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Borlinghausen

Geschichte:

Die geschichtlichen Anfänge der Wasserburg Borlinghausen reichen bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts zurück. Gegründet wurde eine erste Burg zu Borlinghausen von der niederadeligen Familie von Spiegel, die ursprünglich auf der Burg Desenberg ansässig war. 1338 vereinbarten verschiedene Mitglieder des Hauses einen Teilungsvertrag. Es entstanden verschiedene Adelssitze der von Spiegel, zu denen auch der zu Borlinghausen gehörte, nach der sich ein Familienzweig benannte. 1411 gelangte Borlinghausen an die von Spiegel zu Peckelsheim. Sehr wahrscheinlich handelte es sich bei der im 14. Jahrhundert entstandenen ersten Burg der Spiegel zu Borlinghausen um eine Höhenburg, die als Vorgängerbau des heutigen Schlosses anszusprechen ist. Mitte des 15. Jahrhunderts entstand wohl die noch existierende Wasserburg, die im letzen Drittel des 16. Jahrhundert zu einem Renaissanceschloss umgestaltet wurde.
1454 versetzte Jörg Spiegel die Burg an das Kloster Hardehausen. Im Zuge einer weiteren Teilung innerhalb der Adelsfamilie wurde 1593 Borlinghausen dem evangelischen Zweig zugesprochen, als dessen Stifter Werner von Spiegel gilt. Anna von Spiegel brachte den Beisitz 1732 ihrem Gatten, Friedrich Arnold von Amelunxen zu, der einen Teil der Burg erhielt. 1839 erwarb Julius Gerog Bierbaum das um 1600 unter Verwendung älterer Bauteile errichtete Renaissanceschloss. 1859 folgte ihm als Eigentümer Oswald Freiherr von Wandt. 1912 kaufte Paul Freiherr von Fürstenberg Borlinghausen und 1926 ging das Schloss an die Freiherren von Weichs über, die die Anlage bis heute besitzen. (Gabriele Rustemeyer)

Bauentwicklung:

Das zu den Hauptwerken der Weserrenaissance zählende Wasserschloss Borlinghausen weist eine recht komplizierte bauliche Entwicklung auf, die im Detail noch einer Klärung bedarf. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um eine Gründung aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Als Vorgängeranlage kommt eine nicht mehr erhaltene Höhenburg der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Frage. Ende des 16. Jahrhunderts ließen Werner von Spiegel und seine Gattin Katharina von Kanne unter Verwendung älterer Bauteile einen Neubau aufführen. Der spätgotische Kernbau ist noch am Mauerwerk sowie Fenstergewänden mit Stabwerk und einem umlaufenden gotischen Gesims erkennbar. Jahreszahlen am Turmportal von 1576 und 1587 verweisen wohl auf die Hauptbauzeit des Schlosses. Der geschweifte Nordgiebel entstand um 1600. Der Südflügel wurde im 18. Jahrhundert verändert (Mansarddach und Raumstruktur). An der Grabenseite findet sich die Jahreszahl 1779. Süd- und Ostgiebel wurden 1889 und 1899 (Jahreszahlen) aufgesetzt. Der Saal erfuhr um 1900 eine Umgestaltung. Die steinerne Brücke zur Hauptburg über den Wassergraben datiert in ihrer jetzigen Gestalt in das Jahr 1899. (Gabriele Rustemeyer)

Baubeschreibung:

Dem Betrachter präsentiert sich Wasserschloss Borlinghausen als repräsentative Anlage, die deutlich die Architektursprache der Weserrenaissance aufweist. Es handelt sich um eine von Wassergräben umgebene, zweiflügelige Hauptburg, der großzügige Wirtschaftsgebäude vorgelagert sind. Im Westflügel haben sich Reste der spätmittelalterlichen Vorgängeranlage des 15. Jahrhunderts erhalten (u.a. Gewölbekeller, Stabwerkfenster). Ab 1587 wurde die Wasserburg im Stil der Weserrenaissance umgeformt und mit reichem bauplastischem Schmuck versehen. Um 1600 wurde der geschweifte Nordgiebel mit Beschlagwerk aufgesetzt. Der Südflügel erfuhr im 18. Jahrhundert bauliche Veränderungen (Mansarddach, Raumprogramm). Die Jahreszahl 1779 verweist auf diese baulichen Aktivitäten. Historistische Ergänzungen stellen der Süd- und Ostgiebel, datiert 1889 und 1899, dar. Etwa zur gleichen Zeit wurde die steinerne Brücke über den Wassergraben neu aufgeführt. (Gabriele Rustemeyer)