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Voerde

Geschichte:

Die Wasserburg Voerde ist Nachfolger eines Wirtschaftshofes der Abtei Werden, der 1344 in ein Lehen für die Herren von Loete umgewandelt wurde. Rest dieses Hofes ist die mit weitläufigen Wassergräben umgebene Vorburginsel, die heute nicht mehr bebaut ist. Die Wirtschaftsgebäude wurden nach 1933 abgerissen. Auf einer separaten im Westen anschließenden Insel errichteten die ersten Lehensträger ein Wohnhaus, dessen Reste im derzeitigen Baubestand noch erhalten sind. Haus Voerde gehörte nicht zu den klevischen Rittersitzen, wurde auch im 15. Jh. nicht als Burg überliefert, obwohl es bereits Ende des 14. Jhs. In klevische Lehenshoheit übergegangen war.
1486 erwarb Jakob von der Kapellen, gebürtig aus Haus Wohnung (vgl. Voerde - Haus Wohnung) den Besitz, der wohl Haus Voerde zum befestigten Rittersitz ausbaute. Durch Heirat ging Haus Voerde 1563 in den Besitz von Jürgen von Syberg über, der das lutherische Bekenntnis einführte, was nicht zuletzt auch zu den Beschädigungen des Hauses durch spanische Truppen 1596 führte. 1770 mit dem Tod des letzten Sybergs wurde das Konkursverfahren eingeleitet und der 30 Höfe umfassende Besitz von Haus Voerde wurde veräußert. In rascher Folge ging das Haus in den Besitz verschiedener Herren über, bis es 1809 an den Freiherrn von Wittenhorst-Sonsfeld auf Aspel verkauft wurde, der das Burghaus renovierte und den landwirtschaftlichen Besitz vergrößerte. Nach seinem Tod 1840 wurde es mehrfach verkauft, bis der Kreis Dinslaken 1941 Haus Voerde ohne Vorburg aber mit 23 Morgen Land erwarb. Seit 1950 ist die Stadt Voerde Eigentümerin der Burg. (E. Nieveler)

Bauentwicklung:

Das Burghaus auf der Hauptinsel enthält Bauteile des 14.-20 Jhs.. Zu den frühesten Bauresten gehören die Mauern des großen Saals im Erdgeschoss, die bis zur Traufzone erhalten sind und einen zweigeschossigen Bau mit schmalen Querstockfenstern auf hohem Kellergeschoss belegen. Nach den Zerstörungen von 1596 wurde das Burghaus auf den alten Mauern wiederaufgebaut. Der neue Bau stand frei und hatte Giebel an den Schmalseiten. 1668 wurde es umgestaltet in einen barocken Landsitz in seiner heutigen Form. Der Eckturm wurde um ein Halbgeschoss erhöht und mit geschweifter Haube versehen. Innendecken und Kellergewölbe wurden erneuert und an der Hofseite ein neuer Trakt mit Eckturm angebaut. Letzterer wurde bereits im 18. Jh. wieder abgebrochen. In die Zeit zwischen 1809 und 1840 fallen die Renovierungen durch Freiherr Wittenhost-Sonsfeld, der die Fenster auf ein einheitliches Format brachte und an der Hofseite die neue Fassade mit mittlerem Giebel und Freitreppe anlegte.
Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und längerem Leerstand richtete die Stadt Voerde einen großen Festsaal, das Standesamt und eine Gaststätte ein. 1957-66 und ab 1984 umfangreiche Renovierungs- und Unmgestaltungsarbeiten. (E. Nieveler)

Baubeschreibung:

Bei Haus Voerde, am Rand des gleichnamigen Ortes gelegen, handelt es sich um eine ehemals aus Vor- und Hauptburg bestehende Wasserburg. Erhalten blieb lediglich die Hauptburg. Es handelt sich um einen über hohem Sockelgeschoss errichteten zweigeschossigen Baukörper mit einem quadratischen Turm an der Nordostecke. Das weiß getünchte über rechteckigem Grundriss erbaute Herrenhaus wird zur Hofseite durch eine zweiläufige Freitreppe und einen drei Achsen breiten Dreieckgiebel betont. Der das Gebäude um ein Halbgeschoss überragende Eckturm trägt eine barocke Haube mit Laterne. (Jens Friedhoff)

Arch-Untersuchung/Funde:

2001 Begleitung der Überprüfung der Fundamentierung, die an zwei Stellen Pfahlgründungen nachwies (RAB, AS Xanten); 2009 Archäologische Baubegleitung (Fa. Ocklenburg Archäologie) im Bereich der ehem. Vorburg ohne Befund., als Denkmal eingetragen 1984. (Elke Nieveler)