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Mauracher Berg

Geschichte:

Auf dem Reichstag von Augsburg wurde am 7. August 952 Graf Guntram wegen Auflehnung verurteilt und enteignet. Sein Besitz in Maurach wurde 962 von Kaiser Otto dem Großen an Bischof Konrad von Konstanz gegeben. Denzlingen hingegen kam später (wie Riegel) ans Kloster Einsiedeln und nahm eine völlig getrennte Entwicklung. 1302 wurde Maurach vom Bischof an das Domkapitel Konstanz weitergegeben.
Der Ort heißt in den frühen Quellen "Muron", was mit "zu den Mauern" zu deuten ist. Direkt unterhalb des Berges ist im Bereich des Mauracher Hofes eine römische villa rustica teilweise ergraben worden, wo offenbar auch Eisenverhüttung betrieben wurde.
Ob die früh erwähnte Pfarrkirche (z.B. 1155 "curtis in Muren cum ecclesia") unten beim Hof oder schon oben auf dem Berg stand, ist unsicher.
Die frühe Wehranlage erhält ihre Bedeutung neben ihrer zu erwartenden frühen Zeitstellung auch durch die wichtigen historischen Bezüge. Insgesamt könnte hier erstmals im Breisgau eine ottonenzeitliche Wehranlage fassbar werden. (Heiko Wagner)

Bauentwicklung:

Zur baulichen Entwicklung der vermutlich ottonischen Anlage liegen bislang keine gesicherten Erkenntnisse vor. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Am östlichen Ende des heute angewachsenen Dorfes Denzlingen, unweit des Schwimmbads. Nördlich oberhalb des Mauracher Hofes. Am östlichen Ende des langgestreckten Mauracher Berges (isolierte Scholle in der Rheinebene mit komplexer Geologie). Das ungefähr rechteckige Plateau trägt die Ruine der spätgotischen Severinskapelle (eingemeißelte Jahreszahl 1497) und weiterer Anbauten. Der als Felder und Wiesen genutzte Südhang ist für die Landwirtschaft terrassiert.
Westlich der Kirche zeigt sich ein deutlicher Halsgraben, der die Kernburg begrenzt. Die Fläche von 5000 Quadratmetern ist derzeit eine Schätzung. Weiter westlich befand sich ein weiterer Abschnittsgraben, der heute weitgehend verfüllt ist. Sein auslaufendes Ende ist nördlich des Höhenweges zu erkennen. Hier wird die Fläche dieser Vorburg mit 10.000 Quadratmetern geschätzt. Insgesamt ergibt sich in der Ost-West-Richtung eine Länge von knapp 300 Metern.
Durch Begehungen wurden an verschiedenen Stellen einzelne Keramikscherben gefunden, die sich nur grob etwa zwischen das 7. und 11. Jh. datieren lassen. Grund sind einerseits die Zeitlosigkeit von Form und Machart, andererseits die kleine Zerscherbung und das Fehlen von Randscherben.
Insgesamt zeichnet sich eine ausgedehnte frühe Wehranlage ab, die offenbar älter als der übliche hochmittelalterliche Burgenhorizont im Breisgau ist, der in der 2. Hälfte des 11. Jhs. Einsetzt. Ihr Aussehen und ihre Zeitstellung müssen weiter erforscht werden. Durch das Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen und das Regierungspräsidium Freiburg wurde im Juli 2010 eine geophysikalische Untersuchung durchgeführt. Dabei wurden offenbar Mauern im Boden festgestellt; die Untersuchung ist noch nicht ausgewertet. Eine weitere geophysikalische Untersuchung im Bereich des Bauernhofes am Fuß des Berges ergab im Dezember 2010 den Grundriss einer römischen villa rustica (Heiko Wagner)

Arch-Untersuchung/Funde:

Geophysikalische Prospektion durch die Denkmalpflege in Arbeit (Sommer 2010). - Begehungen erbrachten u.a. einzelne kalkgemagerte Wandscherben (merowingerzeitlich bis ottonisch oder salierzeitlich, nicht genau datierbar). (H.W.)