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Wildenburg bei Reifferscheid

Geschichte:

Die Besitzgeschichte der Wildenburg in der Nordeifel ist eng mit der Geschichte der nahe gelegenen Burg Reifferscheid verknüpft. Ihre Gründung verdankt die Wildenburg einer Erbteilung des Hauses Reifferscheid, die wohl zwischen 1202 und 1235 stattfand. Philipp von Reifferscheid, der sich noch 1202 "von Reifferscheid" nannte, überließ die namengebende Stammburg seinem Bruder Gerhard und errichtete die Wildenburg. Die Burg selbst wird in den Schriftquellen erstmals 1263 erwähnt. In der Urkunde ist von einem "templum in Wildenburg" die Rede. So dass von der Existenz eines Gotteshauses in der Burg zu diesem Zeitpunkt auszugehen ist. Nach dem Ableben des Philipp von Wildenburg gelangten Burg und Herrschaft durch Tausch von Philipps Tochter Katharina und ihrem Gatten Oyst von Elsoo 1335 an den Grafen Wilhelm von Jülich. Die Burg wurde an verschiedene Familie als Lehen ausgegeben. Vor der Burg entstand eine Talsiedlung, die teilweise in das Befestigungssystem der Anlage eingebunden wurde. Ende der 1370er Jahre befand sich die Burg noch in der Verfügungsgewalt der Herren von Engelsdorf, die sie als Lehen innehatte. Die eheliche Verbindung der Alverada von Engelsdorf mit Werner von Paland (1393) bereitete den Weg für den Übergang der Herrschaft Wildenburg an die von Paland. In der Folgezeit finden wir die von Paland uan ddie mit ihnen verschwägerten Familien von Rollingen, von Warsberg und von Schwarzenberg im Besitz von Burg und Herrschaft Wildenburg.
1706 gelangten Burg und Herrschaft an Friedrich von Schaesberg, der die Burg schließlich 1715 an das unweit entfernt gelegene Prämonstratenserkloster Steinfeld veräußerte. Der Orden wandelte die Burg in eine Kellerei um. Nach der Säkularisation fällt die Burg, in deren Wohnbau sich seit dem frühen 18. Jahrhundert eine Kirche befand, an die Pfarrgemeinde. Nach wechselvoller Nutzungsgeschichte beherbergt die Burg zeitweise ein Jugendheim bzw. eine Tagungsstätte der bischöflichen Akademie des Bistums Aachen (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Eine fundierte bauliche Untersuchung der relativ gut erhaltenen Burg steht noch aus. Die geschichtlichen Anfänge der Wildenburg reichen bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Als status quo ante der Burggründung durch Philipp von Reifferscheid ist das Jahr 1235 anzusetzen. Zum mittelalterlichen Baubestand gehören Teile des als Kirche genutzten Wohnbaues mit einem kleinen Flankenturm und einem stattlichen Wohnturm, der sich durch seinen hufeisenförmigen Grundriss auszeichnet. An der Stelle des nach 1717 errichteten barocken Prioratsgebäudes an der rückwärtigen Front des schmalen Innenhofes befand sich - wie die Zeichnungen des wallonischen Künstlers Renier Roidkin belegen - ursprünglich ein stattlicher quadratischer Wohnturm mit welscher Haube. 1717 erfolgte der Einbau einer Kirche in den oben erwähnten mittelalterlichen Wohnbau. Ferner gehört zum Baubestand ein Fachwerkbau, der in die Zeit vor 1600 datiert. Die Südwestecke der Kernburg nimmt ein imposanter Geschützturm ein, der in der Literatur gelegentlich als Hexenturm bezeichnet wird. Der Bau, der einige Schießscharten für Feuerwaffen aufweist, wird in die Zeit nach 1500 zu setzen sein. In der Barockzeit erhielt er ein Mansarddach. Eine grundlegende Instandsetzung erfuhr die Wildenburg 1905 bis 1911 sowie eine weitere Restaurierung 1958. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Die Wildenburg zählt ungeachtet ihrer zu Beginn des 18. Jahrhunderts erfolgten Umgestaltung zu einer Kellerei dre Abtei Steinfeld zu den wenigen gut erhaltenen Höhenburgen im Kreis Euskirchen. Als Bauplatz wählten die Herren von Reifferscheid die Spitze eines lang gezogenen Bergsporns, der von dem Manscheider Bach umflossen wird. Die lang gestreckte Anlage umfasst als vordere Verteidigungslinie eine ehemalige Talsieldung, der eine Vorburg und schließlich die Hauptburg folgt. Erhalten blieben Teile der ehemaligen Vorburg. Der an die Wehrmauer angrenzende Nordflügel wurde im 19. und frühen 20. Jahrhundert umgestaltet. Ein wenig erhöht liegt der Hof der Kernburg. Die Hauptburg umfasst mehrere Gebäude. Die Südwestecke nimmt der runde Hexenturm ein. Es handelt sich um einen nachmittelalterlichen Geschützturm, der wohl in das frühe 16. Jahrhundert datiert und vier gekuppelte Gewölbe aufweist. Das Mansarddach ist eine Zutat des 18. Jahrhunderts. Besondere Aufmerksamkeit verdient das Kellerverlies des Turmes. An baulichen Details weist derr Turm Schießkammern, Abortanlagen, Sitznischen und eine Kaminanlage auf.
Bei de so genannten Johanneskirche, einem querrechteckigen mehrgeschossigen Baukörper an der Ostseite der Hauptburg handelt es sich um einen mittelalterlichen Wohnbau (Palas), der 1717 in eine Kirche umgewandetl wurde. Im Obergeschoss dieses Gebäudes befand isch die 1263 nachweisbare Burgkapelle, die noch in Resten erkennbar ist. Nach Osten wird der verputzte Baukörper mit Walmdach von zwei Türmen flankiert. Die Südostseite nimmt ein schmaler Rundturm mit Kegeldach ein, der noch geringe Reste von Malerei im Innenraum aufweist. Imposanter ist der mächtige über hufeisenförmigem Grundriss aufgeführte Turm an der Nordostecke (Johannesturm). Die Fassade des mit Kaminen versehenen und wohl als Wohnturm anzusprechenden Turmes wird sehr sparsam durch einige spätgotische Fenster mit Maßwerk gegliedert. Der bedeutendste Bau der Kernburg fiel zu Beginn des 18. Jahrhunderts dem Neubau des Kellereigebäudes an der Westseite zum Opfer. Auf den Zeichnungen von Renier Roidkin ist deutlich ein monumentaler quadratischer Wohnturm mit welscher Haube erkennbar, dessen Platz heute der schmucklose Kellereibau einnimmt. Abgesehen von der bereits erwähnten 1263 nachweisbaren Burgkapelle verfügte die Wildenburg über einen weiteren Sakralbau im Bereich der Vorburg, der u. a. auf der Zeichnung von Renier Roidkin noch erkennbar ist. Der Nordflügel der Vorburg wurde zwischen 1793 und 1806 nach Abriss von zwei Häusern sowie der nicht benötigten Kapelle aufgeführt. (Jens Friedhoff)