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Blankenheim

Geschichte:

Mit dem Namen Gerhard von Blankenheim wird die Familie der Edelherren von Blankenheim 1112 erstmals nachweislich überliefert. Obschon die erste bekannte schriftliche Nachricht über deren Burg aus dem Jahre 1273 stammt, bestand die Anlage sicherlich schon lange zuvor. Eine erste Überlieferung aus dem Jahre 1341 weist auf den zugehörigen befestigten Ort am Fuß des Burgberges hin. Während des 13. und 14. Jahrhunderts standen die Herren von Blankenheim im Dienst verschiedener Lehnsherren, die in ihrer Folge rasch wechselten. 1380 wurden die Blankenheimer in den Reichsgrafenstand erhoben und erlangten somit den Status der Reichsunmittelbarkeit. Dennoch übten die Herzöge von Jülich bis 1668 eine - wenn auch eingeschränkte - Lehnshoheit über die Herrschaft aus. Während des 15. Jahrhunderts stiegen die Grafen von Blankenheim zu einem der mächtigsten Dynastengeschlechter der Eifel auf. Nachdem die ältere Linie des Adelsgeschlechts 1406 keine männlichen Nachkommen mehr hatte, kam durch die Heirat der Erbtochter Elisabeth 1415 die Herrschaft an Wilhelm von Loen zu Heinsberg und Löwenburg, der die zweite Linie Blankenheim begründete, die jedoch nach drei Generationen 1468 wieder erlosch. Über Elisabeth von Schleiden, eine Nachkommin der Herren von Blankenheim, kam die Grafschaft an ihren Ehemann Dietrich von Manderscheid. Als Grafen von Blankenheim-Manderscheid blieben seine Nachkommen bis 1794 im Besitz der weitverzweigten Herrschaft. Nach der Enteignung des Schlosses durch die französische Regierung wurden die Gebäude teilweise als Steinbruch ausgebeutet oder verfielen, so dass die Burgruine 1894 durch die preußische Regierung gesichert werden musste. 1926 übernahm die Deutsche Turnerschaft die Anlage und richtete sie teilweise wieder auf. Ab den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wird das Schloss als Jugendherberge genutzt. (Hans-Jürgen Greggersen)

Bauentwicklung:

Eine erste romanische Burg, die in ihrer Anlage alle nachfolgenden Bauten bestimmte, entstand möglicherweise bereits im ausgehenden 12. Jahrhundert. Als ältester bestehender Bauteil hat sich der wohnturmartige Palas aus dem 13. Jahrhundert im Kern des heutigen Hauptgebäudes erhalten. Ihm gliederten sich auf der steil abfallenden Hangseite weitere Wohnbauten an, während die gegenüber liegende Nordwestseite durch starke Mauern und Wehrbauten geschützt wurde. Im 14. und 15. Jahrhundert fanden umfangreiche Erweiterungen an der gesamten Burganlage statt, wie das so genannte Frauenhaus an der Nordwestecke des Palas, der umwehrte Rosengarten auf dem westlichen Bergsporn oder der Neubau der Unterburg, die vor allem Wirtschafts- und Verwaltungszwecken diente. Ob auf dem als Unterhof bezeichneten Gelände ehemals die Vorburg gestanden hat, ist ungewiss. Im Süden legte man Anfang des 17. Jahrhunderts eine starke Bastion zum Schutz der Burg an. Über der an die Bastion grenzende Umfassungsmauer entstand in der Zeit um 1787 das spätbarocke Kanzleigebäude. Bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts fand eine umfangreiche Modernisierung der Burggebäude statt, die 1727 in der Anlage eines großen Barockgartens östlich des Schlosses ihren zeitgemäßen Ausdruck fand. Nachdem Schloss Blankenheim besonders im 19. Jahrhundert unter schweren Zerstörungen zu leiden hatte, setzen nach 1926 Maßnahmen zum Wiederaufbau der Anlage ein, die nach dem 2. Weltkrieg fortgesetzt wurden. Dabei spielte die neue Funktion als Jugendherberge bei der Konzeption der Renovierung eine maßgebliche Rolle. (Hans-Jürgen Greggersen)

Baubeschreibung:

Auf einem steil abfallenden Bergrücken erhebt sich über dem Ort Blankenheim die gleichnamige Burg. Von den tiefen und breiten Gräben, die die Anlage der Abschnittsburg zur Bergseite schützten, haben sich vor allem im Nordwesten einige Bereiche erhalten, die allerdings von dichtem Baumbewuchs verunklärt sind. Auf dem etwa dreieckig ausgegrenzten Plateau teilt sich die Anlage in die Bereiche von Ober- und Unterburg auf. Der dreigeschossige Bruchsteinbau des ehemaligen Palas nimmt das Zentrum des so genannten Oberhofs ein. Eine angrenzende Reihe niedrigerer Bauten bildet einen langgestreckten Flügel nach Norden. In ihrem Verlauf noch auf die mittelalterlichen Vorgänger zurückgehend, entstammen die Gebäude einschließlich des hohen Turms in ihrer heutigen Form alle dem historisierenden Wiederaufbau des beginnenden 20. Jahrhunderts. Auf der gegenüber liegenden Seite verläuft leicht schräg versetzt der Riegel eines Fachwerkbaues aus der gleichen Zeit, so dass ein viereckiger Hof entsteht. Auf der Rückseite des einstigen Palas erstreckt sich bis zum Berghang der frühere Rosengarten, der durch starke Wehrmauern zum Tal abgeschlossen wird. An die Nordwestecke des Palas schließt der rechteckige Bau des so genannten Frauenhauses an, der ebenfalls mittelalterliche Ursprünge hat. Seine Außenmauern sind stellenweise in den abfallenden Hang hinein gebaut. Im Süden, knapp unterhalb des Rosengartens bildet ein großer, zweigeschossiger Rechteckbau den westlichen Abschluss des so genannten Unterhofs. In seinem Kern noch dem 15. Jahrhundert zugehörig, wurde auch dieser einstige Verwaltungsbau Anfang des 20. Jahrhunderts nahezu neu errichtet. Der mächtige Rundbau einer Bastion bildet den südlichen Abschluss der Anlage. Die erhaltenen Umfassungsmauern des frühen 17. Jahrhunderts ergänzte man zu einem modernen Bau. Weitgehend völlig in seinem Ursprungszustand erhalten hat sich dagegen das Archivgebäude des Jahres 1787. Der zweigeschossige Barockbau bildet die südöstliche Begrenzung des Unterhofs. (Hans-Jürgen Greggersen)