bereits gepflasterten Müntestraße erbauten prunkvollen Häuser wurden bis zum Ende der Grafschaft 1807 von gräflichen Regierungsbeamten bewohnt. Im Erdgeschoss von Haus Münte befand sich die zuvor auf dem Schloss untergebrachte Regierung und Kammerverwaltung der Grafschaft, im Obergeschoss residierte die Familie des Bevollmächtigten. Prächtige Kamine, edle Wandtapeten und kostbares Mobiliar zeichneten Haus Münte aus, das auch "Herrenhaus", "Regierung", "Kanzlei" oder "Direktorialgebäude" genannt wurde. Seit dieser Zeit wurde herrschaftlicher Besuch in Rietberg dort untergebracht. Bürgermeister, Räte und die Bürgerschaft huldigten vor diesem Gebäude ihrem Landesherren. Am 2. Februar 1765 zog ein prächtiger Festzug aus Anlass des Geburtstages von Wenzel Anton Fürst Kaunitz-Rietberg an Haus Münte vorbei und am 28. März 1768 empfingen die Vetreter der Synagogengemeinde der Grafschaft die Einwilligung des Fürsten zum Bau einer Synagoge in Neuenkirchen.
Marie Antoinette Gräfin von Kaunitz-Rietberg, die Enkelin des Fürsten Kaunitz lebte von 1795 bis zu ihrem Tod 1805 im Haus Münte.
Nach der Mediatisierung der Grafschaft 1808 erwarb der aus einer Osnabrücker Kaufmannsfamilie stammende Friedrich Ludwig Tenge (1793-1865) 1822 sämtliche Güter und Patrionalrechte sowie das Haus Münte. Dort richtete er zunächst die Domänengutsverwaltung ein, später bewohnte die Familie das Haus. Zwei Bewohner des Hauses, Justizrat Johann Heinrich Consbruch und Friedrich Ludwig Tenges Schwiegersohn Ottmar von Behr, versuchten erfolglos in der Zeit des Vormärz 1845 in Rietberg einen "Lokalverein für das Wohl der arbeitenden Klassen" zu gründen. In das Gästebuch von Therese Tenge geb. Bolognaro-Crevenna, die seit 1853 mit Carl Friedrich Tenge verheiratet war und im Haus Münte wohnte, trug sich unter anderem Karl Marx ein. Bis heute wird das Haus von der Familie Tenge-Rietberg bewohnt.
Der repräsentative Wohn- und Behördenbau aus dem 18. Jahrhundert trägt den Namen "Münte" (niederdeutsch: Münzprägestätte) zu Unrecht. Allerdings wurden auf dem Areal im 17. Jahrhundert Münzen geprägt. Dies geschah im Vorgängerbau, als Graf Johann III. von Ostfriesland und Rietberg die Parzelle an seinen Münzmeister Georg Koenen verpachtete. Der heutige Name der Hausstätte, noch 1675 als "Hochgräfliche Rietbergische Müntze" genannt, wie auch der Straßenname "Müntestraße" erinnern an dieses einstige landesherrliche Privileg. (Heike Tausendfreund)

Bauentwicklung:

Der auf hohem Kellergeschoss errichtete Dreiflügelbau wurde zwischen 1743 und 1746 erbaut und gehört zu den bedeutendsten Baudenkmälern der historischen Altstadt Rietbergs. Der einheitliche Putz und Anstrich sollte, wie bei vielen Bauten des Spätbarocks, einen Eindruck eines Massivbaues erwecken. In der Rückansicht lässt sich jedoch die Fachwerkbauweise erkennen. Die Nebengebäude wurden später errichtet. In der Zeit um 1800 wurde das Haus von Landrat Woldemar Tenge umgestaltet. Haus Münte bekam unter Mitwirkung der Bauanstalt Bethel eine altdeutsche Ausstattung im Stil der Neorenaissance. Das heutige Oberlicht des ansonsten kassizistischen Portals stammt aus dieser Zeit. Auch innere Veränderungen des Gebäudes und der Hauskapelle fanden in dieser Zeit durch den Rietberger Hofmaler Philipp Ferdinand Ludwig Bartscher und dessen Schwiegersohn Caspar Heinrich Rosenkranz, statt.
Bis heute wurde das Haus Münte mehrfach modernisiert, aber in seiner äußeren Gestalt kaum verändert. (Heike Tausendfreund)

Baubeschreibung:

Der schlichte Dreiflügelbau, der in der Nachfolge einer spätmittelalterlichen Burg entstand, wurde auf einem hohen Kellergeschoss als Fachwerkbau errichtet. Durch einheitlichen Putz sollte der Eindruck eines spätgotischen Massivbaues erweckt werden. Das Portal ist klassizistisch mit einem Oberlicht im Stil der Neorenaissance. (HeikeTausendfreund)