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Kaiserberg

Geschichte:

Ursprünglich fiel die schnabelförmige Spitze des Kaiserberges, als "Schnabelhuk" bezeichnet, nach Norden zu bis auf das Niveau der Niederterrasse ab. Sie bildet überdies nur einen schmalen flachen Kamm von gerade einmal 7-10 Meter Breite, der kaum genügend Fläche für eine auch nur ganz bescheidene Nutzung liefert. Vor dieser Spitze befand sich noch ein umfangreicher hochwasserfreier Bereich, der Schwissenkamp, der von der Ruhr umflossen wurde(c). Die abfallende Spitze des Kaiserberges wurde aber schon 1846 für den Eisenbahnbau abgetragen und der Schwissenkamp ist heute überbaut. Ohne die Einbeziehung des Schwissenkamps in die Befestigung machen die Wälle auf dem Kaiserberg keinen rechten Sinn. Der an der steilen Ostseite noch auf einer Länge von über 200 Metern vorhandene Wall (A, B) und der ostwestlich verlaufende Abschnittswall (B) geben erst einen Sinn, wenn man die ursprüngliche Topographie berücksichtigt und den Abschnittswall bis hin zur ehemaligen Ruhr am Westfuß des Kaiserbergs verlängert und den Ostwall bis über die Spitze des Kaiserbergs und den Schwissenkamp bis zur Ruhr führt (D). So erhält man ein großes befestigtes und besonders von der Ruhr geschütztes Areal. Die Scherbe vom Kopf des Abschnittswalls aus dem späten 9. bis frühem 10. Jahrhundert zeigt, dass er schon in dieser Zeit vorhanden gewesen sein muss. Es liegt nahe, diese Anlage mit dem Winterlager dänischer Wikinger in Verbindung zu bringen, die 883/84 in Duisburg überwintert haben (Krause 2005a, S. 44). Um sie am Vordringen nach Osten über die Ruhr und den Hellweg zu hindern, wurde ihnen am Ruhrübergang des Hellwegs in Mülheim-Broich ein Heer entgegengestellt und der Übergang durch eine steinerne Burganlage gesichert. Das Winterlager der Wikinger konnte trotz umfangreicher Ausgrabungen in der Duisburger Altstadt und ihrer direkten Umgebung nicht gefunden werden. Alt-Duisburg muss aber durch den Wikingerüberfall verwüstet gewesen sein (Krause 2005a, S. 44-47. Spuren zahlreicher verbrannter Häuser und die Überreste von mindestens 14 Toten aus diesem Zerstörungshorizont, deren Knochen z. T. zerstreut waren, zeigen, dass Tote unbestattet herumgelegen haben müssen. Es verwundert außerdem, dass das Heer gegen die Wikinger in Duisburg nicht die strategisch wichtige Position auf dem Kaiserberg eingenommen hatte, Dies läßt nur vermuten, dass sie in der Hand der Wikinger war. Der von der Ruhr umflossene Schwissenkamp bot Schutz für hier an Land gezogene und winterfest gemachte Schiffe und für ein befestigtes Lager. Man musste nur die offene Flanke zum Kaiserberg hin besetzen und durch den Abschnittswall und den Wall an der Ostflanke des Berges sichern, von der aus man den Angriff des gegnerischen Heeres erwartete. Als Fluchtburg, wie der Kaiserberg gelegentlich in der Literatur bezeichnet wird, völlig ungeignet und auch viel zu weit (2,5km) von der Duisburger Altstadt entfernt. Der noch 2010 in der Veröffentlichung "BurgenAuffuhr" am Osthang vermutete Graben ist ebenso wie der Abschnittswall an der Waldstiege nicht existent Eine eingehende Begehung des Kaiserbergs mit Mitgliedern der Niederrhein. Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichtsforschung brachte dafür keinen Anhaltspunkt. Auch die Annahme, dass die Wallanlage auf dem Kaiserberg in ihrer Funktion zur Kontrolle des östlichen Vorgeländes der Pfalz und der Sicherung der Ruhraue vom 9.-11./12. Jahrhundert von einer Motte in Duissern abgelöst wurde, erscheint wenig plausibel. Diese Motte und vermutete Vorgänger kontrollierten den Ruhrübergang an der Kreuzung des Hellewegs mit der Nordsüdverbindung (C), was von der Spitze des Kaiserbers aus kaum möglich gewesen sein dürfte. (G. Krause)

Bauentwicklung:

Zur baulichen Entwicklung der Anlage sind keine gesicherten Angaben möglich.

Baubeschreibung:

Der ostwestlich verlaufende Abschnittswall mit südlich vorgelagertem Graben ist noch auf einer Länge von rund 150 m gut im abfallenden Gelände zu verfolgen. Er hat eine Breite bis zu 18 m, die Wallkrone ist bis zu 2,50m breit und die durchschnittlich erhaltene Höhe liegt bei etwa 1,5 m. Der südlich vorgelagerte Graben ist 8-10 m breit und noch bis zu 1,40 m tief erhalten. Der an der steilen Ostflanke des Berges auf einer Strecke von über 200 m erhaltene Wall hat im südlichen Teil noch eine Höhe von rund 3 m, eine größte Kronenbreite von etwa 3,80 m und eine Breite des Wallfußes von 12-15 m. Nördlich des Abschnittswalles ist er, bis auf eine Unterbrechung durch einen Weg noch auf einer Länge von 86 m erhalten, südlich des Abschnittswalles noch auf einer Länge von 132 m. Beide Wälle sind aus dem tonigen Untergrund (Septarienton) vermischt mit grobem Sand und Kies errichtet, die vor Ort anstehen. (G. Krause)

Arch-Untersuchung/Funde:

Auf dem Kopf des Abschnittswalls wurde 1980 eine Randscherbe gefunden, die zur Ware aus dem spätkarolingischen Töpferbezirk an der Ruhr in Duisburg gehören dürfte. Diese Ware gehört in die letzten beiden Jahrzehnte des 9. und in die 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts. (G. Krause)