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Calenberg

Geschichte:

Die geschichtlichen Anfänge der imposanten Höhenburg Calenberg reichen bis in das ausgehende 13. Jahrhundert zurück. In den Schriftquellen wird Burg Calenberg erstmals 1299 erwähnt. Als Vorgängeranlage kommt die unweit entfernt gelegene Holsterburg in Betracht, die 1294 zerstört und nicht wiederaufgebaut wurde. Dort hatte Eberhard von Calenberg seinen Sitz. Sehr wahrscheinlich wurde der ab 1296 erfolgte Neubau des Calenberg durch die Erzbischöfe von Köln unterstützt, die die Burg als einen wichtigen Stützpunkt gegen ihre territorialen Konkurrenten, die Bischöfe von Paderborn nutzten. Der Ort selbst wird bereits 1133 als "mons Calvus" genannt. Im Zuge einer Auseinandersetzung mit den Bischöfen von Paderborn wurde die Burg Calenberg 1307 erstmals zerstört, jedoch in der Folgezeit wieder hergestellt. Fortan war die Burg Calenberg Lehen des Hochstifts Paderborn. Als Inhaber des Lehens treten u.a die von Pappenheim in Erscheinung. Angehörige dieser Familie führten zur Unterscheidung von ihren Verwandten zu Canstein, Liebenau den Namenszusatz "Kalenberg". Als Burgmannen sind u. a. 1365-75 Konrad Schultete, 1382 Heinrich Rathwordessen und 1408 Cord von Clinge bezeugt. Der letzte männliche Angehörige der zu Calenberg sitzenden Pappenheim, Rave (gest. 1464) verschreibt die Anlage seiner Frau als Witwensitz, den sie ihrem Gatten, Hermann von Spiegel zu Desenberg in die Ehe einbringt. Die Spiegel von Desenberg tragen Calenberg dem Landgrafen Ludwig von Hessen zu Lehen auf. Um die Besitzrechte an dier Burg entbrennt zwischen Hessen und Paderborn in den 1460er Jahren eine Fehde, die erst 1471 beendet wird. Schloss und Amt Calenberg gelangten schließlich uneingeschränkt an das Hochstifts Paderborn. Als Pfandlehen fiel Calenberg 1473 an die von Spiegel, 1487 an Volkmar von Brenken und 1497 an Wulf und Rave von Calenberg. Im 16. Jahrhundert erfolgten weitere Verpfändungen der Burg. Im 18. Jahrhundert hatte die Anlage ihre Bedeutung als dauerhaft bewohnter Adelssitz eingebüßt und diente einem Pächter als Domizil. 1878 gelangte die ruinöse Burg in den Besitz der Familie Schuchard, die 1870 das Vorwerk Neu-Calenberg errichten ließ und ab 1880 den Diözesanbaumeister Heinrich Wiethase mit dem Um- und Ausbau der mittelalterlichen Burg beauftragte. Bis 1882 entstand ein bedeutender historistisch überformter Burg- und Schlossbau, der sich bis heute in Privatbesitz befindet und daher nicht zu besichtigen ist. Der Familie Schuchard diente Burg Calenberg als Sommersitz. 1921 erfolgte die Umsiedlung von Calenberg auf das Gut Neu-Calenberg unterhalb der Burg. 1972 erwarb der Diplomkaufmann Karl Heinz Rehkopf die Anlage. (Gabriele Rustemeyer)

Bauentwicklung:

Die bauliche Entwicklung der Ende des 13. Jahrhunderts gegründeten Burg bedarf noch einer eingehenden Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung der archivalischen Überlieferung. Zu den ältesten noch erhaltenen Bauteilen gehören u. a. Teile der Ringmauer sowie der - vermutlich nach der Zerstörung durch Paderborn 1307 - entstandene Wohnturm. Vermutlich zählt auch der Unterbau des Torhauses noch zum mittelalterlichen Ursprungsbau. Im 17. Jahrhundert setzte der Verfall der Anlage ein. Umfangreiche Reparaturen sind für 1682/83 überliefert. Explizit erwähnt ist jedoch das Vorwerk, während die Wohnbauten weiter verfielen. 1737/38 entstand nach Plänen des fürstbischöflich-paderbornischen Architekts und Ingenieurs Nagel ein neues Wohnhaus für den Pächter. 1762 wurden die Stallungen um- und ausgebaut. Die Ansichten des 17. Jahrhunderts zeigen die Anlage in teilweise ruinösem Zustand. 1665 ist auf einem Ölgemälde die dachlose Ruine des Wohnturms erkennbar, während der als Zehntspeicher dienende Teil der Burg noch intakt war. Das heutige Erscheinungsbild der Burg wird wesentlich durch die tiefgreifende historistische Umgestaltung durch den Architekten Heinrich Wiethase 1880-1882 bestimmt. 1883 trat zu den Bauten auf dem Calenberg eine Försterei hinzu. Ferner wurde das Gelände um die Burg parkartig gestaltet. Auf dem örtlichen Friedhof ließ sich die Familie Schuchhard 1886 ein Mausoleum errichten. (Gabriele Rustemeyer)

Baubeschreibung:

Die imposante Höhenburg Calenberg nimmt den Gipfel eines weithin sichtbaren Hügels am Rande der Warburger Börde ein und ist über eine Zufahrt durch den gleichnamigen Ort erreichbar. Unmittelbar neben dem Tor befindet sich die ehemalige Pfarrkirche St. Anna, die zur Burg gehörte und 1321 Sitz einer eigenen Pfarrei war. Der der Burgfreiheit vorgelagerte einfache Bruchsteinbau stammt in seiner jetzigen Form von 1699 und wurde mehrfach erweitert. Der vielgestaltige Baukörper der über unregelmäßigem Grundriss erbauten Burg wird wesentlich durch den von dem Architekten Heinrich Wiethause vorgenommenen neugotischen Um- und Ausbau geprägt. Zutaten des ausgehenden 19. Jh. (1880-1882) sind vor allem die steilen mit Gauben und Türmchen besetzten Dächer, der Rundturm und die Torkapelle. Dem mittelalterlichen Baubestand gehören der Wohnbau, das innere Burgtor und der über trapezförmigem Grundriss aufgeführte fünfgeschossige Wohnturm an. Die Wirtschaftsgebäude der Burg wurden in den 1880er Jahren teilweise niedergelegt und das Steinmaterial diente zum Bau des Gutes Neu-Calenberg. Ursprünglich trennte ein Graben die Vorburg von der Hauptburg. Die Burg ist in einen kleinen Landschaftspark eingebettet. (Gabriele Rustemeyer)