EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Meer

Geschichte:

Das "castrum Mere" ist ab dem 12. Jahrhundert belegt. Schon 1164 wird eine Kapelle erwähnt. Die Grafen von Meer waren im Jahr 1166 im männlichen Stamm ausgestorben. Die Gräfin Hildegunde von Mere stiftete deshalb ihren Besitz dem Kölner Erzbistum und gründete auf dem castrum Mere ein Kloster. Die Erlaubnis dazu erhielt sie 1166 in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Rainald von Dassel. Ab 1169 werden Bewohner einer klösterlichen curtis sowie Bewohner einer Turren genannten Siedlung genannt, die in Streitigkeiten um die Nutzung des gemeinsamen Waldes verwickelten waren. Diese wurden erst beigelegt, nachdem der Wald zwischen ihnen aufgeteilt wurde.
Nur wenig später, bis in die 80er Jahre des 12. Jahrhunderts, werden Kirche und Klostergebäude von Haus Meer auf der Niederterrasse errichtet. Die Motte wird Anfang des 13. Jahrhunderts aufgegeben. Das Prämonstratenserinnen-Kloster bestand bis zur Säkularisation 1802. Danach wurde es von der Familie von der Leyen gekauft und zum Schloss umgebaut. Den weiträumigen Landschaftsgarten des Schlosses gestaltete Joseph Clemens Weyhe. Die Klostergebäude wurden zum großen Teil abgerissen. Bis 1960 bleibt es im Besitz der Familie von der Leyen, danach wechseln die Besitzer. (Karin Striewe)

Bauentwicklung:

Über die Bauentwicklung sind wir ausschließlich durch die überaus ergiebigen archäologischen Ausgrabungen informiert.
Die älteste Periode (9. Jahrhundert) ist nur durch Funde überliefert, die Befunde müssen in den Schlamm des Rheinaltarms gedrückt worden sein. Sie muss nach dem Anfang der nachfolgenden Phase vor 1001 datieren.
Während der in zwei Phasen teilbaren Periode A weist die immer noch flache Siedlung eine planmäßige Anlage aus zweimal drei einander gegenüberliegenden Holzhäusern in Stabbauweise auf. Die Häuser hatten Größen zwischen ca. 22 und 53 qm. Je zwei Häuser auf jeder Seite waren durch einen Mittelschwellbalken geteilt, ein weiteres wies an den Seiten zwei abgeteilte Seitengänge sowie einen Herd auf. Vielfältige Holzreste erlauben die detaillierte Rekonstruktion der Bauweise. Die Funde belegen eine soziale Differenzierung der Bewohner der Häuser in Waffenträger, d. h. Adlige, mit gehobenem Lebensstil und Handwerker, von denen Zimmerleute, Lederverarbeiter, Bleigießer, Bootsbauer und Fischer belegt sind. Die Siedlung war von einem fast quadratischen, flachen, muldenförmigen Graben von 4-6 m Breite mit abgerundeten Ecken umgeben. Über diesen führte im östlichen Bereich eine kleine Brücke zur Insel Issel, die im Kern aus drei zweitverwendeten Booten bestand. Zusätzlich war sie im jüngeren Abschnitt der Periode A durch eine von zwei Palisadenreihen verstärkte Holz-Erde-Mauer geschützt. Die Periode A begann nach dendrochronologischen Daten im Jahr 1001. Ihr Ende fand sie in einem Feuer, das alle nicht im Wasser stehenden Bauteile über 60 cm Höhe zerstörte. Über einer Planierschicht wurde in der folgenden Periode B die Kernmotte angelegt. Dazu wurden der Bereich der bisherigen Siedlung durch Kies- und Lehmpackungen zu einem Mottenhügel und im 12. Jahrhundert eine Vorburg im Nordosten der Burg angeschüttet. Für die Vorburg konnte kein regelrechter Graben nachgewiesen werden, wohl aber eine steile Böschung der Anschüttung. Von ihrer wohl dichten Bebauung sind nur indirekte Reste erhalten. Es ist damit zu rechnen, dass sich gewerbliche und handwerkliche Aktivitäten von der durch die Erhöhung verkleinerten Hauptburg in die Vorburg verlagerten. Das Hauptburgareal wurde mit zwei gleichartigen langovalen Palisadenringen versehen, die ungefähr den Raum der vorherigen Häuserreihen einnahmen. Dies ist eine einzigartige Entwicklung und kann aufgrund der archäologischen Befunde nicht erklärt werden. Nahe liegt es allerdings, hierin die Manifestation der schriftlich überlieferten Zweiteilung der Waldnutzung zwischen Kloster und curtis zu sehen. Im letzten Abschnitt der Periode B wurde der Graben zwischen Hauptburg und Vorburg zugeschüttet, u. a. mit einem wohl nicht mehr funktionstüchtigen Boot. Ab der Periode B erhielt die Hauptburg auch festen Anschluss an die Niederterrasse über eine 6 m breite Holzpackung, die zwei Wagen Platz bot und eine anschließende Holzbrücke. Auch die Anlage der Periode B brannte ab. Es folgte eine weitere Bauperiode C, deren Reste jedoch aberodiert waren. Die letzte Periode endete mit der Aufgabe der Burg um das Jahr 1230, wie die Datierung der archäologischen Funde belegt.
Aus der Quelle von 1166 geht hervor, dass das Kloster am Platz des castrums, das mit der Niederungsburg identifiziert werden kann, gegründet wird. Erst später im 12. Jahrhundert wird das Klostergebäude Haus Meer nahebei auf der Niederterrasse errichtet. Im 19. Jahrhundert wurden die noch bestehenden Klosterreste zum Schloss Haus Meer umgebaut, das in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in weiten Teilen dem Verfall preisgegeben wurde. Kirche und Kreuzgang wurden von H. Borger ausgegraben und dürfen nicht mit der Niederungsburg Meerbusch verwechselt werden. (Karin Striewe)

Baubeschreibung:

Durch die Ausgrabung ist die Niederungsburg vollständig abgetragen worden. Vor 1962 befand sich in dem alten Rheinbett eine nur ca. 1 m hohe zweigeteilte Erhebung, deren Hauptplateau ca. 50 x 40 m, der westliche anschließende, etwas niedrigere Annex ca. 20 m lang war (Diese Maße sind Grundlage für die Flächenangabe oben). Der Platz war als "Burgplatz" bekannt. (Karin Striewe)

Arch-Untersuchung/Funde:

Die Niederungsburg ist fast vollständig untersucht worden zwischen den Jahren 1962 und 1972. Es fanden sich außer Keramik- und Metallfunden im Feuchtboden in außerordentlich guter Erhaltung bedeutende Holzreste der Häuser und der Befestigung sowie Pflanzenreste, die Einblick in Ernährung und Wirtschaftsweise der Bewohner ermöglichen. Meererbusch bietet den " mit Abstand größten paläo-ethno-botanischen Fundkomplex des Mittelalters" (K-H. Knörzer, zit. Nach Janssen/Janssen, Niederungsburg (1999), S. 7)
Nicht zu verwechseln sind die archäologischen Ausgrabungen durch Hugo Borger im Kloster- und Schlossgelände von Haus Meer.