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Waghorst

Geschichte:

Als ältester Besitzer von Haus Waghorst tritt die ritteradelige Familie von Dehem (Tehem) auf, die seit 1244 mehrfach in ravensbergischen Urkunden genannt wird. Die erste direkte Erwähnung datiert 1349, als Knappe Konrad v. Dehem seinen Anteil an Waghorst seinem Bruder verkauft. Später kam Gut Waghorst an die von Vinke, die es 1395 an Segewin von dem Bussche verkaufte, dessen Söhne Dietrich und Segewin es gemeinsam besaßen. Des Letztgenannten Schwiegersohn Dietrich von dem Berge verkaufte seinen Besitzanteil an Dietrich von dem Bussches Sohn Wilhelm. Er stiftete 1519 eine Vikarie in der Pfarrkirche Rödinghausen, wobei das Besetzungsrecht an den Besitz des Gutes geknüpft war. Als letzter seines Zweiges vermachte er Haus Waghorst testamentarisch seinem Vetter Jobst von Korff gegen eine Zahlung auf das Gut und die zugehörigen Höfe in Hüffen, Weringdorf, Holtel und Schwenningdorf. Wilhelms Schwester bestätigte die Übertragung und trat Jobst 1523 ihre Rechte an den Höfen ab. Die Ansprüche von Wilhelms Vetter Johann von Oeynhausen wurden durch Zahlung abgefunden. Nach Wilhelms Tode erhoben seine Schwäger von Münchhausen und von Klenke Anspruch. Der anschließende Prozess endete mit einem Vergleich, der Jobst von Korff den Besitz der Waghorst bestätigte. Als Grablege diente den von Korff zu Waghorst die Rödinghauser Pfarrkirche. Die Familie zählte zur eingesessenen Ravensberger Ritterschaft und hatte zwei Stimmen im Landtag. Gut Waghorst war zusammen mit dem benachbarten Böckel (siehe Böckel) der größte Leibherr und mit diesem der größte Grundbesitzer in Rödinghausen. 1823 erwarb die Familie Ostmann von der Leye das Gut. 1868 wurde Gottlieb Meyer zur Capellen zunächst Verwalter, ab 1871 auch Pächter der Waghorst. Unter seiner Leitung befand sich 1888-1907 im Herrenhaus der erste Sitz der selbständigen Amtsverwaltung Rödinghausens. 1899 umfassten die Ländereien knapp 190 ha. Nach Auslauf des Pachtvertrages kam Waghorst an die Besitzer von Gut Böckel. Seit den 1940er Jahren diente die Waghorst zur Unterbringung kriegsevakuierter Familien, bevor es die Kommune kaufte, die das als baufällig eingestufte Gut 1967 abreißen und die Ländereien parzellieren ließ. (Andreas Kamm)

Bauentwicklung:

Mitteilungen zur Baugeschichte des Hauses Waghorst liegen bisher nicht vor. Ursprünglich als Wasserburg angelegt, wurde die Anlage vermutlich im 16. oder 17. Jh. zu einem zweiflügeligen zweigeschossigen Herrensitz umgebaut. Auf einer kolorierten Zeichnung von Johann Hermann Siekendiek 1793 ist eine Ansicht des Gutes überliefert. Von der vermutlichen Gräfte, die das Anwesen anfänglich ganz umgeben haben dürfte, waren 1825 noch breite Wassergräben an der Nordost- und Südostseite vorhanden. Das Erscheinungsbild von Westflügel und Brückenpfosten 1905 lässt als Entstehungszeit wengistens für diese Teile die zweite Hälfte des 17. Jhs. annehmen. Aus dem Steinmaterial des abgebrochenen Herrenhauses wurde 1967 ein Damm aufgeschüttet, über den seither die Einfahrt zu einem 100 m südlich des einstigen Herrenhauses gelegenen Wohngebäude führt. (Andreas Kamm)

Baubeschreibung:

Die Renaissanceanlage, die auf einen mittelalterlichen Adelssitz zurückgeht wurde 1967 abgerissen.
Ein Foto von 1905 zeigt zwei rechtwinklig zueinander stehende Flügel mit schlichten Fassaden. Sie werden jeweils über etwa mittige Zugänge zur Hofseite hin erschlossen. Die Portalachse des Ostflügels mit ebenerdigem Portal ist im Ober- und Dachgeschoss u.a. durch große Fenster und einen Dacherker von den übrigen Wand- und Dachflächen abgesetzt, die nördliche Stirnseite des Ostfllügels mit einem Krüppelwalm geschlossen. Die Überkragung beider Obergeschosse zeigt eine Ausführung in überputztem Fachwerk an, während die unregelmäßige, vom Obergeschoss abweichende Anordnung der Fenster für das Eingangsgeschoss des Ostflügels eine massive Ausführung nahelegt. Er dürfte zugleich der ältere Flügel und das Obergeschoss später erneuert worden sein. Dachfirst, Traufkante und Fensterbänder des Südflügels sind gegenüber dem Ostflügel etwas erhöht, insbesondere im Eingangsgeschoss, dessen Portal über eine vorgelagerte Treppe zu erreichen ist. Die nördliche Giebelseite des Flügels ist mit einem Krüppelwalm geschlossen und achsensymmetrisch durchfenstert (drei Fenster je Geschoss). Die hofseitige Fassade des Südflügels gliedern neun Fensterachsen. Der Zutritt zum Hof erfolgte bis 1967 über eine parallel zum Südflügel gerichtete (an diesen anschließende?) dreibogige Brücke, die den Graben überspannte. Die Brückenpfosten, mit großen hochovalen Steinkugeln besetzt, zeigten vorderseitig je einen Wappenschild in Barockformen. Die Brücke ist ohne Pfosten und Brüstung noch erhalten und liegt teilweise unter der nach dem Abbruch des Herrenhauses neu angelegten Zufahrt. Die beiden jahrhundertealten Linden unmittelbar neben den Pfosten markieren bis heute die Brückenauffahrt. Spuren des Grabens sind unmittelbar südlich der Brücke im Gelände noch zu erkennen (Andreas Kamm)