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Vellbrüggen

Geschichte:

Schon im 13. Jahrhundert wird Vellbrüggen erwähnt. Im 14. Jahrhundert kommt es in den Besitz der Herren von Aldenbrüggen, die sich dann zunächst zusätzlich, später ausschließlich "Velmercken" bzw. Vellbrüggen nennen. 1520 geht das Haus an den Amtmann Johan Quad zu Erprath, 1602 ist es an Robert von Harff zu Geilenkirchen für 16.000 Reichstaler verkauft worden. 1831 wird Regierungsrat von Harxthausen Eigentümer. Vellbrüggen wird als Rittersitz bezeichnet. Mitte des 19. Jahrhunderts. ist eine Familie Wiersberg Eigentümerin, auf die 1873 Johan Michael Zillikens, 1907 der Fabrikant Bauer aus Neuss und 1913 die Familie von Waldthausen folgen. Seit 1988 dient Vellbrüggen als Wohnanlage und verschiedenen Firmen als Sitz. (Karin Striewe)

Bauentwicklung:

Auf der Tranchot-Karte erscheint Vellbrüggen als vierseitige Anlage mit einem zusätzlichen kleineren nördlich ansetzenden Flügel, die von einem viereckigem Wassergraben umgeben ist. Der Zugang erfolgte über eine Erdbrücke in der nordöstlichen Ecke. Somit entspricht es den im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit errichteten Hofesfesten. Dieser könnte jedoch eine zweiteilige Anlage vom Typ "Motte" vorangegangen sein, denn ein kleiner abzweigender Teilgraben könnte auf eine ehemalige Zweiteiligkeit hinweisen. Außerdem ergaben die archäologischen Untersuchungen (s.d.) eine mächtige Mauer des 13. Jahrhunderts sowie Mauerreste des 14./15. Jahrhunderts. Wroblewski und A. Wemmers (s. Literatur) weisen zudem darauf hin, dass Zweiteiligkeit Vorraussetzung war für einen landtagsfähigen Rittersitz wie Vellbrüggen.
Ältester obertägiger Bauteil ist der viergeschossige Wohnturm in der Mitte des Südflügels, der ein schiefergedecktes Mansarddach aus dem 17. Jahrhundert mit achtseitigem Türmchen und Laterne trägt. Der Turm ist aus Ziegeln im 14./15. Jahrhundert über einen tonnengewölbten Keller gebaut und weist einen spätgotischen Kamin im 2. Obergeschoss auf. Die schräge Ostwand des rechteckigen Turmes steht nicht im Verband mit den übrigen Seiten des Turmes . Sie weist im 2. Obergeschoss noch Vermauerungen auf, die auf die ehemaligen anschließenden Bauteile hinweisen. Diese wurden zu unbekannter Zeit abgerissen. Auf einer Lithografie von Alexander Duncker aus den Jahren 1871/73 sind noch Reste von östlich an den Turm anstoßendem Mauerwerk zu sehen. Diese wurde bei Umbauarbeiten der 1990er Jahre entfernt.
Im 17. Jahrhundert wurden die beiden heute noch bestehenden zweigeschossigen ziegelgedeckten Flügel an den Turm angebaut, deren Außenwand drei vermauerte Schießscharten aufweist. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Anlage mit zwei weiteren zweigeschossigen Flügeln und einem eingeschossigen Wirtschaftstrakt im Nordosten zu einem Vierflügelbau ausgebaut und erhielt im Südwesten eine Tordurchfahrt mit einem Treppengiebel und einem Korbbogengewölbe, deren Schlussstein in das Jahr 1895 datiert. 1911 wurden die nordöstlichen Stallgebäude angebaut und der Graben dort zugeschüttet. Der nordöstliche Wirtschaftstrakt wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Im Zuge der Umnutzung zu Wohn- und Geschäftszwecken erfolgten ab 1988 umfangreiche Umbauarbeiten, die die alte Bausubstanz jedoch wenig beeinträchtigten und auch die Vierflügeligkeit der Anlage wiederherstellten. (Karin Striewe)

Baubeschreibung:

Auch heute ist die Hofanlage auf fast allen Seiten von einem Graben umgeben, lediglich der nordöstliche Grabenteil ist zugeschüttet. Von dort betritt man den Komplex heute. An den vierflügeligen Hof stößt im Nordosten L-förmig der umgebaute Trakt. Der heute Wohnzwecken dienende vierseitige Hof wird im Südwesten durch das Tor des 19. Jahrhunderts betreten und besteht aus den zweigeschossigen Südwest- und Nordwestfügeln des 19. Jahrhunderts. Die Südostseite wird von dem hohen Wohnturm des 14./15. Jahrhunderts mit den beiden anschließenden zweigeschossigen Backsteinflügeln des 17. Jahrhunderts gebildet. An den Wohnturm ist heute feldseitig eine große und hohe stufenförmige Terrasse angebaut. Die Nordostseite des Hofes besteht aus einem Neubau der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Dächer weisen nach Umbauten heute sehr viele Dachgauben und -fenster auf. (Karin Striewe)

Arch-Untersuchung/Funde:

Bei einer archäologischen Untersuchung im Jahr 1997 anlässlich der Errichtung einer Wohnbebauung wurde die ehemalige Scheune im nordöstlichen Trakt untersucht. Es kamen Ziegelmauerreste des 19. und des 18. Jahrhunderts zutage, aber auch Reste von Mauern aus Feldbrandziegeln und Tuffen aus dem 14./15. Jh. sowie als ältester Baurest ein an den Innenhof grenzendes ca. 1m starkes Mauerteilstück aus Trachyten und Tuffen in Mörtelbindung, das wahrscheinlich aus dem 13. Jh. stammt. (Karin Striewe)