EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Desenberg

Geschichte:

Die Burg wurde möglicherweise von den Grafen von Northeim im 11. Jh. auf Eigengut gegründet. Durch Erbschaft gelangte sie an Heinrich den Löwen, der sie 1070 an seinen Gefolgsmann Widukind von Schwalenberg weitergab. Als Widukind sich bei einem Fürstenaufstand gegen den Sachsenherzog stellte, belagerte dieser erfolgreich den Desenberg, indem er den Verteidigern das Wasser des Burgbrunnens entzog. In den Kämpfen nach dem Sturz Heinrichs des Löwen wird die Burg 1181 durch seinen Gegner, den Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg belagert. Vorübergehend im Besitz der Stauferkönige Friedrich I. und Heinrich VI. kam die Burg nach kurzfristiger Übertragung an die Bischöfe von Paderborn um 1200 an die Nachkommen Heinrichs des Löwen zurück. Dagegen stellten sich Abt Widukind von Corvey und der Paderborner Bischof Bernhard III. Sie vereinbarten, die Burg zu erobern und vollständig zu zerstören, ein Vorhaben, das nach Ausweis einer Urkunde von 1206 kurz vorher zumindest teilweise ausgeführt worden war. Sie muss aber sofort wieder aufgebaut worden sein, denn 1217 ist mit Alexander von Desenberg ein kurkölnischer Ministeriale auf der Burg belegt. Die Burg blieb im Besitz der Kölner Erzbischöfe und war spätestens 1256 an die Familie von Spiegel verlehnt, deren Herrschaftsmittelkpunkt sie bildete. Dieses Geschlecht machte sich einen Namen als Raubritter, in Folge dessen die Burg 1380 durch den Landgraf von Hessen zerstört wurde. In der hessisch-paderbornischen Fehde stellten sich die von Spiegels auf die hessische Seite, sodass die Burg 1470 durch den Paderborner Bischof Simon zerstört wurde und fortan Paderboner Lehen war. Die Burg verlor danach ihre Bedeutung. Die einzelnen Linien der Spiegel verließen um 1550 ihre Häuser auf der Burg und gründeten im Umland eigene Adelssitze. Die Burg verfiel, obwohl im letzten Burgfrieden von 1581 der Paderborner Bischof als Auflage verfügte, die Gebäude auf dem oberen Burgplatz nicht dem gänzlichen Ruin zu überlassen und den Turm wieder mit einem Dach zu versehen. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Zum ältesten Baubestand des 12./13. Jhs. gehören der Bergfried und die Rigmauer. Weitere Gebäude aus dieser Zeit sind nicht erhalten. Zu Beginn des 13. Jhs. muss die Burg einmal neu aufgebaut worden sein. Nach den archäologischen Funden muss eine weitere Zerstörung am Ende des 13. Jhs. stattgefunden haben, worauf die ergrabenen Vorburggebäude errichtet wurden. Von der in den Quellen überlieferten Zerstörung um 1370 waren offenbar diese Gebäude betroffen, was eine komplette Neubebauung der Vorburg zu Folge hatte. Eine ähnliche Bauabfolge ließ sich auf der Hauptburg wegen der nur sehr kleinflächigen archäologischen Untersuchung bisher nicht ausmachen. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Burg sitzt auf einem Vulkankegel aus dem Tertiär mit weiter Sicht über die Warburger Börde. Die Hauptburg war von einer 1,45 m starken Ringmauer umgeben, deren heute nicht mehr vorhandener Eingang im Osten gelegen haben muss. Verstärkt war sie durch Stützpfeiler und zwei halbrunden Flankierungstürmen. Leicht aus dem Zentrum nach Westen verrückt steht der heute noch 12 m hohe Bergfried, sein heutiger Eingang ist neuzeitlich. An die Ringmauer angelehnt standen drei mehrstöckige Gebäude, von denen heute noch Fundamentreste und ein tonnengewölbter Keller zu sehen sind. Nach den Funden muss es weitere Gebäude aus Fachwerk gegeben haben.
Der Zuweg zur Burg verlief auf einer langsam ansteigenden Trasse, die zunächst auf dem Vorburgplateau endete. Dort beginnt ein Wall, der die Burg zu vier Fünteln umrundet und an einer Spermauer endet. Im Süden liegt zwischen diesem und der Hauptburg ein weiterer, älterer Wall. Die Vorburg war von einer Umfassungsmauer umgeben, deren Südseite bis hoch zur Hauptburg verlängert war. In der Vorburg wurde ein 18 x 10 m großes Wirtschaftsgebäude mit einem viereckigen Turm an seiner Nordostseite ergraben. Beide waren auf Schuttschichten des 12./13. Jhs. gegründet und gingen wiederum im 14./15. Jh. durch Feuer zugrunde. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

1987/88 Sondage auf der Hauptburg