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Wachendorf

Geschichte:

Eine erste urkundliche Nachricht aus dem Jahr 1190 berichtet von einer Vogtei zur Verwaltung eines kirchlichen Grundbesitzes, die von einem ortsansässigen Adeligen besetzt war. Nach der Wasserburg benannte sich spätestens ab 1287 das Adelsgeschlecht von Wachendorf. Die Vogtei bildete die Grundlage für die spätmittelalterliche jülichsche Unterherrschaft Wachendorf. 1434 erwarb Emmerich Brent von Vernich von Otto von Wachendorf Burg und Herrschaft. Im folgte Werner von Hompesch und um 1514 sein Sohn. Dessen Tochter Cecilie erbe nach seinem Tode die Burg. Durch ihre Ehe mit Johann von Palandt ging das Anwesen an ihn über. Als er 1533 verstarb erbte sein ältester Sohn Werner von Palandt die Herrschaft Wachendorf, der sich als designierten Nachfolger seines Vaters schon ab 1527 Herr zu Wachendorf nannte. Nach seinem Tod übernahm sein Bruder Marsilius 1552 die Burg. Burg Wachendorf blieb bis zur Teilung des Besitzes 1687 in den Händen der Familie von Palandt, danach ging zunächst ein Teil der Herrschaft an Adolf Alexander von Hatzfeldr-Weisweiler, dessen Sohn Edmund Wachendorf 1721 durch den Kauf des palandtschen Anteils wieder vereinigen konnte. 1768 erwarb Freifrau von Hallberg das Schloss, veräußerte es jedoch bereits 1780 an Adolph Freiherr von Ritz. Nach dessen Tod konnte 1843 der Euskirchener Landrat Johann Peter Schröder das Gut erwerben. Von seinen Erben wurde es 1877 an Friedrich Freiherr von Solemacher-Antweiler. Sein Sohn verkaufte 1896 den Wachendorfer Besitz an Paul von Mallinckrodt, dessen Urenkel Dr. Herbert Müller von Blumencron ihn 1972 beerbte. (Hans-Jürgen Greggersen)

Bauentwicklung:

Weder schriftliche Quellen noch sonstige Nachrichten geben über die mittelalterliche Baugestalt der Burg Auskunft. Allein die im spätbarocken Umbau überlieferte Bausubstanz im Mittelturm und im nordwestlichen Herrenhaus weisen auf eine mittelalterliche Entstehungszeit hin, die möglicher Weise bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts entwickelte sich aus einem Wassergraben umwehrten Turm ein Konglomerat verschiedener Gebäude und Türme, wie es einer Zeichnung Renier Roidkins aus der Zeit um 1725 zu entnehmen ist. Zu diesem Zeitpunkt war von der mittelalterlichen Vorburg schon nichts mehr vorhanden. Während der Auseinandersetzungen des Dreißigjährigen Krieges entstanden um 1642 die großen Befestigungsanlagen aus Wällen und Rondellen um das Schloss herum, die heute zum Teil noch erhalten sind. Nachdem ab 1750 die neuen Wirtschaftsgebäude errichtet wurden, begann man um 1780 mit dem barocken Umbau des Herrenhauses, für den man umfangreiche Bausubstanz der Vorgängerbauten übernahm. Rund hundert Jahre später, 1883, wurde die gesamte Anlage nochmals im damaligen historisierenden Zeitstil umfassend verändert. In diesem Zustand hat Schloss Wachendorf bis heute weitgehend erhalten. (Hans-Jürgen Greggersen)

Baubeschreibung:

Die mittelalterliche Gestalt der Burg Wachendorf lässt sich aus den im barocken Umbau integrierten Resten erschließen, von denen sich vor allem im Turm und den angrenzenden Gebäudeteilen umfangreiche Substanz erhalten hat. Die Gesamtanlage ging demnach aus einem massiven Turmbau hervor, dem sich weitere Bauteile anschlossen. Das Burghaus war von Wassergräben umgeben. Die untergegangene Vorburg schloss sich vermutlich im Westen an. Wassergräben und Vorburg sind heute komplett verschwunden. Das im ausgehenden 18. Jahrhundert entstandene Herrenhaus präsentiert sich vor allem in seiner im 19. Jahrhundert veränderten Form. Der verputzte, dreigeschossige Bau besteht im Kern aus einem rechteckigen Baukörper, dessen Front von einem hohen, zentralen, quadratischen Turm mit insgesamt sechs Geschossen überragt wird. Flache, einachsige Eckrisalite betonen die Kanten der Fassade. Nach hinten erweitert sich der Baukörper leicht, so dass der Eindruck zweier vortretender Flügel entsteht. Die gequaderten Ecken der Bauglieder und Fenster sowie die aufwändigen Traufgesimse des 19. Jahrhunderts sind farblich hervorgehoben. Ein Mansarddach bedeckt sowohl Hauptgebäude als auch den Turm. Im Nordwesten der Anlage erhebt sich noch der Sockel eines großen Rondells des 17. Jahrhunderts mit angrenzenden Mauerresten und Wassergraben. Desgleichen im Südosten, jedoch wurde dieses Rondell im 19. Jahrhundert turmartig aufgestockt. (Hans-Jürgen Greggersen)