EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Herstelle

Geschichte:

In dem kleinen Ort an der Weser südlich von Beverungen schlug Karl der Große 797 während der Sachsenkriege sein Winterlager auf und gründete eine Kapelle. Herstelle gehörte zu den Besitzungen des Hochstifts Paderborn und verfügte über eine wichtige Weserfurt. Ferner spielte der Ort eine wichtige Rolle als Stützpunkt gegen die Landgrafen von Hessen und die Herzöge von Braunschweig. Die auf einer Kuppe oberhalb des Ortes gelegene Burg wird in den Schriftquellen erstmals 1292 erwähnt. Es handelt sich um eine Paderborner Landesburg, die jedoch bereits seit dem frühen 14. Jahrhundert häufig als Pfandobjekt diente. Mit Unterbrechungen wurde die Anlage samt Zubehör bis 1733 versetzt und gelangte u. a. in den Pfandbesitz der niederadeligen Familie von Falkenberg. In Fehden des Bischofs Simon III. von Paderborn gegen Braunschweig und Hessen wurde Herstelle 1465 niedergebrannt. Im Dreißigjährigen Krieg erfolgte die teilweise Zerstörung der Burg. 1608 löste der Bischof von Paderborn die Pfandschaft aus und überließ die Burg den Herren von Falkenberg als Amtssitz. Bis zu ihrem Aussterben 1733 verblieb Herstelle in deren Verfügungsgewalt. Es folgen als Amtsinhaber die Herren von Spiegel zum Desenberg. 1802/03 gelangte die Burg in den Besitz des Preußischen Domänenfiskus und 1822 erwarb Ferdinande von Zuydtwyck, geboren von Haxthausen die verfallene Anlage und ließ die Burg bis 1831 durch den Architketen Johann Claudius von Lassaulx wieder herstellen. 1925 zwangsversteigert, erlebte die Burg in der Folgezeit einen mehrfachen Besitzerweschsel. Sie diente als Hotel, Sommerfrische, Erholungs- und Asylantenheim. Seit 2007 befindet sich die Burg im Besitz des Ehepaars Hörnig und wird von ihnen restauriert. (Gabriele Rustemeyer)

Bauentwicklung:

Bedingt durch die grundlegende Umgestaltung der Höhenburg in den späten 1820er Jahren durch Lassaulx lassen sich nur wenige Aussagen zur mittelalterlichen Baugestalt der Anlage machen. Frühneuzeitliche Abbildungen zeigen die Burg bereits in ruinösem Zustand. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und im 17. Jahrhundert war die Burg immer wieder Ziel kriegerischer Auseinandersetzungen. Der romantisierende Ausbau der Anlage unter Einbeziehung älterer Bauteile verunklärte die mittelalterliche Baugestalt und verlieh der Burg ihr heutiges Erscheinungsbild. Der von Lassaulx 1826-1832 geschaffene Baukörper an der der Weser zugewandten Seite des Burggeländes wurde 1872 an der Giebelseite durch einen spitzbogigen Arkadenbau ergänzt. Südlich schließt sich an den Wohnbau ein eingeschossiger barocker Putzbau an, der 1798 erneuert wurde. Eine grundlegende Sanierung wurde 2009 eingeleitet. (Gabriele Rustemeyer)

Baubeschreibung:

Die ehemals Paderborner Landesburg Herstelle erhebt sich weithin sichtbar auf einem Bergsporn oberhalb des gleichnamigen Städtchens. Sehr wahrscheinlich wurde die Anlage vor 1282 über einem unregelmäßigem Grundriss aufgeführt. An der weserabgewandten Seite haben sich geringe Reste des Grabens sowie der Ringmauer erhalten. Die baulische Disposition der mittelalterlichen Anlage ist unklar. Johann Claudius von Lassaulx schuf ab 1822 an der dem Wesertal zugewandten Seite - wohl unter Verwendung älterer Bausubstanz - ein langgezogenes siebenachsiges Wohngebäude mit einem schmalen mit Zinnen versehenen Rundturm an der Südecke. An der nördlichen Schmalseite wird der zur Hofseite hin zweigeschossige Baukörper des Hauses durch einen 1872 entstandenen Anbau mit Arkaden ergänzt. Die gegenüberliegende Südseite nimmt ein eingeschossiger Barockbau mit Mansarddach ein, der auf älteren Fundamenten aufgeführt wurde. (Gabriele Rustemeyer)

Arch-Untersuchung/Funde:

Kleine Grabungen 1974 und 1994 mit der Aufdeckung vom mindestens fünf, dem bestehenden Gebäude vorangegangenen Bauphasen ab dem Hochmittelalter. Eine Rekonstruktion des früheren aussehens der Burg ist aber aufgrund der nur kleinen Grabungsschnitte nicht möglich. Die älteste Mauer von ihnen südlich des heutigen Westflügels weicht deutlich in ihrer Ausrischtung vom heutigen Baubestand ab.