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Thienhausen

Geschichte:

Schloss Thienhausen gehört zu einer Gruppe jüngerer Burg- und Schlossbauten, deren Gründung in das beginnende 16. Jahrhundert fällt. Der Ort Thienhausen ist sehr wahrscheinlich mit dem 973 in der Überlieferung der Abtei Corvey erwähnten Gut "Thiedwingthorpe" zu identifizieren. Im Spätmittelalter verfügten dort die Bischöfe von Paderborn und die Edelherren zur Lippe sowie die Grafen von Schwalenberg über Grundbesitz. Die niederadelige Familie von Haxthausen ist erstmals 1523 zu Thienhausen nachweisbar. Vermutlich verfügten sie bereits zu diesem Zeitpunkt dort über einen Adelssitz, an dessen Stelle Thönis (Anton) Wolf von Haxthausen 1609 einen Neubau aufführen ließ. Bei diesem Neubau handelt es sich um das noch bestehende zweiflügelige Wasserschloss mit Vorburg. Nach dem Erlöschen der dänischen Linie der von Haxthausen wurde Schloss Thienhausen 1843 von August von Haxthausen (1792-1867) erworben, der aus der Abbenburger Linie entstammt und vor allem durch seine agrarhistorischen Forschungen Berühmtheit erlangte. Auf Wunsch des Zaren bereiste er 1843 Rußland. 1847 wählte er Schloss Thienhausen zu seinem Hauptwohnsitz. Heute befindet sich das gepflegte Anwesen im Besitz der Stiftung Schloss Thienhausen, als deren Vorsitzender Guido Freiherr von Haxthausen fungiert. (Gabriele Rustemeyer)

Bauentwicklung:

Die bauliche Entwicklung des Wasserschlosses Thienhausen bedarf noch einer eingehenden Untersuchung. Unklar ist, in ob und in welchem Umfang bei dem 1609 initiierten Neubau Teile einer Vorgängeranlage integriert wurden. Als Bauherr tritt 1609 Thönis (Anton) Wolf von Haxthausen, Dorst zu Schieder, hessischer Oberamtmann zu Homberg und Stammvater der Linie von Haxthausen zu Dedinghausen in Erscheinung. Möglicherweise stammen die Pläne zu dem Neubau von Hermann Baumhauer, Verschiedene architektonische Einzelformen lassen die stilistische Verwandtschaft zum Paderborner Rathaus erkennen. Erhebliche Substanzverluste erlitt die Anlage im 19. Jahrhundert sowie durch einen Brand 1905, dem u. a. Teile des Nordflügels und das Dach des Treppenturmes und einige Innenräume zum Opfer fielen. Wirtschaftsgebäude, die sich urpsrünglich in der Nähe der Hauptburg befanden, wurden zu Beginn des 20. Jarhhunderts niedergelegt. (Gabriele Rustemeyer)

Baubeschreibung:

Das Gesamtbild der gut erhaltenen Wasserburg wird im Wesentlichen durch die 1609 erfolgten Neubauten geprägt. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstand eine imposante Schlossanlage, über deren ursprüngliches Aussehen eine 1764 von dem Landmesser Saltzmann angefertigte Karte Aufschluss gibt. Die großzügige Gräfteninsel war von einer Mauer umgeben, die an den Ecken runde Türme aufwies und die über eine Brücke zugänglich war. Teile der Mauer sowie der ehemals mehrteiligen Wirtschaftsgebäude blieben erhalten. Bei dem imposanten Herrenhaus handelt es sich um einen zweiflügeligen Bruchsteinbau, der zur Feldseite einen reich dekorierten Schaugiebel im Stil der Weserrenaissance aufweist. Vergeichbare Architekturformen bietet der geschweifte Giebel von Schloss Holtfeld bei Borgholzhausen. Gurtgesimse sowie zwei- und dreiteilige Fenster gliedern die Fassaden. Im Hofwinkel zwischen den beiden Trakten befindet sich ein Treppenturm. Der gegenüber liegende Ostgiebel und der Turmaufsatz sind im 19. Jahrhundert entfernt worden. Im Inneren des Herrenhauses haben sich in der Eingangshalle ein prächtiger Steinkamin mit Figurenschmuck aus der Zeit um 1600 sowie im Esszimmer ein weiterer Renaissancekamin von 1575 erhalten. Westlich des Holmbachs liegt das eingeschossige Mühlengebäude aus Bruchstein, das nach Ausweis der Jahreszahl 1791 errichtet wurde. (Gabriele Rustemeyer)