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Linzenich bei Jülich

Geschichte:

Einen ersten indirekten Hinweis auf die Existenz eines Adelssitzes in Linzenich bietet die urkundliche Nennung des Loef von Linzenich im Jahr 1255. Ein weiteres Familienmitglied, Reinhard von Linzenich, beteiligt sich 1278 am Überfall des Grafen Wilhelm von Jülich auf die Stadt Aachen, bei dem der Graf von Jülich und einige seiner Gefolgsleute, u. a. Reinhard von Linzenich, erschlagen werden. Im Spätmittelalter finden wir Mitglieder der Familie von Linzenich als Inhaber der Burg Bourheim sowie Mitherren zu Gürzenich. Loef von Linzenich und seine Gattin Margarethe von Koslar treten 1351 als Stifter einer neuen Kapelle zu Linzenich in Erscheinung. 1392 verfügte Gottschalk von Harff über Rechte zu Linzenich und 1414 wird er gemeinsam mit seinem Bruder Johann als Herr zu Linzenich bezeichnet. Offenbar hatten im 14. Jahrhundert verschiedene Adelsfamilien Anteile an der Burg Linzenich. Im 15. Jahrhundert vereinfachte sich die recht komplizierte besitzrechtliche Situation. Haus Linzenich wird in der 1484 geschlossenen Eheberedung des Damian von Harff mit Katharina von Paland (gestorben 1535) genannt. Nach dem Tod Damians heiratete seine Witwe Katharina von Paland 1509 Johann von Hatzfeldt-Wildenburg (gestorben 1521). Das Ehepaar stiftete die Linie Hatzfeldt-Weisweiler, die später über umfangreichen Besitz im Raum Düren-Aachen (u.a. Weisweiler und Paland) verfügte. Linzenich wurde 1509 zum Witwensitz der Katharina von Paland bestimmt. Aus Hatzfeldt-Weisweiler`schem Besitz gelangte Linzenich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts an Adolf von Gymnich, der mit Anna von Hatzfeldt-Weisweiler vermählt war. 1606 erwarb Adam von Schwarzenberg den Adelssitz und 1646 wurde Linzenich an Johann Peter von Quentel und Thomas von Düssel veräußert. 1724 ging Linzenich in den Besitz des Franz Egon von Fürstenberg über, dessen Tochter 1731 den Rittersitz ihrem Ehemann Amadeus von Geyr zubrachte. 1836 fiel Linzenich schließlich an die Familie von Mylius, die das Anwesen noch heute bewohnt. (Gabriele Rustemeyer)

Bauentwicklung:

Die Anfänge der Wasserburg Haus Linzenich reichen bis ins Mittelalter zurück. Zu den ältesten noch erhaltenen Bauten gehört sehr wahrscheinlich der an der Rückfront des barocken Herrenhauses befindliche quadratische Wohnturm. Eine der ältesten zuverlässigen Ansichten des Schlosses bietet der wallonische Zeichner Renier Roidkin, der 1731 eine weitläufige Vorburg mit Torturm, einer Kapelle vor dem Adelssitz und das bescheidene zweigeschossige Herrenhaus mit dem Wohnturm abbildet. Durch die zweite Gattin des Amadeus von Geyr (gestorben 1749), Lucia von Herwegh, erfolgte 1751/52 ein tiefgreifender Umbau der Anlage. In der Vorburg entstand das Pächterhaus. Das ältere Burghaus wurde nach Westen verlängert, so dass der spätmittelalterliche Wohnturm nun in die Mittelachse der rückwärtigen Fassade des Herrenhauses rückte. Einen Hinweis auf die Baumaßnahmen bietet das über dem Hofportal des Herrenhauses befindliche Doppelwappen Geyr/Herwegh. Das steile Turmdach des Wohnturms wurde 1905 durch ein neobarockes Dach ersetzt, das sich dem Mansarddach des Herrenhauses anglich. Das Umfeld des Adelssitzes wurde 1836 in einen englischen Landschaftspark umgestaltet. Die Kapelle an der Schlosszufahrt erhielt 1880 neugotische Tür- und Fenstergewände. Nach der Kriegszerstörung im Zweiten Weltkrieg blieben das Herrenhaus und der Wohnturm Ruine, während die Familie von Mylius die Gebäude der Vorburg bewohnt. (Gabriele Rustemeyer)

Baubeschreibung:

Bei dem Adelssitz Haus Linzenich handelt es sich um eine ehemals zweiteilige, aus Vor- und Hauptburg bestehende Wasserburg, deren Gräben nur noch in Resten erhennbar sind. Die weitläufige Vorburg erstreckt sich von Südosten nach Nordwesten und bildet ein an der Nordecke offenes Rechteck. In der Nordostecke des Areals befindet sich die seit der Kriegszerstörung 1944 ruinöse Hauptburg. Es handelt sich um ein querrechteckiges Herrenhaus mit einem wohl ins Spätmittelatler zurückreichenden quadratischen Wohnturm an der Rückseite. Über einem hohen Untergeschoss erheben sich zwei Stockwerke. Die Hofseite des siebenachsigen, aus Backstein errichteten Herrenhauses wird durch einen Mittelrisalit betont. (Gabriele Rustemeyer)