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Rochsburg

Geschichte:

Die Anfänge der auf einem steilen Bergsporn über dem Tal der Zwickauer Mulde angelegten Rochsburg reichen sehr wahrscheinlich bis in die 1160er oder 1170er Jahre zurück. Als Initiatoren der Burggründung kommen die edelfreien Herren von Rochsburg in Betracht, die in der urkundlichen Überlieferung erstmals 1190 mit Gunther von Rochsburg erwähnt werden. Vermutlich erlosch die Familie bereits in den 1220er Jahren. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts lassen sich die Burggrafen von Altenburg als Inhaber von Burg und Herrschaft Rochsburg nachweisen. 1296 urkundete Burggraf Dietrich II. von Altenburg in seiner Burg Rochsburg ("in castro nostro Rochsburg"). Mit dem Aussterben der Burggrafen und der Auflösung des Reichslandes Pleißen gelangte Rochsburg 1329 an die Burggrafen von Leisnig, die allerdings die Oberlehnshoheit der Markgrafen von Meißen akzeptieren mussten. 1448 erwarb Heinrich von Gera Burg und Herrschaft Rochsburg und 1458 konnte Kurfürst Friedrich von Sachsen die Anlage in seinen Besitz bringen. Als Inhaber des Lehens folgen die Grafen von Honstein (1467-1469) und schließlich der Obermarschall Hugold von Schleinitz, der umfangreiche bauliche Veränderungen an der Burg vornehmen ließ. Nach 1485 bildete die Burg den Mittelpunkt eines herzoglichen Amtes. 1503 wurde die Burg durch einen Brand stark beschädigt. Als neuer Besitzer folgte zu Beginn des 16. Jahrhunderts der herzogliche Rat Gotz von Ende, der 1548 schließlich von den Herren von Schönburg abgelöst wurde, die bis 1945 die Rochsburg besaßen. Unter der Familie von Ende wurde die Anlage 1547 im Zuge des Schmalkaldischen Krieges beschädigt und geplündert. Dem großzügigen Wiederaufbau folgte 1582 eine abermalige Teilzerstörung durch einen Brand und eine erneute Wiederherstellung 1592 bis 1596. Die seit dem 12. Jahrhundert in Sachsen nachweisbare Familie von Schönburg, deren namengebende Stammburg an der Saale unweit von Naumburg (Sachsen-Anhalt) liegt, zählte zu den bedeutendendsten Adelsgeschlechtern Sachsens. 1556 nahmen die drei Brüder Georg I., Hugo I. und Wolf II. eine Erbteilung ihres umfangreichen sächsischen Besitzes vor. Georg I. erhielt Glauchau. Der von ihm begründete Familienzweig erlosch bereits 1610. Hugo I. wurden die Burgen und Herrschaften Waldenburg, Lichtenstein und Hartenstein zugesprochen. Aus der von ihm gestifteten Hauptlinie Schönburg-Waldenburg gingen die noch heute betehenden fürstlichen Familienzweige Schönburg-Waldenburg und Schönburg-Hartenstein hervor. Wolf II., der jüngste der drei Brüder, erhielt die Herrschaften Penig, Rochsburg und Wechselburg. Er begründete die Linie Schönburg-Penig, die später in Schönburg-Glauchau umbenannt wurde, nachdem sein Sohn Wolf III. im Erbfall die Herrschaft Glauchau erhalten hatte. Seit 1911 diente die Rochsburg zur Unterbringung eines Museums und einer Jugendherberge. Bis heute ist die imposante Burg- bzw. Schlossanlage als Museum zugänglich. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Wie zahlreiche noch erhaltene und in nachmittelalterlicher Zeit zu Schlössern um- und ausgebaute Burgen weist auch die Rochsburg eine komplizierte Baugeschichte auf, die in Grundzügen durch bau- und kunsthistorische Beobachtungen sowie die z.T. bearbeiteten Schriftquellen geklärt werden konnte. Dem ältesten, wohl in das ausgehende 12. bzw. beginnende 13. Jahrhundert datierenden Baubestand gehören insbesondere Teile der kompakten Kernburg an. Hochmittelalterlichen Ursprungs sind u. a. der runde Bergfried, der als Frontturm, hinter der Ringmauer stehend, die Angriffsseite deckte, und Teile der Ringmauer, die in den Außenwänden des Nord- und Ostflügels erhalten blieben. Zu den bedeutenden Baubefunden des Nordflügels zählen u. a. die noch sichtbaren spätromanischen Fensterarkaden. Wichtige Aufschlüsse über den Baubestand des 15. Jahrhunderts bieten die z.T. erhaltenen Baurechnungen der 1470er und frühen 1480er Jahre, in denen u. a. Arbeiten an der Burgküche sowie in der Kapelle im Ostflügel, der Westflügel und die alte Kemenate erwähnt werden. Bei der "alten Kemenate" handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um jene Kemenate, die bereits 1433 genannt wird. Mit ziemlicher Sicherheit ist diese Kemenate mit dem mittelalterlichen Wohnturm an der Südostecke der Kernburg identisch, der über einem rechteckigen Grundriss von 16 x 13 m aufgeführt wurde. Hinweise auf bauliche Aktivitäten im Bereich der weitläufigen Vorburg mit Torbau und Zugbrücke bietet eine Baurechnung aus dem Jahr 1482. Der so genannte Pulverturm in der Nordwestecke der Vorburg datiert ebenfalls sind die Zeit zwischen 1470 und 1480, wie die spätgotischen Fenstergewände aus Rochlsburger Porphyr nahelegen. Seinen obern Abschluss erhielt der Pulverturm jedoch erst um 1550. Nachdem der obere Teil des Turmes 1948 abgetragen werden musste erfolgte 1951 eine Rekonstruktion. Entscheidenden Einfluss auf den großzügigen Umbau der Anlage zwischen 1470 und 1482 hatte der Baumeister Arnold von Westfalen, der etwa zur gleichen Zeit an der Burg Kriebstein tätig war. Der 42 m hohe runde Bergfried, der in den Ostflügel integriert wurde, erhielt 1620 zwei weitere Obergeschosse und seine markante geschwungene Haube. Im Zuge dieser Baumaßnahme entstand ebenfalls 1620 vor der Fassade des Nordflügels der quadratische Nordwestturm. Wenige Jahre später, 1623, wurde der Rundturm am äußeren Tor mit einem Kegeldach ausgestattet, wie eine aus dem Turmknopf geborgene Urkunde belegt. Grundsätzlich wird man davon ausgehen können, dass insbesondere die Brandbeschädigungen des 16. Jahrhunderts (1503, 1547 und 1582) bauliche Veränderungen bedingten. Einzelformen (Fenstergewände etc.) belegen insbesondere Baumaßnahmen in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Wolf II. ließ die Rochsburg bis 1553 instandsetzen. Aus dieser Zeit stammt der nach Ausweis einer Baurechnung 1552/53 aufgeführte Wendelstein, der im Winkel zwischen Ost- und Südtrakt liegt. Die ältere Vierflügelanlage des ausgehenden 15. Jahrhunderts mit unterschiedlichen Gebäuden mit einer bewegten Dachlandschaft wurde unter Wolfs gleichnamigem Nachfolger 1592-1596 unter Beibehaltung der vorgegebenen Formen auf eine einheitliche Traufhöhe gebracht. Weitere kleinere Eingriffe, die sich insbesondere auf das Raumprogramm konzentrierten, lassen sich für das 17. und 18. Jahrhundert nachweisen. Der große Saal im Obergeschoss des Nordflügels wurde z.B. um 1800 unterteilt. Nördlich unterhalb der Burg ließ Wolf II. von Schönburg in den 1570er Jahren ein zweigeschossiges rundes Lusthäuschen errichten. Der Dachstuhl des Pavillons wurde nach dendrochronologischen Untersuchungen 1574 errichtet. Die Umbauten in nachmittelalterlicher Zeit beschränkten sich nicht nur auf die Wohnbauten sondern erstreckten sich auch auf die Befestigungsanlagen. Die als "Rondell" bezeichnete Befestigungsanlage jenseits des Halsgrabens, bestehend aus zwei mit Schießscharten versehenen ovalen Mauerzügen, dürfte dem 17. Jahrhundert angehören. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Die imposante Schlossanlage der Rochsburg liegt auf einem ca. 50 m ins Tal der Zwickauer Mulde abfallenden Bergsporn, der lediglich durch den noch gut erhaltenen Halsgraben im Osten von dem ansteigenden Gelände mit der Siedlung Rochsburg abgeteilt wird. Deutlich erkennbar ist die Teilung der Höhenburg in eine auf dem höchsten Punkt des Sporns gelegene Hauptburg und die auf einer niedrigeren Geländestufe im Westen und Süden gelegene Vorburg. Man betritt die Burg durch eine vor dem Halsgraben gelegene Befestigungsanlage, das so genannte Rondell. Den eigentlichen Zugang zum Nordzwinger gewährt ein rundbogiges Tor mit einer rechteckigen Zugbrückenblende, das von einem schmalen Rundturm mit hölzerner Galerie und barocker Haube seitlich überragt wird. Ein weiteres Tor im Nordflügel der Vorburg mit Durchfahrt gewährt Zugang zum eigentlichen Vorburghof, der von dem Nord- und dem im spitzen Winkel sich anschließenden Südflügel flaniert wird. An der Nordwestecke befindet sich der hoch aufragende Pulverturm. Die unteren Geschosse datieren noch in die Spätgotik (Ende 15. Jh.), während der Turmabschluss 1550 entstanden ist. Spätmittelalterlichen Ursprungs ist der Südzwinger mit zwei mit Schießscharten versehenen Schalentürmen, der an der Südostecke in einer Bastion des 17. Jahrhunderts endet.
Eine Brücke führt über den Vor- und Hauptburg trennenden Graben zum inneren Burgtor, dessen gewölbte Durchfahrt in den Schlosshof der Kernburg überleitet. Inmitten des Schlosshofs befindet sich der 53 m tiefe Burgbrunnen mit einem Brunnenhaus. Bei der Kernburg, handelt es sich um einen Vierflügelbau über unregelmäßigem Grundriss. Die zum Teil stumpfwinklig geführte Außenwand ist in weiten Teilen mit der mittelalterlichen Ringmauer identisch und ihre Führung wurde durch die Topographie des Burggeländes bedingt. An der Ostseite befindet sich, in den spätmittelaterlichen Flügel integriert der imposante 43 m hohe runde Bergfried, der als Frontturm zu klassifizieren ist, der hinter der Ringmauer errichtet wurde. Bei den oberen beiden Geschossen und der geschweiften Habe handelt es sich um eine Zutat des Jahres 1620. Der mittelalterliche Hocheingang befand sich in einer Höhe von ca. 10 m über dem Hofniveau. Am Nordflügel haben sich Reste einer spätromanischen Fenstergruppe erhalten, die Rückschlüsse auf ein dort befindliches herrschaftliches Wohngebäude (Palas oder Saalbau?) erlauben. Die Südostecke der Hauptburg nimmt ein 16 x 13 m großer Wohnturm ein, der sehr wahrscheinlich mit der bereits 1433 erwähnten Kemenate identisch ist. Zwischen Bergfried und Wohnturm liegt die spätgotische Burgkapelle St. Anna. Über dem einfachen Westportal befindet sich ein dreibahniges Maßwerkfenster. Den schmalen sehr hohen Innenraum der Kapelle schließt ein bemerkenswertes Netzgewölbe ab, das Caspar Kraft zugeschrieben wird und das in das Jahr 1523 datiert. Die Nordostseite nimmt die Herrscherempore ein. Am Treppenaufgang verdient das spätgotische Sakramentshäuschen von 1520 besondere Aufmerksamkeit. Der stattliche Renaissancealtar datiert inschriftlich in das Jahr 1576 und stammt von Andreas Lorentz aus Freiberg im Erzgebirge. Im Winkel zu dem sehr kurzen Südflügel liegt der kleine Wendelstein, der nach Ausweis einer Baurechnung 1552/53 errichtet wurde. Der große Saal im Obergeschoss des Nordflügels wurde um 1800 unterteilt. Besondere Beachtung verdienen Jagd- und Ritterszenen im Inneren des Gebäudes, die freigelegt wurden und in die Zeit um 1600 datieren. Zur einheitlichen Außenwirkung der imposanten Schlossanlage tragen die mehrgeschossigen Zwerchhäuser bei, die die Dachlandschaft des Schlosses beleben. Östlich unterhalb der Kernburg liegt ein beeindruckendes zweistöckiges Lusthaus mit Kegeldach. Der zweigeschossige pavillonartige Bau mit umlaufender Holzgalerie wurde 1574 errichtet. (Jens Friedhoff)