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Kaster

Geschichte:

Eine erste Erwähnung der Herren von Kaster stammt aus dem Jahr 1148. Ein Gottschalk von Kaster wird 1231 als Lehensträger der Grafen von Jülich überliefert. Nach einer Zerstörung der Burg durch den Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg im Jahre 1278 erfolgte durch die Witwe Walrams IV., Ricarda von Jülich, ein Wiederaufbau der Burg, die ihr zeitweise als Witwensitz diente. Wohl unter Graf Gerhard von Jülich (1297-1328) entwickelte sich die Burg zur Nebenresidenz. Die der Burg benachbarte Siedlung wurde Anfang des 14. Jahrhunderts zur Stadt erhoben. Burg und Stadt bildeten den Sitz eines der größten Jülicher Ämter. Als befestigter Übergang an der Erft entstand in Kaster zugleich eine Zollstation. Für die Zeit zwischen 1571 und 1577 sind umfassende Baumaßnahmen an der Burg überliefert, die möglicherweise von Maximilian Pasqualini geleitet wurden. Nach mehrfachen, teils schweren Beschädigungen zerstörten kaiserliche Truppen 1648 die Burg so stark, dass sie schließlich aufgegeben wurde. Während man die Vorburg als Sitz des Jülichen Amtmannes nun zum Verwaltungsmittelpunkt ausbaute, nutzte man die Reste der ehemaligen Hauptburg bis ins 19. Jahrhundert als Steinbruch. (H. G. Greggersen)

Bauentwicklung:

Über die bauliche Entwicklung der mittelalterlichen Anlage liegen keine Erkenntnisse vor. Ob der hochmittelalterlichen Beringburg eine ältere Motte vorausging, ist naheliegend. Bei Grabungen auf dem Gelände der ehemaligen Burg wurden neben Scherben neuzeitlicher Keramik des 16. Jahrhunderts vor allem Reste mittelalterlichen Steinzeugs des 14. u. 15. Jahrhunderts entdeckt. 1648 wurde die Burg zerstört und nicht mehr neu errichtet. Zugleich erfolgte ein Ausbau der zweiteiligen Vorburg zum Verwaltungssitz. (H. J. Greggersen)

Baubeschreibung:

Die ursprüngliche Anlage wurde auf einem großen, wahrscheinlich teilweise natürlichen Hügel am Ufer der Erft errichtet und diente der Sicherung des Erftübergangs. Funde von Palisaden bestätigen die Vermutung, dass der hochmittelalterlichen Burg eine Motte vorausging.
Die backsteinerne Burg des späten 13. Jahrhunderts war von annähernd rechteckigem Grundriss und verfügte über eine Ringmauer, von der sich noch Fragmente erhalten haben. Sie war mit der südlich gelegenen Vorburg durch eine Brücke verbunden, die einen Wassergraben überspannte. Während sich um die Vorburg die spätere Stadt entwickelte, blieb die Hauptburg isoliert. Ein komplexes, durch die Erft gespeistes System von Wassergräben umzog die Burganlage und die befestigte Stadt. Auf einem Bild aus dem Jahr 1794 sind noch die Reste eines stattlichen Saalbaues, vermutlich des Palas und des anschließenden Westflügels der um die Mitte des 16. Jahrhunderts zum Schloss ausgebauten Burg zu erkennen. Wenige Reste von Fundamenten und aufgehendem Mauerwerk der Hauptburg haben sich aus dieser Periode erhalten. Aus der ehemals zweiteiligen Vorburg entstand nach der Zerstörung des Schlosses ab 1648 die Kellnerei als Vierflügelanlage um einen quadratischen Hof. Eine backsteinerne Wehrmauer, in deren südwestlicher Ecke sich ein Rundturm erhebt, grenzt die Anlage vom umgebenden Ort ab. Teile der Mauer und der so genannte "Eulenturm“ stammen noch aus dem 14. Jahrhundert. Die barocke Schweifhaube erhielt der Turm im 17. Jahrhundert. Die im Süden und Westen an den Turm anschließenden Wirtschaftsgebäude weisen im Kern noch Bausubstanz des 14. Jahrhunderts auf, wurden im 17. Jahrhundert jedoch erneuert. Die vermutlich im späten 16. Jahrhundert veränderte Nordwestecke mit der Wallpforte springt bastionsartig aus der Flucht der Mauer hervor. Eine 1957 freigelegte Schlupftür weist auf die Verbindung zur ehemaligen Burg. Turm wie Mauer weisen zahlreiche Schießscharten auf. (H. J. Greggersen)