EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Hinnenburg

Geschichte:

Die Anfänge des weithin sichtbar auf einem Bergsporn gelegenen Schlosses Hinnenburg reichen bis in das zweite Viertel des 13. Jahrhunderts zurück. In den Schriftquellen wird die Hinnenburg erstmals 1237 erwähnt. Es handelt sich um eine Gründung der edelfreien Familie von Brakel, die erstmals 1213 in der Überlieferung in Erscheinung tritt. Berthold von Brakel führte 1237 den Namenszusatz von Hinnenburg. Die von Brakel lassen sich u. a. als Burgmannen auf der Iburg nachweisen. Berthold von Brakel wird letztmalig 1275 genannt. Seine beiden Töchter heirateten in die Familien von Dassel bzw. von Asseburg ein. Aus der Eheverbindung mit den Herren von Asseburg ging u. a. Burchard hervor, der Herzog Albrecht von Braunschweig befehdete. 1257/58 suchte Burchhard im Rahmen dieser kriegerischen Auseinandersetzungen Zuflucht auf der Hinnenburg. Ursprünglich handelte es sich um ein Lehen des Stifts Neuenheerse, das jedoch an das Hochstift Paderborn fiel. 1323 hatte das Stift die Lehnshoheit über die Hinnenburg an Paderborn abgetreten. 1326 finden wir Werner von Asseburg, Herr auf der Hinnenburg als Lehnsmann des Bischofs Bernhard von Paderborn. 1335 wurde die Burg durch Brand zerstört und in der Folgezeit wieder aufgebaut. Seit dem 16. Jahrhundert befindet sich die Hinnenburg vollständig im Besitz der Herren bzw. der späteren Grafen von Asseburg. 1507 erlosch die auf der Hinnenburg sitzende Linie der Asseburger, so dass die in Mitteldeutschland begüterten Verwandten das Erbe im Weserbergland antraten. Bei späteren Erbteilungen verblieb die Hinneburg bei derjenigen Linie, in deren Besitz sich auch Wallhausen bei Sangershausen und Schermke befand. Seit 1803 führen die Angehörigen der Familie den Namen Graf von Bochholtz-Asseburg. Die in nachmittelalterlicher Zeit mehrfach umgestaltete Hinnenburg befindet sich bis zum heutigen Tag im Besitz der Adelsfamilie und beherbergt Wohnungen. Die Anlage ist nicht zu besichtigen. (Gabriele Rustemeyer)

Bauentwicklung:

Insbesondere die bauliche Entwicklung der mittelalterlichen Anlage bedarf noch einer eingehenden Untersuchung. Das Gesamtbild der Anlage wird durch die frühneuzeitlichen Umbauten bestimmt. Unklar ist die Gestalt der Gründungsanlage des 13. Jahrhunderts bzw. das Resultat des Um- und Wiederaufbaus nach der Brandzerstörung von 1335. Teile der spätmittelalterlichen, als Randhausburg anzusprechenden Anlage haben sich erhalten. Insbesondere die unregelmäßige Grundrissgestaltung des talseitigen bzw. der Vorburg zugewandten Hauptflügels der Burg verrät noch deutlich seinen mittelalterlichen Ursprung. 1510 wurde die Burg abermals im Zuge von Fehdehandlungen durch Brand stark beschädigt und um 1600 entstand auf dem östlichen Teil des Hauptburgareals ein Neubau. Der wohl ebenfalls noch mittelalterliche Rundturm an der Außenfassade der Burg wurde erhöht. Spätmittelalterlichen Ursprungs dürfte auch die am äuißeren Tor gelegene Kapelle sein, die in Form eines niedrigen Flankenturms errichtet wurde. 1736 bis 1741 erfolgte eine tiefgreifende Umgestaltung der Anlage durch den Architekten Franz Christoph Nagel. Der Südflügel wurde verlängert und es entstand ein weit in die Landschaft ausgreifender barocke Terrassengarten, der zumindet in Resten erkennbar und auf einem barocken Ölgemälde zu sehen ist. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte die Umwandlung in einen Landschaftsgarten. 1934 wurde der östliche Teil des Südflügels durch einen Brand beschädigt und vereinfacht wieder hergestellt. Der westliche Teil des Flügels wurde 1971-73 instand gesetzt. 1959-63 erfolgten Umbauten im Nordflügel der Anlage. (Gabriele Rustemeyer)

Baubeschreibung:

Die auf einem Bergsporn gelegene Hinnenburg bestimmt das Landschaftsbild des Städtchens Brakel. Unterhalb des Schlossberges habens sich die weitläufigen frühneuzeitlichen Gebäude des Vorwerks (bzw. Wirtschaftshofs) erhalten. Den Zugang zum Vorhof der Höhenburg ermöglicht ein schlichtes Rundbogentor, das seitlich von der über polygonalem Grundriss errichteten niedrigen turmartigen Bau flankiert wird, der die Schlosskapelle beherbergt. Der achteckige Baukörper der Schlosskapelle, die von einem Zeltdach bekrönt wird, wurde an der Nordwestseite 1875-76 um einen zweijochigen Saal mit eingezogenem Chor erweitert. Im Vorburgbereich befinden sich vornehmlich schlichte Gebäude des 18. und 19. Jahrhunderts. Leicht erhöht liegt die längsrechteckige Hauptburg, die sich durch drei mehrgeschossige Gebäudetrakte auszeichnet, von denen vor allem der der Vorburg bzw. der Talseite zugewandte Flügel besondere Aufmerksamkeit verdient. Der mehrfach gebrochen bzw. abgerundete Verlauf der Außenfassade passt sich der Geländetopographie an. Die feldseitige Fassade lässt deutlich den spätmittelalterlichen Ursprung des Schlosses erkennen. U. a. befinden sich hier Reste von Abortanlagen. Der Vorburg zugewandt ist das in einer rechteckigen Zugbrückenblende eingefasste rundbogige Tor mit der Durchfahrt in den Innenhof der Hauptburg. Seitlich wird das Tor durch einen Rundturm flankiert, der in nachmittelalterlicher Zeit ein neues Obergeschoss und eine geschweifte Haube erhielt. Im Inneren des Schlosses haben einige Räume Teile ihrer wandfesten barocken Ausstattung erhalten (Saal, Antichambre, Speisezimmer). Die Stuckaturen wurden vermutlich von Bernhard Metz (u. a. Lippstadt, Bockenförde, Schloss Schwarzenraben, Büren) ausgeführt. (Gabriele Rustemeyer)