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Holzhausen bei Nieheim

Geschichte:

Die Geschichte der Wasserburg Holzhausen im gleichnamigen Ortsteil von Nieheim reicht bis ins beginnende 14. Jahrhundert zurück. Roland und Floekin sowie ihr Bruder Burchhard errichteten 1312 eine Burg zu Holzhausen ("Holthusen"). Die drei Brüder überließen die Hälfte ihrer Burg der Paderborner Kirche und empfingen sie als Lehen von Bischof Dietrich zurück.
Unklar ist ob sich an dieser Stelle eventuell bereits im 13. Jahrhundert eine Vorgängeranlage befunden hat. Die niederadlige Familie von Holthausen, die zu den Gefolgsleuten der Grafen von Schwalenberg gehörte, reicht bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück und ihre Benennung nach dem Ort Holzhausen erlaubt den Rückschluss auf den dort befindlichen Stammsitz. Burchhard von Holthusen (1232-82) und sein Bruder Helbert (1260-70) gehörten der Burgmannschaft zu Schwalenberg an.
Mit Otto von Holzhausen erlosch das niederadelige Geschlecht 1484. Der Paderborner Bischof Simon III. zur Lippe belehnte 1484 Arnd von Borch mit den Holzhausener Lehngütern. Die aus dem Territorium der Edelherren von Lippe stammende Familie von der Borch verfügte u. a. über einen Adelssitz zu Detmold. Erbansprüche der aus Nordhessen stammenden Herren von der Malsburg an Burg Holzhausen wurden nach einem langjährigen Rechtsstreit 1529 durch eine Geldzahlung abgefunden. Mit dem Tod des Ferdinand Otto starb die auf Holzhausen ansässige Linie der von dem Borch und die Güter fielen 1720 an die von dem Borch zu Schönebeck (Provinz Hannover). Die zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch einen bedeutenden klassizistischen Herrenhausneubau bereicherte Schlossanlage befindet sich bis heute im Besitz der Freiherrn von dem Borch. (Gabriele Rustemeyer)

Bauentwicklung:

Informationen zur baulichen Entwicklung der im zweiten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts gegründeten Wasserburg der Herren von Holzhausen ("Holthusen") fehlen. Vermutlich wurde das bauliche Erscheinungsbild der zweiteiligen Wasserburg in nachmittelalterlicher Zeit mehrfach verändert. Nachdem die Wasserburg durch Brand zerstört worden war, ließen die Freiherren von der Borch 1801 bis 1809 von dem Architekten Wilhelm Karl Hilsner aus Kassel einen klassizistischen Neubau errichten, der bis heute das Gesamtbild der Wasserburg prägt. Die hofseitige Fassade erhielt 1910 einen auf toskanischen Säulen ruhenden Altan an der Stelle eines älteren Balkons. Älter als das Herrenhaus sind die giebelständigen Wirtschaftsgebäude, die aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen und im 20. Jahrhundert teilweise renoviert wurden. Bei der so genannten Rentei handelt es sich um den letzten Reste der älteren Vorburg, deren Baubestand nach einer Jahreszahl über einer Türe in das Jahr 1572 zurückreicht. Das Verwalterhaus des Schlosses entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. (Gabriele Rustemeyer)

Baubeschreibung:

Bei der am nördlichen Ortsausrand von Holzhausen gelegenen Anlage handelt es sich um eine zweiteilige, aus Vor- und Hauptburg bestehenden Wasserburg. Das Erscheinungsbild der Anlage wird im Wesentlichen von dem inmitten eines breiten Wassergrabens gelegenen klassizistischen Herrenhaus geprägt. Von der mittelalterlichen Vorgängeranlage haben sich keine baulichen Reste erhalten. In einem doppelten quadratischen Wassergraben liegt die Terrasse, auf der sich das zweigeschossige Herrenhaus erhebt. Der rechteckige Baukörper von elf zu drei Achsen wird von einem flachen Walmdach bekrönt, das seinerseits durch Okuligauben belebt wird. Eckquader und ein Gesimsband gliedern die weiß getünchten Fassaden des Herrenhauses. Vor die Hoffassade tritt ein von toskanischen Säulen getragener Balkon. Die Mittelachse der Fassade wird durch eine mit Vasen besetzte Attika akzentuiert.
Der Wirtschaftshof weist mehrere Gebäudegruppen auf. Unweit des Herrenhauses liegen vier giebelständige Scheunen aus teilweise verputztem Bruchstein. Sie datieren ins 17. und 18. Jahrhundert und wurden im 20. Jh. erneuert. An der Westseite liegt zwischen den Ställen ein 1715 bezeugter Taubenturm mit Kegeldach. Bei der sogenannten Rentei handelt es sich um einen Rest der alten Vorburg. Der traufständige verputzte Bruchsteinbau mit Eckquaderung zeigt noch einige der ursprünglichen zweiteiligen Fenster. Über einer Tür verweist die Jahreszahl 1572 auf bauliche Aktivitäten an den Gebäude. In dem jüngeren Hofabschnitt befindet sich u. a. das Verwalterhaus aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. (Gabriele Rustemeyer)