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Zievel

Geschichte:

In der ältesten bekannten Nachricht zu Zievel aus dem Jahr 1107 werden die Grafen von Limburg als Eigentümer des Allods erwähnt. Ob sie durch eine Heirat mit den Edelherren von Hengebach daran gelangten, ist nicht zweifelsfrei zu klären. Die Nennung des Namens "Godefriedus de Civile" 1169 verweist weniger auf den Burgbesitzer, sondern auf einen örtlichen Ministerialen. 1190 gewann der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg kurzfristig die Verfügungsgewalt über Zievel, jedoch traten spätestens 1234 die Edelherren von Daun die Herrschaft über Zievel an. Seit 1377 befand sich der Ritter Johann Schmeich von Lissingen im Besitz von Burg und Herrschaft Zievel. 1440 kam es zu einer Erbteilung von Zievel zwischen Werner von Vlatten und Metze von Lissenich, deren Sohn Johann von Lissenich seinen Anteil am Eigentum der Herrschaft 1479 mit Karl Metternich zu Sonnenberg gegen dessen freiadeligen Hof zu Weiler tauschte. Somit konnten die Herren von Metternich, die zuvor schon den anderen Anteil an Zievel erworben hatten, Burg und Herrschaft in ihrem Besitz vereinigen. Als Heinrich Hartard von Metternich Mitte des 17. Jahrhunderts ohne männlichen Erben verstarb, wurde das Erbe unter seinen Schwiegersöhnen Ferdinand von Frentz und Johann Nikolaus Schenk von Schmidburg aufgeteilt, so dass es 1661 zum Bau eines zweiten Herrenhauses kam. Noch im 17. Jahrhundert fiel der Besitz der gesamten Burg an die Freiherren von Metternich-Müllenark. Nach langwierigen Prozessen wurde 1783 Maria Anna Sophia von Metternich-Müllenark und ihrem Gatten Sigismund Freiherr von Roth das Erbe an Burg Zievel zugesprochen. Zu dieser Zeit war das Anwesen jedoch schon lange verpachtet. Die langjährige Pächterfamilie Krewel konnte 1820 den Besitz an Zievel erwerben. Ihre Nachkommen sind noch heute auf der Burg ansässig. (Hans-Jürgen Greggersen)

Bauentwicklung:

Die im heutigen Bau erhaltenen Überreste der Außenmauern und Türme der ehemaligen Vorburg sowie des Bergfrieds lassen auf eine Entstehungszeit im 14. Jahrhundert schließen. Gegen Mitte des 15. Jahrhunderts erfolgte eine Verstärkung der Anlage mit dem Bau des von zwei Türmen flankierten Turms. Wohl um diese Zeit errichtete man auch nördlich des Bergfrieds ein Herrenhaus. Aufgrund der Erbteilung musste 1661 ein zweites Herrenhaus erbaut werden, das im Süden an die Vorburgmauer grenzend den Graben überschnitt. Anstelle des alten Herrenhauses entstand 1825 bis 1828 zwischen Bergfried und Torbau ein neuer Wohnbau. In den Jahren 1872 und 1895 wurde die Anlage modernisiert und umgebaut. Zwischen 1954 und 1963 wurden die beschädigten Vorburgtürme wieder hergestellt und der Bergfried restauriert. In diese Zeit fallen auch der Abbruch der Scheune im Nordosten der Vorburg und der Neubau des Vorburgsüdostflügels. Heute umgibt ein Golfplatz die Anlage. (Hans-Jürgen Greggersen)

Baubeschreibung:

Die zweiteilige Burganlage war einst von breiten Wassergräben umgeben, von denen sich nichts mehr erhalten hat. Der runde Turm des Bergfrieds erhebt sich weit über die Anlage, sein auskragender Wehrgang und die abschließende Schweifhaube sind Ergänzungen des 20. Jahrhunderts. Das nördlich des Turmes im frühen 19. Jahrhundert neu entstandene Herrenhaus bildet mit seinem zweigeschossigen, rechteckigen Baukörper den Südwestflügel des Hofes. Ein flaches Mansarddach bedeckt den Bau. Unmittelbar angrenzend steht das mittelalterliche Spitzbogentor, das von zwei Rundtürmen gerahmt wird. Über einem Spitzbogenfries kragt ein Wehrgang aus, der an den Türmen und über dem Tor mit Wurföffnungen versehen ist. Das heutige Dach des Torbaues ist eine freie Rekonstruktion des 19. Jahrhunderts. Der annähernd quadratische Hof wird von einer Außenmauer umgeben, die in weiten Bereichen noch mittelalterliche Substanz enthält. Die drei erhaltenen runden Ecktürme im Osten, Westen und Süden der ehemaligen Vorburg wurden im 20. Jahrhundert teilweise stark ergänzt. Südlich der Vorburg schließt sich der Bau des zweiten Herrenhauses an. Der eineinhalb geschossige verputzte Bau des 17. Jahrhunderts wird von einem flachen Satteldach gedeckt, sein über einem Rundbogenfries aufsteigender Treppengiebel entstammt dem 19. Jahrhundert. Ein schmaler moderner Bautrakt verbindet die beiden Herrenhäuser heute miteinander. (Hans-Jürgen Greggersen)