EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Grevenbroich

Geschichte:

Um das Jahr 1000 wurde nach urkundlichen Erwähnungen die Burg von den Grafen von Kessel im Erftbruch, der der Burg den zweiten Namensteil gab, erbaut.
Wann die Grafen von Kessel die Burg zu Grevenbroich gegründet haben, lässt sich auf der Grundlage der bisher bekannten urkundlichen Überlieferung nicht mit letzter Sicherheit sagen. Mit ziemlicher Sicherheit handelt es sich um eine hochmittelalterliche Gründung. In den Schriftquellen ist von der Burg, dem "castrum" erstmals 1273 die Rede. In diesem Jahr versetzen die Grafen von Kessel die Burg "castrum in Bruche" mit einem Hof, Mühle, Wiesen, Gericht und Zoll an den Kölner Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg. 1286 begegnet als Inhaber der von Köln zu Lehen gehenden Burg Dietrich Luf von Kleve. Die strategisch bedeutsame Anlage war zwischen dem Erzstift Köln und den Grafen von Jülich umstritten. 1291 war die Burg Gegenstand eines Schiedsspruchs zwischen Erzbischof Siegfried von Westerburg und dem Grafen Walram von Jülich. 1307 wurden die Burg und der Ort, der schließlich 1349 Stadtrechte erhielt, endgültig den Grafen von Jülich zugesprochen. Die Burg diente als Sitz eines jülichschen Amtmanns, bildete den administrativen Mittelpunkt des Verwaltungsbezirks Grevenbroich und fungierte im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit gelegentlich als Tagungsort des Landtags der jülichschen Ständeversammlung. (Jens Friedhoff)
Nach B. Janssen u. W. Janssen übernimmt sie die Funktion einer gegen Kurköln gerichteten Landesburg. 1609, nach dem Tod des letzten Herzogs von Jülich-Kleve-Berg, kam dessen Besitz in die Hände des Hauses Pfalz-Neuburg. Nach der Auflösung des Amtes Grevenbroich wurde das Schloss verkauft und verfiel zunehmend. Ab dem Jahr 1955 wurde es wieder instandgesetzt und mit mehreren Anbauten versehen. Heute ist es in städtischem Besitz und wird als Veranstaltungsort und Restaurant genutzt(Karin Striewe).

Bauentwicklung:

Das Gelände des Schlosses Grevenbroich ist leicht über der Erftniederung erhöht. Beim Neubau von Nebengebäuden am Schloss in den 1950er Jahren kamen ältere Baureste zutage, die auf eine rundliche Umfassungsmauer und den umfassenden Graben einer frühen Burg schließen lassen. Die Tranchot-Karte und die Urkatasterkarte von 1810 zeigen umfangreiche, z. T. doppelte Grabenanlagen rund um das Schloss, das als Hauptburg aufgefasst werden kann, sowie ein von einem Graben abgetrenntes, zur Stadt hin von der Erft begrenztes Gelände, das als Vorburg aufgefasst werden kann. Der heute noch erhaltene Palas mit angebautem Treppenturm stammt vom Neubau der Burg im 15. Jahrhundert, über den nur wenig bekannt ist, an dem aber Maximilian und Johann von Pasqualini beteiligt gewesen sein sollen. Die unregelmäßigen Baufluchten und Spuren von Anbauten verweisen aber darauf, dass der Neubau auf älteren rundlichen Vorgängerbauten stattfand. Einen Eindruck mag eine Skizze aus dem Jahr 1771 vermitteln, die randlich in einer hufeisenförmigen Grabenanlage den Palas mit heute nicht mehr vorhandenem Nordflügel zeigt, von dem wohl bis 1958 noch Reste sichtbar waren. Die Skizze zeigt außerdem zwei einzeln stehende Gebäude im westlichen, zur Stadt gelegenen Teil, wo auch ein Garten dargestellt ist. Beobachtet wurden Mauerfundamente bei der Errichtung der Anbauten, aus denen auf eine auf ovalem Grundriss erbaute Burg geschlossen wird. Von der Vorburg sind ebenfalls nur geringe Baureste erhalten: das aus dem Jahr 1724 stammende Wirtschaftsgebäude, das sogenannte "Haus Hartmann" und ein kleiner Torbau mit rundbogiger Durchfahrt und Fachwerkobergeschoss. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Nordflügel neu angebaut. 1988 kamen dann bei baubegleitenden archäologischen Untersuchungen Reste von unterschiedlichen Feldbrandziegelmauern zutage, die zum Teil einer schlossseitigen Grabenmauer zugeordnet werden können. In neuer Zeit wurde das umliegende Gelände mit einem Sportplatz und einem Hallenbad bebaut. (Karin Striewe)

Baubeschreibung:

Der aus dem 15. Jahrhundert stammende Südflügel der Anlage aus Backstein mit schiefergedecktem Satteldach und Dreiecksgiebel zeigt einen rechteckigen Grundriss mit abweichenden Schmalseiten. Die nordwestliche Seite verläuft schräg wohl in Richtung älterer Baufluchten, dort ist eine alte Treppe in die Giebelseite eingebaut. Zur Hofseite ist ein jüngerer quadratischer Treppenturm mit Pyramiddach angesetzt. Auch die andere Giebelseite ist teilweise abgeschrägt. Ein Spitzbogenfries auf Hausteinkonsolen unterhalb des Dachansatzes und die Kreuzstockfenster sind aus alter Zeit erhalten. Der zweigeschossige Innenraum des 37,40 m mal 10,45 m großen Gebäudes war in zwei mal zwei etwa gleich große Räume geteilt, die heute zum Teil zum Rittersaal zusammengefasst sind. Der Keller hat ein Tonnengewölbe.
Ältere, der ehemaligen Vorburg zuzuordnende Bauteile sind das zweigeschossige siebenachsige Backsteingebäude "Haus Hartmann", dessen Maueranker die Jahreszahl 1724 zeigen, und das anschließende Torgebäude mit tonnengewölbter Backsteindurchfahrt und im 20. Jahrhundert nach altem Vorbild erneuertem Fachwerkobergeschoss. Die übrigen Bauten sind ebenfalls neueren oder neuesten Datums. (Karin Striewe)

Arch-Untersuchung/Funde:

Baubegleitende archäologische Untersuchungen fanden im Jahr 1988 statt. Es wurden Feldbrandziegelmauerreste gefunden, die sich zum Teil einer schlossseitigen Grabenmauer zuordnen lassen, zum Teil von noch unbekannten Gebäuden stammen. Auch bei Bauarbeiten in den 1950er Jahren wurden Baureste beobachtet (vgl. Bauentwicklung).