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Paderborn, Domburg

Geschichte:

Die Geschichte Paderborns beginnt mit den ersten Sachsenkriegen von Karl dem Großen. Im Rahmen der Unterwerfung der Sachsen wurden befestigte Bischofssitze in ihrem Stammesgebiet errichtet. Zu den frühesten gehört Paderborn, das schon 776 in den Quellen als "Karlsburg" Erwähnung fand. Nach der Zerstörung durch die Sachsen 778 verschwand aber dieser Name und der Ort wurde Paderborn genannt. Die Domburg umfasste neben Bischofssitz und Dom auch eine königliche Pfalz, die wegen ihrer Lage im Feindesland im Gegensatz zu den gleichzeitigen, im angestammten fränkischen Herrschaftsgebiet gelegenen Königsresidenzen befestigt war. Kurz vor dem Jahr 1000 wurde Paderborn von einem arabischen Reisenden als "Festes Kastell" bezeichnet. Mit dem Bau der Stadtbefestigung in der Mitte des 12. Jhs. war die Domburgbefestigung überflüssig geworden und wurde abgerissen. Fortan grenzte nur noch eine einfache Mauer den bischöflichen Immunitätsbezirk vom Umland ab. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Die erste Phase der Befestigung dürfte aus einer Holz-Erde-Konstruktion bestanden haben, für die sich aber nur wenige mögliche Hinweise gefunden haben. Nach der Zerstörung 778 wurde sie durch eine Steinmauer ersetzt. Diese besaß nach den Ausgrabungsergebnissen schon in der Karolingerzeit zwei Bauphasen. Laut der Vita des Bischofs Meinwerk (1009 - 1036) wurde sie während seiner Amtszeit erneuert. Mit dem Bau der Stadtmauer in der Mitte des 12. Jhs. verlor sie ihre Funktion und wurde abgerissen. Der als eine Art Halsgraben fungierende Steinbruch auf der Südseite diente von der Karolingerzeit bis ins 11. Jh. als Baumateriallieferant für die lokalen Großbauvorhaben . Erst mit dem Bau der Stadtmauer wurde er zur Hälfte verfüllt und besiedelt. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Befestigung der Domburg umfasste ein Rechteck von ca. 280 x 250 m, das an seiner Nordostseite eine 50 m weite Ausbuchtung besaß. Die Südseite der Befestigung könnte nach neueren Forschungen aber weiter nördlich verlaufen sein als bisher angenommen. Die erste Befestigungsphase ist vermutlich durch eine Holz-Erde-Kontruktion gebildet worden, zu der Pfostenlöcher nördlich der späteren Mauer gehören könnten. Ebenfalls in die Frühzeit zu datierende Steinlagen zeugen evtl. von einer Steinverblendung der Konstruktion. Die zweite Phase aus der Zeit nach 778 besteht aus einer 1,5 m starken Kalksteinmauer, der nach einer 2 m breiten Berme ein Graben vorgelagert ist. Eine einmalige Besonderheit ist die Existenz eines bis zu 50 m breiten und 14 m tiefen Steinbruchs, der wahrscheinlich der kompletten Südseite der Domburg vorgelagert war und auch an der Westseite nach Norden zog. Seine Enden sind noch nicht erfasst. Als eine Art Halsgraben sorgte er für einen zusätzlichen Schutz der Domburg. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

In den 50er und 60er Jahren durch Orthmann und Winkelmann, 1960 durch Beck, 1981 durch Doms und 1995/96 durch Moser. (Stefan Eismann)